Die Rigimutter und der Rigivater präsentieren sich am Küssnachter Fasnachtsumzug.
Die Rigimutter und der Rigivater präsentieren sich am Küssnachter Fasnachtsumzug.
Schnitzen ohne Skizze: Urs Knüsel arbeitet an einer Holzmaske in seiner Werkstatt. Das Fell für die Haare der Masken kommt von isländischen Schafen oder von Langhaar-Geissen aus dem Urnerland. Bilder Edith Meyer
Schnitzen ohne Skizze: Urs Knüsel arbeitet an einer Holzmaske in seiner Werkstatt. Das Fell für die Haare der Masken kommt von isländischen Schafen oder von Langhaar-Geissen aus dem Urnerland. Bilder Edith Meyer
Bernadette Knüsel zeigt ein selbstgenähtes Rigifrau-Kleid. Im Estrich bewahrt sie viele Fasnachtsutensilien und selbstgeschnitzte Masken auf
Bernadette Knüsel zeigt ein selbstgenähtes Rigifrau-Kleid. Im Estrich bewahrt sie viele Fasnachtsutensilien und selbstgeschnitzte Masken auf

Volkskultur

Die Rigi Lüüt tragen seine Handschrift

Urs Knüsel schnitzt mit Passion. Der 65-Jährige hat schon über 1000 Masken gefertigt. Er erzählt, warum die Rigi Lüüt keine Schleckstängel an der Fasnacht verteilen – und warum dem Verein Nachwuchs gut tun würde.

Seit 35 Jahren schnitzt Urs Knüsel. Zu Hause hat er sich eine Werkstatt eingerichtet. Und hier in seinem Reich entstehen fröhliche, liebliche, aber auch leicht gfürchige Holzmasken für die Rigi Lüüt. Knüsel ist ein Profi. Er nimmt einen Holzblock, bearbeitet ihn mit der Bandsäge und spannt ihn im Schraubstock ein. Mit einem runden Holzschnitzerhammer schlägt er präzise auf das Schnitzmesser. Die Holzspäne fliegen im Sekundentakt durch den Raum. «Ich bin bald der Einzige, der noch schnitzt», sagt Urs Knüsel. Am Gesicht einer Rigifrau oder eines Rigimanns arbeitet der Küssnachter etwa 12 Stunden.

Bald acht Kubik Holz verbraucht

«Es ist eine Massarbeit», betont Urs Knüsel. Er verarbeitet bevorzugt Lindenholz: «Es ist kurzfaserig, ruhig, weich und lässt sich gut schnitzen.» Passendes Holz zu finden, sei das Schwierigste. «Vor 20 Jahren habe ich im Entlebuch einen Lindenstamm gekauft. » Die acht Kubik Holz darf er seither bei seinem Bruder Ernst Knüsel auf dem Hof Erli lagern. Bald ist das Holz aufgebraucht. Denn der Küssnachter schnitzt nicht nur für die Rigi Lüüt: Knüsel belieferte die Theaterleute Küssnacht mit lustigen Weibermasken. Er erschafft immer neue filigrane, kleine Gesichter oder stellt auf Bestellung Masken für andere Vereine her. Und wie ist es, mit einem Mann verheiratet zu sein, dessen Hobby sich das ganze Jahr um die Fasnacht dreht? «Es ist wunderbar. Während mein Mann Schnitzkurse gegeben hat, habe ich viele Leute kennengelernt», sagt Bernadette Knüsel. Die Familie ist seit der Gründung der Rigi Lüüt dabei und hat ihre vier Kinder stets an die Umzüge mitgenommen. Während Bernadette Knüsel mit weiteren Frauen unter der Anleitung der Schneiderin Anna Mennel Kostüme nähte, schnitzte ihr Mann mit Toni Bünter die Rigimutter und den Rigivater.

Publikum kommt auf den Pranger

Urs Knüsel ist übrigens als Harschierer unterwegs. Diese Figur hat ihren Ursprung Ende des 17. Jahrhunderts. Im schwarzen Gewand trieben dieHarschierer im Bezirk die Steuern ein oder stellten säumige Schuldner im Pranger auf dem Dorfplatz aus. «Unser Pranger ist eine Kombination des Prangers und der Trülle», sagt Urs Knüsel. Der Pranger ist auf einem Fahrgestell montiert. Darauf werden während eines Umzugs Gäste festgeschnallt. Hinzu kommt die Figur der Rigiträger, die sich während der Fasnacht mit einer Sänfte zeigen. Etwas vermissen die Knüsels aber während der Fasnacht. «Wir würden gerne wieder mit den Masken durch die Beizen ziehen und intrigieren.» Vor 30 Jahren sei das Maskentreiben eben anders gewesen. Die jüngere Generation will heutzutage weniger unter der Maske schwitzen und unterhalten. «Wenn es Nachwuchs gäbe, könnten wir dieses Brauchtum wieder einführen», betont Bernadette Knüsel. Doch welche Voraussetzungen braucht man, um bei der Maskengruppe Rigi Lüüt mitzumachen? «Man soll Freude an der Tradition haben. Wir sind keine Guuggenmusig», fügt Urs Knüsel hinzu. Gross und Klein seien herzlich willkommen. Die Knüsels leihen sogar Kindermasken aus. Noch etwas Wichtiges: «Wir verbieten das Verteilen von Schleckstängel und Kaugummis », so der Harschierer. In die Körbe der Rigi Lüüt gehören Landjäger, Schnaps und Selbstgebackenes zum Verteilen. Speziell ist: Die Rigifrau Romy Rey backt vom Anisguetzli bis zu verschiedenen Chräpfli alles selber.

www.rigileute.ch









Bote der Urschweiz (Edith Meyer)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

09.09.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/VDwwL5