Der Dauerregen nach dem Festgottesdienst störte die Trachtenkinder nicht.
Der Dauerregen nach dem Festgottesdienst störte die Trachtenkinder nicht.
Eine geschmückte Kuh erhält während des Festumzugs einen Kuss.
Eine geschmückte Kuh erhält während des Festumzugs einen Kuss.
Die neue Sennenfahne wurde feierlich eingeweiht.
Die neue Sennenfahne wurde feierlich eingeweiht.

Volkskultur

20000 Besucher zelebrierten die grosse Sännechilbi

Derzeit findet das grösste Brauchtumsfest der Zentralschweiz statt. Die Sännechilbi, die alle sechs Jahre über die Bühne geht, zog das Publikum in Scharen nach Küssnacht.

Das Wahrzeichen von Küssnacht ist seit Donnerstag nicht die Hohle Gasse, sondern der 42 Meter hohe Kletterbaum auf dem Dorfplatz, der weit sichtbar auf den besonderen Anlass aufmerksam macht. Brauchtum und Tradition wird im Rigidorf gross geschrieben. Besonders, wenn wieder die Sännechilbi stattfindet. Nur alle sechs Jahre wird sie in Küssnacht durchgeführt.

Wettergott ist kein Senn

Mörserschüsse kündigten in aller Herrgottsfrühe das Fest der Feste an. EinzigerWermutstropfen: DerWettergott ist wohl definitiv kein Senn. Wer trotz Regen kam, erlebte aber einen gehaltvollen Gottesdienst, ein mit viel Musik undGesang gespicktes Sennenmahl und einen farbenprächtigen Umzug mit vielen urchigen und kunstvollen Sujets. Für Sännechilbi-Präsident Bruno Werder und seine Vorstandskollegen ging eine intensive Vorbereitungszeit zu Ende. Seine Bilanz fiel nach dem gestrigen Tag durchwegs positiv aus: Noch nie hätten an einem Sonntag so viele den Kletterbaum bezwungen. «Zwölf Kletterer, das ist absoluter Rekord», freute sich Werder. Im Vergleich: Vor sechs Jahren waren es am Sonntag deren elf. Heute werden es weitere Wagemutige versuchen.

Neue Fahne geweiht

Es ist Tradition, dass die Sännechilbi besinnlich, mit einem Festgottesdienst in den Sonntag startet. «Vor lauter Vorfreude tut der Petrus weinen. Jetz längts aber», ermahnte Sennenprobst Pfarrer Werner Fleischmann Petrus. In seiner Predigt unterstrich Fleischmann die Bedeutung des Brauchtums. Dazu gehört auch die neue Fahne, welche die Sennen- und Älplergesellschaft Küssnacht erhielt, und die in einem feierlichen Akt geweiht wurde. Die alte aus dem Jahr 1982 hat ausgedient. «Die Fahne ist mehr als ein Stück Stoff. Sie zeigt, dass wir zusammengehören», so der Sennenprobst, der auch die Bedeutung der Sännechilbi unterstrich: «Weihnachten ist einmal im Jahr, ebenso das Küssnachter Jass-Memorial. Die Sännechilbi indes ist wichtiger als der Kilchberg-Schwinget, der ebenfalls alle sechs Jahre stattfindet.» Untermalt wurde der Festgottesdienst mit viel Jodelgesang und Alphornklängen. Gänsehaut herrschte auf den Rängen, als Werner Odermatt zum Betruf ansetzte.

Nachwuchs in den Startlöchern

Ein weiterer Höhepunkt war das Sennenmahl im Pfarreizentrum Monséjour mit Gästen aus Verbänden, Politik, Wirtschaft und Sport. Unter den 550 Besuchern war auch Nationalrätin Petra Gössi. Die Küssnachterin ist in einem traditionellen Umfeld aufgewachsen. Ihr Vater, Toni Gössi, war lange Jahre Sennenschreiber und Präsident der Sankt Niklausengesellschaft. «Mir sind Traditionen wichtig. Sie lassen mich spüren, wo mein Zuhause ist, und sie gebenmir auch im Alltag einen wichtigen Halt», sagte die Politikerin, die im Ging-Gang – so wird die Werktagstracht genannt – erschien. Sie ist stolz auf diese Tracht, denn diese habe ihre Mutter genäht. «Der Ging-Gang ist einfach und robust, das gefällt mir und passt zu mir», verriet Gössi. Um den Trachtennachwuchs braucht sich die Sennengesellschaft keine Sorgen zu machen. 32 Kinder-Trachtenpaare, im Alter von 4 bis 16 Jahren, tanzten sich in die Herzen der Festbesucher. Der 4-jährige Oliver Knüsel, mit seiner Tanzpartnerin AndrinaUlrich (6) an seiner Seite, verriet, dass er heute Montag auf einem Wagen mitfahren dürfe. «Das ist viel schöner, dann muss ich nicht tanzen. «Das isch de nur öppis für d Meitli », sagts und schaut dabei verlegen auf seine Tanzpartnerin. Die Trachtenkinder Aurelia und Pascal Knüsel dankten dem Bezirksrat für den freien Schultag. «Em Schuelrat au no e bsundere Dank, läär blibt am Mändig üse Schuelbank.»

Weniger Besucher als letztes Mal

Mit 20 000 Besuchern kamen gestern zwar weniger als vor sechs Jahren (30 000), was wohl dem Wetter zuzuschreiben war. Dies tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Unter den Zuschauern war auch Oliver Ebert aus Küssnacht, der sich zumThema Brauchtum Gedanken machte: «Brauchtum ist wichtig und muss weitergegebenwerden. Es ist Bestandteil von unserem Land.» Anziehungspunkt gestern war der Kletterbaum auf dem Dorfplatz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

01.02.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/NrgXdW