Ist in die Rolle hineingewachsen: Der Küssnachter Otto Weiss als Wilhelm Tell. (Bild Edith Meyer)
Ist in die Rolle hineingewachsen: Der Küssnachter Otto Weiss als Wilhelm Tell. (Bild Edith Meyer)

Volkskultur

Der perfekte Wilhelm Tell

Seit zwei Jahren ist Otto Weiss als Wilhelm Tell unterwegs. Sein Bart ist echt, und mit der Armbrust weiss er umzugehen. Mit über 35 Auftritten pro Saison wäre der Küssnachter froh, einen Ersatz-Tell zu finden.

Otto Weiss ist der perfekte Wilhelm Tell. Seinen Bart trägt er seit 1972 – und in der Schule war er immer der Grösste: «Den Bart liess ich mir damals aus Spass an Weihnachten auf der Rigi wachsen», sagt Otto Weiss. Mit seiner stattlichen Grösse von 1,94 Meter beeindruckt er die zahlreichen Besucher der Hohlen Gasse.

Fasziniert vom Nationalhelden
Als Tell-Darsteller hatte er im Frühling vor zwei Jahren seinen ersten öffentlichen Auftritt. Damals wurde er vonWalterli, seinem Enkel Cyrill, begleitet. Dazu kam es, weil derVerwalter der Hohlen Gasse, Hans Grossrieder, bei ihm anklopfte. «Ich konnte es mir nicht vorstellen – doch er liess einfach nicht locker.» Zwischenzeitlich hat sich Otto Weiss an die Rolle gewöhnt, und es macht ihm Spass, den Menschen als Nationalheld Freude zu bereiten. «Viele Historiker wünschen Tell dahin, wo der Pfeffer wächst», sagt OttoWeiss. Er selbst sei fasziniert vom Nationalhelden. «Am Anfang kam ich mir vor wie ein Sagenerzähler. Das liegt mir nicht, weil ich mich mit Tell identifiziere.» Otto Weiss hat sich auch intensiv mit derTell-Persönlichkeit auseinandergesetzt. Der Nationalheld sei ein gradliniger Mensch gewesen. Hat etwa Otto Weiss ähnliche Charakterzüge? «Ja. Für mich ist ein Wort ein Wort. Was heute gilt, gilt auch morgen.» Wer einen Fehler mache, müsse den Mut haben, diesen einzugestehen. «Wir lernten auch noch Danke zu sagen. Das ist bei vielen abhanden gekommen.» Otto Weiss bedauert es, wenn solche wichtigen Charakterzüge verloren gehen. Sein Lieblingsbuch ist übrigens Claudio Scherers «Und es gab den Tell doch».

Kein Alkohol während der Arbeit
Erstaunlich sei es, dass die Deutschen und die Österreicher viel mehr über Tells Geschichte wüssten als die Schweizer. «Sogar viele Küssnachter kamen zum ersten Mal in die Hohle Gasse. Das ist doch traurig», sagt Weiss nachdenklich. Er nimmt seine Rolle in der Hohlen Gasse sehr ernst. Er sei immer früher vor Ort, schaue sich die Situation an und bereite sich auf die Besucher vor. «Oftmals sind es geselligeAnlässe, an denen ich auftrete. Für mich ist aber klar, dass ich nie während meiner Arbeit Alkohol trinken würde», betont er.Auftritte hat er schon viele gehabt.

In vielen Fotoalben gelandet
Weiss ist ein Profi geworden, und er ist sich Fotoshootings im Luzerner Old Swiss House, Auftritte mit Alphornbläsern undTouristen- oder Firmenausflüge zu den Sehenswürdigkeiten der Zentralschweiz gewohnt. «Manchmal bin ich umringt von Japanern, Chinesen, Indern und Amerikanern, die alle ihre Kameras zücken und mich fotografieren », erzählt Weiss. Ausserdem lerne er viele Menschen aus Politik, Wirtschaft und Militär kennen. Viel Lustiges passiert mit dem Apfelschuss. «Einige sagen, sie hätten wegen dem Schuss das Testament gemacht, andere verabschieden sich von ihren Frauen.» Es sei immer ein Riesengaudi. Otto Weiss versichert aber, dass, wenn er auf den Apfel ziele, nichts passieren könne. «Der Schuss ist 100 Prozent treffsicher.» Treffend sind auch seine Ratschläge als WilhelmTell: «Die Menschen sollten sich begnügen mit dem, was sie haben – und nicht immer das wünschen, was sie nicht haben.Wir leben in einem wunderschönen Land. Das soll man schätzen.»
Bote der Urschweiz (Edith Meyer)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

05.08.2009

Webcode

schwyzkultur.ch/NibruX