Iffelenbauer Hanstoni Gamma: «Auf der Vorderseite der traditionellen Iffele darf die Figur des St. Nikolaus nicht fehlen, auf der Rückseite gehören ein Kreuz und die Buchstaben IHS dazu.» Bild Andreas Seeholzer
Iffelenbauer Hanstoni Gamma: «Auf der Vorderseite der traditionellen Iffele darf die Figur des St. Nikolaus nicht fehlen, auf der Rückseite gehören ein Kreuz und die Buchstaben IHS dazu.» Bild Andreas Seeholzer

Volkskultur

Iffelen stechen und schneiden

Das Klausjagen steht vor der Tür. An den Iffelen wird nun der letzte Schliff angebracht.

Für den Erhalt und die Wiederbelebung des Brauches rund um die Iffele steht allen voran ein Name: Franz Sidler, Metzgermeister und Wirt «zum Sternen». Sidler hatte bereits vor 1928 mit dem Bau von Iffelen begonnen. Die von ihm verwendeten Ornamente gelten bis heute als stilbildend. Bereitwillig stand der «Sternen-Franz» jedem mit Rat und Tat zur Seite, so auch seinem eifrigsten Nachfolger Alois Gössi, der die Tradition mit zahlreichen anderen bis heute weiterführt. Auch der Küssnachter Hanstoni Gamma baut Iffelen. Für die Vorderund Rückseite versieht er je einen gleich grossen Karton mit kunstvollen, geometrischen und figurativen Ornamenten. Auf der Vorderseite der traditionellen Iffele darf die Figur des St. Nikolaus nicht fehlen, auf der Rückseite gehören ein Kreuz und die Buchstaben IHS dazu, so Gamma.

Stechen und schneiden

Mit Schnitzwerkzeugen sticht Gamma die vorgezeichneten Figuren aus. Er schneidet die Ornamente nicht – wie es früher üblich war – aus einem einzigen grossen Stück Karton, sondern setzt kleinere Stücke in eine grosse Form ein. Schliesslich beklebt er die ausgestanzten Öffnungen auf der Innenseite mit farbigem Seidenpapier. Die fertigen Vorder- und Hinterseiten werden dann auf einem ovalen Kopfbrett befestigt und an den Seiten verbunden. Schliesslich wird noch die Halterung für die Kerzen montiert. Der Arbeitsaufwand für die Herstellung einer grossen Iffele könne bis zu tausend Stunden betragen, sagt Gamma. Käuflich sind solche Iffelen nicht. Denn die Küssnachter wollen ihr Brauchtum erhalten, und dazu gehört eben auch, dass man seine Iffele selbst herstellt. Iffelen werden an Söhne vererbt oder auch verschenkt. Wenn es regnet, bleiben die empfindlichen Leuchten im Trockenen. «Bis jetzt hatten wir jedoch meist Glück, und der Umzug musste nur selten ohne Iffelenträger stattfinden», weiss Gamma.

Eine Männergesellschaft

2008 bauten 18 Küssnachterinnen und Küssnachter an einem Kurs ihre eigenen Iffelen. Unter Anleitung von Gamma wurde gezeichnet, gestanzt und geklebt. Die Arbeit ist langwierig und braucht Geduld. Vorgaben für die Ornamente gibt es nur wenige, gefordert ist die Kreativität der Kursteilnehmer. «Es eignet sich aber nicht jede Idee», sagt Gamma, «als ein Kursteilnehmer eine Heavy-Metal-Band verewigen wollte, haben wir ihn davon abgebracht.» Es gibt also Richtlinien, was die echte Küssnachter Iffele auszeichnet: Das Kreuz, der Samichlaus und die Inschrift IHS müssen zu sehen sein. Wichtig ist auch die in den Spitz verlaufende Form. «Der Rest ist ziemlich frei, die Teilnehmer sollen ihre eigenen Ideen verwirklichen können», so Gamma. Alle Kursteilnehmer können ihre Iffele jeweils an der Klausen-Generalversammlung Ende November vorstellen. Danach werden die Werke in der katholischen Kirche ausgestellt. Der Kurs stösst regelmässig auf grosses Interesse und wird alle zwei bis drei Jahre durchgeführt. Und wenn man bedenkt, dass die Küssnachter Klausengesellschaft noch heute eine reine Männergesellschaft ist, ist beim Iffelenbaukurs der Anteil mit jeweils rund 50 Prozent Frauen doch überraschend hoch. Wer weiss, vielleicht erhalten die Frauen dereinst über die sanfte Form der Iffele Eintritt in eine Urschweizer Tradition, die bis heute noch immer den Männern vorbehalten ist.

Mit der Iffele Menschen fischen

Wohl weil sie weitgehend lautlos agieren, finden die Iffelenträger erst um das Jahr 1900 urkundliche Erwähnung. Im Umzug durch Küssnacht bilden sie zu den lauten Gesellen mit Geisseln, Hörnern und Glocken einen starken Gegenpol: Sie tanzen sanft, drehen und verneigen sich ruhig und mystisch vor dem Publikum. Ihre Farben besänftigen durch ruhiges Leuchten der im Innern angebrachten Kerzen. Zauber breitet sich aus, die übergrossen Bischofsmützen versprechen Erlösung. Die Verbindung zum geöffneten Fischmaul und dem Bischof – der in seiner christlichen Funktion auch als Menschenfischer bezeichnet wird – ist nicht zu übersehen. Unklar ist jedoch, wie stark die Iffele christlicher Herkunft ist. Auf Fo

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

11.11.2009

Webcode

schwyzkultur.ch/qdpXw4