Seppi Ulrich, Präsident der Rigi Lüüt, setzt schon bald seine Maske auf und freut sich auf die Fasnachtszeit. Bild Edith Meyer
Seppi Ulrich, Präsident der Rigi Lüüt, setzt schon bald seine Maske auf und freut sich auf die Fasnachtszeit. Bild Edith Meyer

Volkskultur

«Manchmal versteckt sich ein Mann hinter der Maske der Rigimutter»

Morgen mischen die Rigi Lüüt mit Tanzmusik und einer Maskenprämierung die Fasnacht auf. Am Hudiball im «Widder»-Saal
erhält jede Vollmaske einen Preis. Seppi Ulrich, Präsident der Maskengruppe, erzählt, warum sich dieser Verein von anderen abhebt.

Wenn die 35 Mitglieder der Rigi Lüüt an den Umzügen ihre Holzmasken präsentieren, mussman sich vor den «gfürchigen» Harschierern in Acht nehmen, sonst landet man auf dem Pranger. Anders sind die Rigimänner. Sie tragen die Leute auf der Sänfte. Die Rigifrauen wiederum verteilen am liebsten aus ihren Körben Selbstgebackenes. «Manchmal versteckt sich ei nMann hinter der Maske der Rigimutter», sagt Seppi Ulrich, Präsident der Maskengruppe Rigi Lüüt. Er selber ist dieses Jahr als Rigivater unterwegs. Solche Masken erhält man nicht von heute auf morgen. Jede ist ein von Hand geschnitztes Unikat. Wer Mitglied werden will, muss sich ein Jahr gedulden, darf aber als «Probabeli» an den Fasnachtsumzügen mitmachen. «Während dieser Zeit erhalten Interessierte ein ‹Gwand› und eine Maske von uns», sagt Seppi Ulrich. Nach dem Schnupperjahr wird man an der Generalversammlung in den Verein aufgenommen. Auch Kinder in Begleitung von Erwachsenen sind herzlich willkommen. Seppi Ulrich ist seit 15 Jahren bei der Maskengruppe Rigi Lüüt. «Wir sind keine Guuggenmusig, müssen weder proben noch Gwändli nähen, darum ist der Zeitaufwand geringer», sagt Seppi Ulrich zum Engagement. Die Jahresaktivitäten beschränken sich auf Fasnachtsauftritte in der Region und in Deutschland. Am 11. und 12. Februar nehmen die Küssnachter am Jubiläumsumzug der Hirrlinger Schlosshexen teil. Daneben finden zwei Vereinsanlässe und eine Generalversammlung am 11. November statt. Das Schönste am Verein sei die Kameradschaft mit Gleichgesinnten und dass man immer neue Leute kennenlerne.

Erfunden auf Basis geschichtlicher Überlieferungen

Wer hat eigentlich die Figuren der Rigi Lüüt erfunden? «Die Idee, eine Maskengruppe zu machen, stammte von Toni Gössi, dem ehemaligen Präsidenten der Fasnachtsgesellschaft Chalberschwanz», sagt Seppi Ulrich. Entwürfe für die Figuren machte der Küssnachter Künstler Jals Smolinski. Der Ursprung liegt in geschichtlich belegten Protokollen des Bezirksarchivs. Das Aussehen wurde inspiriert von den Rigiträgern aus dem 18. Jahrhundert, die damals wohlhabende Personen und Touristen von Küssnacht mit Sänften auf die Rigi trugen und so etwas dazu verdienen konnten. Der Anfang des Harschierers, der schwarz-gewandeten, böseren Figur, reicht ins späte 17. Jahrhundert zurück. «Sie war nicht nur ein Steuereintreiber. Der Harschierer sperrte säumige Schuldner ein oder stellte sie am Dorfplatz beim ‹Hauszur Sonne› öffentlich aus», erzählt Seppi Ulrich. Eine weitere Strafe, die der Harschierer ausführte, war das Einschliessen von Personen in eine «Trülle». In einem aufgehängten Korb wurden die Verurteilten auch in den Dorfbrunnen auf dem Dorfplatz eingetaucht. Jeder Küssnachter durfte am Rad drehen und so sein Missfallen zeigen. «Unser Pranger ist eine Kombination des Prangers und der ‹Trülle›», sagt Seppi Ulrich. Der Pranger ist auf einem Fahrgestell montiert. Darauf werden während eines Umzugs Gäste festgeschnallt. Hinzu kommen die Rigifrauen, Rigimänner, angeführt von der Rigimutter und dem Rigivater. Neben den Auftritten ziehen einige mit den Masken durch die Beizen und intrigieren. Speziell ist, dass alle Masken in Küssnacht geschnitzt wurden. Seit 36 Jahren schnitzt Urs Knüsel Einzelstücke. In seiner Werkstatt in Küssnacht entstehen fröhliche, liebliche, verschmitzte, aber auch leicht «gfürchige» Gesichter. Ein weiterer bekannter Maskenschnitzer ist der Küssnachter Toni Bünter.

Auf der Suche nach maskenbegeisterten Schnitzern

«Wir sind immer auf der Suche nach Leuten, die das Maskenschnitzen lernen möchten», betont Seppi Ulrich. Dem Präsidenten der Rigi Lüüt liegt es am Herzen, dass diese Tradition weitergegeben wird. «Schön ist: Wer im Verein ist, kann selber bestimmen, wie die Gesichtszüge der Masken aussehen sollen», sagt Seppi Ulrich. Die Rigi Lüüt verfügen über ein Lager an Kostümen, die unter der Anleitung der Schneiderin Anna Mennel genäht wurden. Noch etwas Wichtiges: Nicht gerne gesehen sind Schleckstängel und Kaugummis. In die Körbe der Rigi Lüü

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

27.01.2017

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schwyzkultur.ch/jB1wPc