Am Mittwochabend wurde Werner Röllin (unten rechts) der kantonale Anerkennungspreis verliehen, Mischa Camenzind (unten links) erhielt den kantonalen Förderpreis, ebenso wie der Verein A-cappella-Festival Pfäffikon (hinten v. l. mit Patrick Mettler, Simone Mettler, Claudia Kägi, Andrea Schwizer und Andreas Isenring). Bild Andreas Knobel
Am Mittwochabend wurde Werner Röllin (unten rechts) der kantonale Anerkennungspreis verliehen, Mischa Camenzind (unten links) erhielt den kantonalen Förderpreis, ebenso wie der Verein A-cappella-Festival Pfäffikon (hinten v. l. mit Patrick Mettler, Simone Mettler, Claudia Kägi, Andrea Schwizer und Andreas Isenring). Bild Andreas Knobel

Dies & Das

Kulturpreis-Übergabe als beste Unterhaltung

Die Verleihung des kantonalen Anerkennungspreises an Werner Röllin und der kantonalen Förderpreise an den Verein A-cappella-Festival Pfäffikon sowie Mischa Camenzind wurde überraschend unterhaltsam.

Werden Kulturpreise übergeben, wird das für gewöhnlich eine steife Angelegenheit. Dies schien auch am Mittwochabend der Fall zu sein, als der Kanton Schwyz im Vögele Kultur Zentrum Pfäffikon einen Anerkennungspreis und zwei Förderpreise vergab. Doch trotz der sehr förmlichen Anreden an die Preisträger, ihre Angehörigen, einige Kulturinteressierte und etliche Politiker kam es ganz anders: Es wurde beste Unterhaltung geboten, nicht nur durch das Edgar Schmid Jazz Trio (Edgar Schmid, Posaune; Javier Leutenegger, Piano; Peter Leuzinger, Bass), sondern erst recht durch die Laudatoren und die Preisträger. Als Gastgeber durch den Abend führte Franz-Xaver Risi, Kulturbeauftragter des Kantons Schwyz. Es sei ein Freudentag für die Kultur und ihre Institutionen, meinte er zur Begrüssung. Diese Preisübergabe sei bewusst schlicht und in kleinem Rahmen gehalten.


Richtige Harmonien und Tonarten


Den Anfang als Laudatorin des Vereins A-cappella-Festival Pfäffikon machte Verena Vanomsen, Mitglied der kantonalen Kulturkommission. Sie wählte den Begriff «Dreiklang», um zurückzublicken, wie diese Organisation aus den Rainbow Singers über die Gesangstruppe NiCE MAiS entstand. Die Anfänge reichen bis 2004 zurück, als ein Open Air auf dem legendären Gysko-Areal in Pfäffikon lanciert wurde. Seit einigen Jahren bietet die Aula des Schulhauses Weid in Pfäffikon den Sängerinnen und Sängern und ihren Gästen eine Heimat. Bei aller Professionalität, die inzwischen herrscht, zeigte sich das OK stets offen für Neues, Inspiration und Enthusiasmus aber blieben. Gerade weil das Festival längst etabliert ist – 2015 erhielt es den Kulturpreis der Gemeinde Freienbach – kann es sich mit «Sing Dein Ding» auch der Nachwuchsförderung widmen. Weil das Festival «in allen Harmonien und Tonarten» unterwegs sei, erhalte es nun den mit 5000 Franken dotierten Förderpreis, schloss Vanomsen. OK-Mitglied Simone Mettler verdankte den Preis, den sie als Ehre und Wertschätzung verstünden. Sie betonte die Freundschaft innerhalb der «Festival- Familie», erzählte von witzigen bis frechen Aktionen, machte klar, dass «Nur du und deine Stimme wichtig sind», und versicherte, dass für sie ein «Da Capo» gelte und sie somit noch lange für tolle Gesangs-Festivals sorgen werden.


Unaufgeregte Vielseitigkeit


Matthias Ulrich, Präsident des kantonalen Kunstankaufsgremiums, übernahm die Würdigung von Mischa Camenzind. Der Innerschwyzer erhält ebenso einen mit 5000 Franken dotierten Förderpreis. Sein Werk umfasst eine enorme Bandbreite von Kunstformen, von Wandzeichnungen, Malereien, Zeichnungen bis hin zu Videos und Installationen, wobei er verschiedenste Medien vermischt. Camenzind ist aber auch als Kurator tätig, und nicht zuletzt schreibt er noch Texte und Gedichte. Mit einem Zitat eröffnete denn auch Matthias Ulrich seine Laudatio. Ein «professioneller Utopien-Vermittler» sei der Geehrte. Dabei schaffe es Camenzind mit «seiner bewundernswerten, bescheidenen, unaufgeregten Art und Weise», diese Utopien Wirklichkeit werden zu lassen. Diesem Ruf wurde Mischa Camenzind auch in seiner Dankesrede gerecht. Er erwähnte seine Wegbegleiter und gab zu, dass er bei aller Vielseitigkeit zurzeit mehr Kurator als Künstler sei. Sein Versprechen nahm das Publikum deshalb gerne entgegen: «Ich bleibe dran!»


Unterhalten und bereichert


Dann hiess es «Bühne frei» für Andreas Meyerhans. Er versuchte, das Wesen, den Antrieb und das Lebenswerk von Werner Röllin zu ergründen, der den mit 10 000 Franken ausgestatteten kantonalen Anerkennungspreis erhielt. Das gelang Meyerhans eindrücklich. Er teilte das nun doch 81 Jahre lange Leben des Historikers, Volkskundlers, Dozenten und Kulturvermittlers aus Wollerau in drei Epochen auf. Er beschrieb, wie Röllin in den Bereichen Kultur, Politik und Bildung markante Spuren hinterliess, wie er vom «Beobachter zum Akteur» wurde, wie dessen Frau Agnes zwischendurch als «die Vernunft» eingriff und ihm dennoch stets den Rücken frei gehalten habe. Obwohl man schon so vieles über Werner Röllin gelesen und gehört hat, schaffte es Andreas Meyerhans in seinen temperamentvollen Ausführungen, dem umfangreichen Wirken seines Freundes eine Struktur zu geben, ihn treffend zu charakterisieren – und tatsächlich noch neue originelle Anekdoten aufzutischen. So wenig es möglich ist, die Gedanken des Laudators in einer Berichterstattung zu rapportieren, so unmöglich ist es, die Erzählungen von Werner Röllin abzubilden, die er in seiner Dankesrede zum Besten gab. Ohne Notizen, lediglich auf sein beeindruckendes Erinnerungsvermögen zurückgreifend, legte Röllin eine gepfefferte Rede mit Anekdoten, Schilderungen, Erklärungen und natürlich auch einigen Seitenhieben hin. Stromlinienförmig war dieser Werner Röllin wahrlich nie, denn überall, wo er auftauchte, verursachte er Wirbel. Genau dies macht ihn so sympathisch, so unterhaltend, so streitbar. Möge ihm dies noch möglichst lange vergönnt sein – unserer Region, seinen Freunden und seinen Schmähern zuliebe. Optimale personelle Besetzung So darf diese Übergabe des Anerkennungspreises und der Förderpreise des Kantons Schwyz als erstaunlich lebendig bezeichnet werden. Eine Lebendigkeit, die einerseits von den Preisträgern selber, andererseits von optimal zu ihnen passenden Laudatoren vermittelt wurde.


Höfner Volksblatt und March-Anzeige / Andreas Knobel

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

20.09.2019

Webcode

schwyzkultur.ch/GhJJvA