Die historische Dimension des Klausjagens bildet den Auftakt seiner Maturaarbeit: Kevin Rickenbach ging dem Küssnachter Brauchtum Klausjagen in Theorie und Praxis auf den Grund. Bild Edith Meyer
Die historische Dimension des Klausjagens bildet den Auftakt seiner Maturaarbeit: Kevin Rickenbach ging dem Küssnachter Brauchtum Klausjagen in Theorie und Praxis auf den Grund. Bild Edith Meyer
Austanzen, malen, kleben: Das Ornament auf der Rückseite (li). Einzeichnen (Mitte): verwendet wurden vor allem Grün und Blau kombiniert mit Orange und Gelb. Das Ornament auf der Vorderseite wurde im oberen Teil in die Mitte gesetzt (re). Bilder Edith Me
Austanzen, malen, kleben: Das Ornament auf der Rückseite (li). Einzeichnen (Mitte): verwendet wurden vor allem Grün und Blau kombiniert mit Orange und Gelb. Das Ornament auf der Vorderseite wurde im oberen Teil in die Mitte gesetzt (re). Bilder Edith Me

Volkskultur

In 200 Stunden Iffele selbst gebaut

Das Küssnachter Klausjagen ist einer der imposantesten Nikolausbräuche Europas. Kevin Rickenbach setzte sich in seiner Maturaarbeit damit auseinander. Ausserdem baute er eine moderne Iffele. Den Aufwand dafür hat er aber unterschätzt.

1574 Klausjäger, unter ihnen 235 Iffelenträger, zelebrierten dieses Jahr das grösste St. Nikolaus-Spektakel Mitteleuropas. Mit dabei war auch der Küssnachter Kevin Rickenbach. Er präsentierte erstmals seine Iffele, die er im Rahmen seiner Maturaarbeit selber gebaut hat.

Nicht ohne die drei Wahrzeichen

Der Ausschlag für die Themenwahl ist bei ihm klar: «Ich bin mit dem Brauch aufgewachsen», sagt Kevin Rickenbach. Man treffe Leute, die man lange nicht mehr gesehen habe, und geniesse gemeinsam den Abend. «Es ist ein faszinierender Brauch, der das Dorf zusammenbringt.» Rickenbach beschreibt im theoretischen Teil den Brauch des Klausjagens, die verschiedenen Figuren und die dazugehörenden Requisiten. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht aber der Bau einer Iffele. «Eine Iffele wird nicht gekauft oder gemietet, sondern von jedem einzelnen Klausjäger gebaut oder manchmal ausgeliehen», sagt Rickenbach.

Das mysteriöseste Requisit

Eine Iffele wird aus Karton und farbigem Seidenpapier gefertigt. Sie sieht aus wie ein Kirchenfenster. «Die grössten sind über zwei Meter hoch und 20 Kilogramm schwer.» Die Iffelen sehen aus wie grosse Laternen, die man auf dem Kopf balanciert. Man tanzt mit ihnen herum, dreht und wendet sich, damit sie die Zuschauer am Strassenrand bewundern können. «Eine Iffele zu bauen, erfordert viel Geduld, Zeit, Ideen und ein ruhiges Händchen», beschreibt Rickenbach die Arbeit. Man ist in der Gestaltung der Iffele nicht ganz frei. Die drei Wahrzeichen, der Samichlaus auf der Vorderseite, das Kreuz und das «JHS» auf der Rückseite, das «Jesus, Heilig, Seelig» bedeutet, dürfen auf keinen Fall fehlen. Die Iffele ist das wohl mysteriöseste Requisit des Küssnachter Klausjagens. Man habe keine Informationen über den Ursprung. Man weiss lediglich, dass sie schon vor hundert Jahren getragen worden sind.

Skizzen auf Karton projiziert

Kevin Rickenbach nahm den Bau seiner Iffele in Angriff, indem er als erstes Muster und Figuren skizzierte und diese und dann auf den Karton übertrug. Am längsten habe das Skizzieren des Samichlaus gedauert.Weiter gings mit dem Ausstanzen: «Es ist eine monotone Arbeit, aber man muss extrem aufpassen, dass man das Stanzmesser nicht falsch ansetzt.» Im Gegensatz zu früher malt man die Iffele heute schwarz an. So wirken die Farben besser. Weiter geht es mit dem Aufkleben von farbigem Seidenpapier. Man klebt zwei Papierschichten aufeinander, damit die Farben nicht blass wirken. Um die Iffele zu tragen, braucht es ein Gestell. Es besteht aus einem Brett, einer Kopfstütze und dem Kerzenständer aus Aluminium. Die Kerzenhalter hat Rickenbach aus alten Konservendosen gebastelt. Jeder Iffeleträger hat ein spezielles Kleid an, das fast bis an den Boden reicht. Es ist geschmückt mit glänzenden Bändern und wird an den Hüften mit einem roten Tuch zusammengebunden.

Mehr Zeit einplanen

Rickenbach zieht zwar insgesamt ein positives Fazit, gibt aber zu, dass er den Arbeitsaufwand unterschätzt hat. «Die Arbeit nimmt gewaltig viel Zeit in Anspruch, rund 200 Stunden», sagt Rickenbach rückblickend. Dennoch denke er, dass er eines Tages wieder eine Iffele bauen werde. «Die Arbeit hat mir sehr gefallen.» Nächstes Mal werde er aber mehr Zeit einplanen.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

30.12.2010

Webcode

www.schwyzkultur.ch/p9ffGU