Kirchenchor Küssnacht mit Solisten und Orchester: Zum Jubiläumskonzert hat der Kirchenchor vier Solisten eingeladen.  Bild Jsabella Theiler
Kirchenchor Küssnacht mit Solisten und Orchester: Zum Jubiläumskonzert hat der Kirchenchor vier Solisten eingeladen. Bild Jsabella Theiler

Musik

Kirchenchor jubiliert mit Jubelmesse

Anlässlich ihres 111-jährigen Bestehens führte der Kirchenchor Küssnacht am Palmsonntag in der Pfarrkirche ein Jubiläumskonzert auf. Gemeinsam mit Solisten und Orchester wurde mit erlesener Musik, einer Kantate von Johann Sebastian Bach und der Jubelmesse von Carl Maria von Weber auf Ostern eingestimmt.

Der Kirchenchor unter der Leitung von Conrad Demarmels besuchte im letzten Jahr Dresden und feierte deshalb seinen Jubiläumsanlass mit der Jubelmesse von Carl Maria von Weber. Vor gut 200 Jahren komponierte dieser im Auftrag des sächsischen Königs in Dresden seine Jubelmesse, welche auf das festliche Ereignis der goldenen Hochzeit des königlichen Herrscherpaares anspielte. 1902 sind erste Aufzeichnungen des Kirchenchorvereins vorhanden. Da der Chor zirka alle fünf Jahre ein Konzert aufführt, galt diese 111-jährige Jubiläumszahl als originell. Am Bettag vor drei Jahren wurde das 300- Jahr-Jubiläum der Pfarrkirche in Küssnacht gefeiert, und das entspricht etwa dem Alter der Kantate von Johann Sebastian Bach von 1714, ein Aufeinandertreffen von Jubiläen also.

Himmelskönig sei willkommen

Im ersten Teil des Konzertes erklang die Kantate «Himmelskönig sei willkommen », welche Johann Sebastian Bach für die Aufführung am Palmsonntag 1714 komponiert hatte. In diesem Jahr fiel das Fest Mariä Verkündigung auf den Palmsonntag. Mit diesem Werk, das dieThematik beider Feste in einzigartiger Weise verbindet, wurde die Auslegungsart des Palmsonntagsevangeliums durch den Textdichter Salomon Franck gedeutet: Der Einzug Jesu in Jerusalem als Einzug in das Herz der Gläubige. Anstelle einer festlichen Musik stellte Bach in dieser Kantate in acht Sätzen der chörigen Orchestrierung individuelle, solistisch besetzte Instrumente einander gegenüber. Nebst der Solovioline setzte er die Flöte als einziges solistisch verwendetes Holzblasinstrument ein. So entstand eine Melodie in zwei Gestalten. Im Eröffnungssatz ist deshalb dieser Einzug Jesu als göttliche und irdische Gestalt in Jerusalem mit einem freudigen Willkommen zu spüren. Nicht mit Pauken und Trompeten, sondern einer ruhigen Andante-Bewegung. Im zweiten Da-capo-Chorsatz der Solisten wird das Thema der ganzen Kantate in einer Kernaussage zusammengefasst:

Einzug in unsere Herzen

Der Einzug Christi in Jerusalem soll zugleich ein Einzug in unser eigenes Herz sein. Die Menge, die wartet. Einer nach dem andern heisst ihn willkommen. Mit «Komm herein» wurde dabei eine spezielle Tonart gewählt, die von einem bis auf fünf Kreuze wechselte. Nach einem kurzen Bassrezitativ wird mit «Siehe, ich komme» der Einzug aus der Warte Jesu beschrieben. In den folgenden Arien wechselte Bach nicht nur die Besetzung, sondern auch die Form, indem er die Instrumentalbegleitung schrittweise verkleinerte. Einfache Melodien, kleine Intervalle. Die starke Liebe hat den Gottessohn dazu getrieben, den Willen seines Vaters zu erfüllen, kraftvoll gesungen vom Bassbariton Stefan Vock. Mit «Leget euch dem Heiland unter» vereint die Arie den Aspekt des Palmenstreuens und der als unbefleckt geltenden Figur Mariens als Appel an die Christen, das christliche Herz dem Heiland zu Füssen zu legen. Die expressiv absteigende Altstimme von Karin Schärli wurde dabei von der Flöte unterstützt. In der Continuoarie desTenors Simon Jäger-Vogel wurde der Zuhörer selbst aufgefordert, auch in Zeiten der Verfolgung und Bedrängnis nicht von Jesus zu lassen. Die beiden letzten Chorsätze wiesen dann auf den himmlischen Lohn hin, der dem Christen durch die Passion Jesu zuteil geworden ist. In Text und Musik schien die Schwere der Passion überwunden und die österliche Vorfreude nicht mehr fern.

Zweiter Akt aus dem Herzen

Im zweitenTeil sangen Chor und Solisten die Jubelmesse von Carl Maria von Weber, wobei vor allem die Partie des Soprans Cornelia Stäb herausstach. Der Agnus-Dei-Teil begann mit einem Altsolo in volksliedhafter Melodik und wurde mit dem abschliessenden Friedenswunsch «Gib uns deinen Frieden» in sphärischerArt undWeise für Sopran im Wechsel mit Chor und Instrumenten komponiert. Den Sängern und Musikern gelang es, ein Konzert «der Grösse des Gegenstands» (C. M. von Weber) mit dem Besten wiederzugeben.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

26.03.2013

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