Stefan Kollmuss begeisterte am Samstagabend in Lachen als enthusiastischer Franz von Assisi. Bild Tanja Holzer
Stefan Kollmuss begeisterte am Samstagabend in Lachen als enthusiastischer Franz von Assisi. Bild Tanja Holzer

Bühne

Franz von Assisi – mit jeder Faser Gaukler

Fesselnder kann Theater wohl kaum sein. Stefan Kollmuss beeindruckte aussergewöhnlich mit dem Theater «Franziskus, der Gaukler Gottes» im Lachner Garten der Kunst.

Singend und barfuss erschien am Samstagabend in Lachen jener, der sich vorstellte mit: «Ich bin der Gaukler Gottes.» Stefan Kollmuss vom Theater 58 katapultierte den Garten der Kunst der Bühne Fasson ins 13. Jahrhundert, mitten in das Leben von Franziskus. Dieses Theaterporträt über Franz von Assisi stammt aus der Feder von Dario Fo, dem italienischen Dramatiker, Erzkomödianten und Nobelpreisträger der Literatur. Vom ersten Wort bis zum letzten Atemzug überzeugte das Stück, begeisterte und bewies, politisches Theater ist gerade mit einer solch schauspielerischen Leistung ein fantastisches und bewegendes Vergnügen.

Wolf gezähmt

Franziskus war mit jeder Faser Gaukler, er beherrschte sein Handwerk, «sein ganzer Körper wurde zu Wort». Dementsprechend lebendig hielt er im Jahr 1222 eine Predigt in Bologna. Die Stadt befand sich gerade im Krieg, 450 Tote in einer Woche, und alle waren sie Bologneser. Franziskus redete sich förmlich in Rage, beschrieb äusserst detailliert das hässliche Geschehen, die Morde und Vergewaltigungen – der Prediger sprühte vor Kriegsbegeisterung. Franziskus’ Augen leuchteten, und er fragte seine Zuhörer, was gäbe es Herrlicheres, als verstümmelt heimzukehren? Der unerwartete Enthusiasmus wirkte, drei Tage später war der Friedensvertrag unterzeichnet. Franziskus begeisterte sich derart fürs Evangelium, dass er jeden Umweg dafür auf sich nahm. Er baute eine Kirche neu auf und zähmte einen Wolf bis hin zum Vegetarier. Eine Predigt vor Schweinen verhalf ihm schlussendlich beim Papst zu seinem Willen, uneingeschränkt und auf seine ganz eigene Art das Evangelium verkünden zu dürfen.

Unvergessliches Theatererlebnis

So sprühend die Erzählung war, genauso enthusiastisch war Kollmuss’ Schauspiel. Verblüffung, Begeisterung, Ergriffenheit und Lachen spiegelten sich auf den Gesichtern des Publikums. In dieser perfekten Umgebung, in der sogar die Vögel passend genau dazwischen zwitscherten, war der Abend ein unvergessliches Theatererlebnis.

March-Anzeiger und Höfner Volksblatt

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

14.06.2010

Webcode

schwyzkultur.ch/SJv6fW