Die Künstlerin Anne Guttormsen Fraser fragt Menschen rund um den Globus, wie «Respekt» für sie aussieht – phonetisch wie metaphorisch. Bild: Roger Harrison
Die Künstlerin Anne Guttormsen Fraser fragt Menschen rund um den Globus, wie «Respekt» für sie aussieht – phonetisch wie metaphorisch. Bild: Roger Harrison

Kunst & Design

Was Respekt für die Welt bedeutet

Malen statt reisen hiess es für Anne Guttormsen. Die Künstlerin fragte: «Wie wird Respekt in deiner Sprache geschrieben?»

Niemand ist im vergangenen Jahr so weit gereist wie Anne Guttormsen Fraser – zumindest gedanklich: Für ihr Kunstprojekt porträtierte die Küssnachterin Menschen aus aller Welt und deren Verständnis von Respekt. «Wie wird Respekt in deiner Sprache geschrieben, und was bedeutet dieses Wort für dich?» Diese zwei Fragen stellte die Künstlerin über 50 Menschen aus Grönland, Russland oder Japan, von der Erstklässlerin bis zur 99-Jährigen, vom Automechaniker bis zur Sultan-Beraterin.

Pro Begegnung ein Bild


Die Personen, die Anne Guttormsen Fraser kontaktierte, haben mindestens eines gemeinsam: Dass sie die Sprache jenes Ortes sprechen, an dem sie geboren wurden. Inspiriert von ihren Antworten sowie eigenen Recherchen schuf die gebürtige Norwegerin pro Begegnung ein Bild, welches das Schriftbild des Wortes und dessen kulturellen Hintergrund visualisiert. So symbolisieren etwa zwei landestypische Lotusblumen die beiden «O» im vietnamesischen Wort «Tôn Trong». Beim französischen «respect» wiederum stellen einheimische Käse die Buchstaben dar, angefangen mit einem Roquefort fürs «r». Was beweist: An Humor mangelt es der Küssnachterin nicht.

Zentral für eine bessere Welt


Die weit gereiste Humanistin bezeichnet sich selbst als respektvolle Person. «Ich ziehe meine Schuhe aus, wenn ich in Indien einen Laden betrete – selbst wenn es ein Schuhgeschäft ist –, und verhülle mich, wo immer es erwünscht ist. Solche Gepflogenheiten stelle ich nicht infrage. Ich respektiere sie, weil ich niemanden beleidigen oder angreifen will.» Ähnlich argumentierten die Porträtierten: Sie alle halten Respekt für eine überaus wichtige Tugend – gerade auch in Zeiten von Corona, in denen die Welt nicht mehr so offen ist, wie sie einst war. «Hätten wir mehr Respekt füreinander, wäre die Welt ein besserer Ort», so der Grundtenor der Mailwechsel. Die Kontaktierten seien schnell für das Projekt zu begeistern gewesen, aber nicht immer leicht zu finden, wie Guttormsen Fraser schmunzelnd schildert: «Den Gälisch-Sprechenden zum Beispiel fand ich über sechs Ecken: Er ist der Neffe einer Bekannten der Schwiegermutter der Mitarbeiterin des Neffen meines Mannes.»

Restaurant in Bad Ragaz wird zum «Respektorant»


Bis Oktober ist das Kunstprojekt der Küssnachterin in Bad Ragaz zu sehen. Dort startet am 8. Mai die Triennale Bad RagARTz, eine der renommiertesten Freiluftausstellungen weltweit. Schon jetzt hängen Anne Guttormsens Werke im Restaurant des Giessenparks, dem späteren Startpunkt für Führungen, das eigens zum «Respektorant » umbenannt wurde. Hotel- und Campinggäste speisen dort vor der eindrücklichen Bilderwand. Auch Passanten können sie von der geöffneten Terrasse aus bestaunen. Das Gesamtwerk wird sich im Laufe der Monate wandeln, denn das Langzeitprojekt bleibt in Arbeit. «Ich liebe Geografie und mag es, Menschen aus anderen Kulturen kennenzulernen. Dazu gibt mir das Projekt Gelegenheit – Corona hin oder her», schwärmt die Künstlerin.

Bote der Urschweiz (pd)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

06.05.2021

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