Der Küssnachter Rudolf Jost zeigt einen Inful-Karton. Bild Edith Meyer
Der Küssnachter Rudolf Jost zeigt einen Inful-Karton. Bild Edith Meyer

Volkskultur

Über 100 Tisch-Infuln gebaut

Rudolf Jost gehört zu jenen, die altes Handwerk und einen mystischen Brauch bewahren. Er baut grosse und kleine Infuln – immer im Winter, und das seit über 40 Jahren.

Er ist konzentriert, arbeitet minutiös. Still sitzt Rudolf Jost da und stanzt ein Ornament aus, während draussen Nebelschwaden vorbeiziehen. «Es ist das ideale Wetter, um Infuln zu bauen.» Der Küssnachter ist kein Unbekannter. Rudolf Jost ist Ehrenmitglied bei der St. Niklausengesellschaft, gab jahrelang Kurse im Infulnbauen – und sein Schaffen wurde sogar im Fernsehen in einer Sendung des SWR gezeigt.

Zeichnen, stanzen, malen, kleben

Der 74-Jährige zeigt in seinem Arbeitszimmer, wie er eine Tisch-Iffele macht. Zuerst zeichnet er auf Karton Muster, Ornamente, Sterne und Rosetten. Danach stanzt er sie aus und beklebt die Öffnungen mit Seidenpapier. «Ich mische gerne zwei Farben. Violett und Rot gibt ein herrliches Dunkelrot.» Bei der Farbauswahl fragt er immer seine Frau Rosmarie. «Männer kleben oft bunt, Frauen haben mehr Geschick in der Auswahl der Farben», fügt er hinzu.

Bis zu 1000 Arbeitsstunden

Je nach Motiv stecken zwischen 500 und 1000 Arbeitsstunden in einer grossen Iffele, an einer Tisch-Inful arbeitet er 50 Stunden. «Für diese Arbeit braucht man in erster Linie Geduld, dann Zeit und Ausdauer», sagt der Mann, der seit über 40 Jahren Iffelen baut. In den Motiven und Farbkompositionen sind den Erbauern kaum Grenzen gesetzt. Es gibt aber drei traditionelle Darstellungen die auf jeder Iffele sein müssen. Auf der Vorderseite die Figur des St. Nikolaus und auf der Rückseite ein Kreuz und als weiteres christliches Zeichen die Buchstaben JHS. «Der Rest ist Fantasie», sagt Jost. Und wo holt er sich Inspiration? «Auf Reisen. Ich schaue mir immer Kirchenfenster und Mosaikböden an und fotografiere sie.» Die Infuln von Jost sind beliebt. Sieben davon sind nicht mehr in Küssnacht, sondern in Altendorf, Zürich und Goldau. «Die Küssnachter Infuln werden nicht am Umzug getragen. Sie dienen als Dekoration von Fenstern, was mich sehr freut.» Rudolf Jost geht die Arbeit nicht aus, er arbeitet zeitgleich an einer 1,20 Meter hohen Inful. Ein Blick zurück zeigt, dass der Küssnachter über hundert Tisch-Infuln, zwei 1,80 Meter hohe und fünfzehn 1,20 Meter hohe Infuln gebaut hat. Aus seiner Hand entstanden auch die Infuln für seine Söhne Urs und Roland und für die Enkelkinder Pascal und Sandro.

Applaus für einen anderen

«Einen besonders schönen Umzug erlebte Pascal, als er 13 Jahre alt war. Mein Enkel sagte mir, dass er riesigen Applaus erhalten habe. Nur wusste Pascal nicht, dass dies natürlich der grossen Inful von Hanstoni Gamma galt, neben der er lief.» Rudolf Jost hat 60 Mal am Umzug mitgemacht. Seit zwei Jahren läuft er nicht mehr mit. Ein bisschen Wehmut kommt da schon auf. Rudolf Jost erinnert sich. Er zögerte den Entscheid bis um 20.00 Uhr hinaus, hatte alles parat: «Das Infulnhemd, warme Kleider. Doch es war Zeit, den Jungen Platz zu machen. Als ich den Umzug dann das allererste Mal als Zuschauer sah, war ich tief beeindruckt.» Kein Tänzeln, keine Blitzlichter, kein Applaus. Dafür knüpft Rudolf Jost umso schönere Erinnerungen an seine Zeit als aktiver Klausjäger.

Dank Bouillon Mehlsuppenzügli

Er ist Mitglied vom 1960 gegründeten Mehlsuppenzügli. Es ist das älteste Zügli in der Geschichte des Klausjagens. Entstanden ist es, weil er und seine Freunde um 03.00 Uhr im «Hirschen» eine Mehlsuppe essen wollten. «Es gab keine, nur Bouillon.» Fortan erhielten die zwölf Mitglieder des Mehlsuppenzüglis ihre Suppe in den frühen Morgenstunden privat. Danach gab es Käsekuchen vom Beck Bachmann. «So gingen wir gestärkt an den 06.00-Uhr- Umzug.»

Glockengeläut für 50 Franken

Er erinnert sich auch an die Folgen von jugendlichem Leichtsinn. «Einmal boten wir Kirchensigrist Walti Lussy 50 Franken, damit er um 06.00 Uhr die Kirchenglocken läuten liess.» Dabei sei Pfarrer Kessler erwacht und habe zu Lussy gesagt, das sei eine Schande. «Die 50 Franken nahm Pfarrer Kessler dann aber trotzdem und investierte sie in den 60er-Jahren in den Kirchenumbau.»

Bote der urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

12.02.2014

Webcode

schwyzkultur.ch/CGajks