Adelbert Stähli – hier mit dem Bild seiner ersten Dienstzeit – in seinem Büro mit Bilderwand. Bild Johanna Mächler
Adelbert Stähli – hier mit dem Bild seiner ersten Dienstzeit – in seinem Büro mit Bilderwand. Bild Johanna Mächler

Kunst & Design

Als Künstler bezeichnet er sich nicht

Malen und Zeichnen in der Natur ist die Passion von Adelbert Stähli. Im Laufe seines Lebens schuf er eine stattliche Anzahl Zeichnungen und Aquarelle. Jüngst feierte er seinen 90. Geburtstag – und malt weiter.

Adelbert Stähli wohnt gediegen mitten in Lachen. Er hat das Architekturbüro im markanten Gebäude bei der Autobahnausfahrt im Jahr 2008 seinen Söhnen übergeben und danach die Wohnsituation angepasst. Doch weiterhin übt er seine Passion aus, die er als junger Mann entdeckte: Er skizziert, zeichnet und malt. «Es sind in all den Jahren rund 900 Aquarelle entstanden», schätzt er. «Dazu kommen etwa 500 Skizzen und Freihandzeichnungen. Es begann mit Bleistift, Tusche, Zündhölzern. Ich hatte intensive Studienjahre von 1953 bis 1955, es kam das Malen mit Weichstiften dazu, das Kolorieren. » Dass er schon in der Oberstufenschulzeit gefördert wurde, verhalf ihm zur Ausbildung zum Hochbauzeichner und Jahre später zum Architekten.

Sehen und Beobachten


Während der erfolgreichen Berufsjahre – von denen er gern und ausführlich berichtet – malte er so oft als möglich. Urlaube mit der Familie, Bildungs- oder Verbandsreisen sowie Ausbildungskurse waren Ausflüge in neue Welten. Mittels einfacher Ausrüstung entdeckte Stähli Stadtfluchten und Landstriche dann auf seine Art. Was andere mit der Kamera einfangen, bringt er zu Papier. Von Zeichnungen im kleineren Format bis zum Grossformat bei Aquarellen; entweder auf A4, A5- oder A6-Format. «Meine Ausrüstung ist immer dabei, und alles, was ich brauche, hat im Rucksack Platz, plus Tee und warmes Wasser.» Und das Wichtigste: «Es geht um das Sehen und das Beobachten, um Dimension, Perspektive, Schatten, Farben.» In jungen Jahren war das Malen mehr objektbezogen, später kamen Landschaften dazu. Diese beiden Themen malt er bis heute. So sind Aquarelle entstanden, sitzend auf einem Feldstuhl, wo Adelbert Stähli «die Temperatur fühlen, das Vibrieren der Luft spüren und die Dreidimensionalität vor Augen haben muss». Dies schrieb er für das «Marchring»-Heft, welches 2018 erschien, und vor allem sein architektonisches Schaffen beschreibt. Das Büchlein schliesst mit Abdrucken von Zeichnungen und Aquarellen. Stets offensichtlich ist die Gradlinigkeit in allen Bildern, die zwischen den Linien mit grossem Farbensinn spielt.

Nur wenige Ausstellungen


Doch Adelbert Stähli sieht sich nicht als Künstler. Da schüttelt er den Kopf. «Ich habe nur viermal ausgestellt. Einmal kam ein Bekannter auf mich zu und sagte: ‹Stell doch mal im Spital Lachen aus›.» Im Jahr 2007 war es dann so weit. Von 90 ausgestellten Bildern verkaufte er im Nu mehr als die Hälfte. Dass er kein Aufhebens um seine Passion macht, hat wohl auch mit seinem geglückten und ausgefüllten Leben zu tun. Während das Berufliche stark in den Hintergrund getreten ist, nimmt er das Naheliegende noch bewusster wahr: «Ich schätze mich glücklich, eine so gute Familie zu haben», sagt er. Doch die Zipperlein des Alters haben seine Frau Sylvia und ihn nicht verschont. Bei Adelbert Stähli wurde vor wenigen Jahren eine Augenkorrektur notwendig. Seither hat er wieder den ungetrübten Blick auf die Dinge, wie sie sind.

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Johanna Mächler

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

15.03.2021

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