Die schlimmen Folterungen wurden während dem Theaterabend nur subtil angedeutet. Bilder Uschi Meister
Die schlimmen Folterungen wurden während dem Theaterabend nur subtil angedeutet. Bilder Uschi Meister
Prisca Anderhub als glaubhafte Darstellerin der Schwyzer Hexe, die Autorin Margrit Schriber auch zum Stoff für ein Buch machte.
Prisca Anderhub als glaubhafte Darstellerin der Schwyzer Hexe, die Autorin Margrit Schriber auch zum Stoff für ein Buch machte.

Bühne

Hexenprozess auf der Bühne

«Die Kastenvögtin», eine Inszenierung des Hofstatt-Theaters Schwyz unter Regie von Nelly Bütikofer, bietet der Schauspielerin Prisca Anderhub die Paraderolle schlechthin. Zu sehen war sie am Freitagabend im Fasson-Theater Lachen.

Pate zur Wiederaufnahme des Stücks stand der Verein Schwyz Kultur Plus, obgleich die Vorstellung betont als öffentlich deklariert worden war. So kamen denn auch spontane Theatergänger in den Genuss der Einführung ins Stück durch Nelly Bütikofer. «Die Kastenvögtin» zeichnet das Schicksal der letzten als Hexe zu Tode gekommenen Frau der Schweiz nach. Anna Maria Schmidig, Gattin von Kastenvogt Gwerder, starb 1753 als «abgemagerter Mensch in Ketten» zitternd und 75-jährig im Verlaufe der «Wahrheitsfindung», sprich Folter, im Hexenprozess.

Hexentum aus Frauensicht

Konstellationen, die zur Anklage als Hexe führten, hatten Regisseurin und Darstellerin aus Frauensicht nachgezeichnet. Denn nebst oft angeführten religiösen Ursachen habe sich gezeigt, dass zur Beschuldigung immer bestimmte Charaktereigenschaften führten. Anna Maria Schmidig war eine selbstbewusste, lebensfrohe, intelligente und kreative Frau, die vier Kinder grosszog, mit Erfolg Krämerladen und einen Gasthof geführt hatte. Neid, Missgunst und Eifersucht seien klar mit im Spiel gewesen. Eine Missbildung, ein kleines Buckelchen kam hinzu. Und mit ihrer Herkunft aus Steinen war sie im Muotathal «en fremde Fötzel». Tierverwandlungen wie Wetterprognostik wurden ihr vorgeworfen. Dass Männerdomäne seit je letztere gewesen, lässt sich spekulieren – bezeichnenderweise beginnen die Schwierigkeiten erst nach dem Tod ihres Mannes. Prisca Anderhub bot eine dichte, stimmige, ja atemberaubende Darstellung, die mit Rückwärtsgehen als Gleichgewichtsübung beginnt – immer schön einen Fuss hinter den anderen.

Flucht in die Einsamkeit

«I bätte da obe» schreit sie durch einen Trichter dem Vertreter religiöser Obrigkeit entgegen, der die auf eine Alp Geflüchtete zur Rückkehr in die Gemeinschaft und zum Kirchenbesuch bewegen will. Ein Theaterabend fernab von jeder Effekthascherei, die schlimmen Folterungen werden subtil angedeutet. Musiker Marco Kurman wob an der Marimba den Klangteppich für das choreografierte Spiel, das mit zwei spärlichen Requisiten auskam: schicke Federboa und profaner Wäschekorb.

March-Anzeiger und Höfner Volksblatt

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

08.03.2010

Webcode

schwyzkultur.ch/dhXuL3