Ingo Oschmann beherrscht brillant die Interaktion mit seinem Publikum. Aber welche der beiden Damen lügt nun? Bilder Marie-Eve Hofmann-Marsy
Ingo Oschmann beherrscht brillant die Interaktion mit seinem Publikum. Aber welche der beiden Damen lügt nun? Bilder Marie-Eve Hofmann-Marsy
Grotesk und urkomisch versuchen les Trois Suisses mit Charmeoffensiven, die Damenwelt zu betören.
Grotesk und urkomisch versuchen les Trois Suisses mit Charmeoffensiven, die Damenwelt zu betören.

Bühne

Eine Parodie aufs tägliche Leben

Rund 350 Zuschauer bogen sich am Lachfestival der Kulturgruppe Begägnig am Sey vor lachen. Dafür sorgten les Trois Suisses mit «Herzverbrecher» und der grossartige Ingo Oschmann mit seinem neuen Programm «Hand drauf!»

Eine Irrfahrt mit dem Auto quer durch die Stadt, Hotelrezeptionen und immer wieder das gleiche Kopfschütteln. Der Stummfilm auf der Bühne macht das Publikum neugierig. Was geht da vor sich? Die virtuelle Handlung wird zur realen, als die drei Musikcomedians in Aktion treten, denn zwei Freunde finden endlich ihren verloren gegangenen, vor Liebeskummer zerrissenen dritten.

Abwechslung pur

Witzige, spritzige Dialoge mit ordentlichen Seitenhieben auf den nicht immer einfachen Umgang mit der Damenwelt, scharfe Klippen der Liebesbeziehungen und die daraus resultierenden Dramen wechseln sich mit überaus amüsanten Musikparodien von bekannten Ohrwürmern wie «Help me», «Chanson d’Amour» oder «Money» ab. Die komisch-groteske Verzweiflung des Ehemanns, der darauf wartet, dass seine Frau endlich zur Party fertig wird; verkorkste Anmachszenen; drollige Verführungen bis hin zu den nun in die Jahre gekommenen Charmeuren, die so gerne noch wollten, wenn sie könnten: Pascal Dussex, Resli Burri und Thomas Baumeister spielten und sangen sich am Freitagabend mit Jazz, Funk, Rock und Soul ins Herzen des Publikums und liessen als echte «Herzverbrecher» in verschiedenen Rollen, Outfits und mit bissig-komischen berndeutschen Dialogen die Lachmuskeln beben.

Der «gute Deutsche»

Mit begeisterten Hochrufen, Gejohle und Applaus begrüsste das Publikum am Samstagabend Ingo Oschmann. Von Anfang an hatte der Bielefelder Comedian seine Fans voll im Griff: «Ich gehöre zu den guten Deutschen, denn ich fahre nach dem Auftritt wieder nach Hause.» Gekonnt interagierte er mit seinem Publikum, jonglierte amüsant mit den deutsch-schweizerischen Unterschieden – «Eine Schweizerin lud mich in ihre Wohnung ein und erklärte mir, dass sie aber ein Puff hätte. Wie bitte???» –, suchte immer wieder den persönlichen Kontakt und verwischte ganz bewusst die Grenze zwischen Zuschauerraum und Bühne. Telefonieren in der ersten Reihe? Das geht ja gar nicht. Ein Sprung von der Bühne, ein Griff nach dem störenden Handy. «Er kann nicht, er kriegt gerade einen geblasen», und schon war das Gespräch unfreiwillig beendet.

Lügengeschichten und Tests

Oschmanns neues Programm «Hand drauf!» dreht sich rund um das Thema Lügen, mit all seinen grotesken Varianten. Wer schon auf den Guten-Morgen-Wunsch eines verhassten Kollegen ebenso antwortet, obwohl er ihm die Syphilis an den Hals wünscht, tut es. Der Immobilienmakler, der eine Wohnung ausschreibt, die sich im ursprünglich schönen Zustand befindet und damit «im Rohbau» meint, tut es ebenso. Im Lügentest mit vier Zuschauern glänzte Oschmann mit seiner unverwechselbaren Schlagfertigkeit und dem brillanten Umgang mit der Situationskomik. Doch bei aller bewusster oder unfreiwilliger Komik liess Oschmann an den ernsten Grundgedanken seines Programms keine Zweifel. Freundschaft und Lügen passen nun mal nicht zusammen, und mit einander reden, sich gegenseitig wahrnehmen sei in einer Zeit, in der man sich in Facebook gerade mal so eben einen neuen Freund klicken kann, umso wichtiger. Bei aller Popularität bleibt Oschmann ein Mensch zum Anfassen, der sein Publikum immer zu lieben scheint. Und das geben ihm seine Fans auch vollumfänglich zurück.

March-Anzeiger und Höfner Volksblatt

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

04.06.2012

Webcode

schwyzkultur.ch/VcgKX4