Die Grenzgänger aus Luzern: (v.l.) Manuel Kühner (Viktor), Samuel Zumbühl (Robert), Erich Slamanig (Johann), Dagmar Hirsekorn (Charlotte) und Claudia Schwingruber (Ingrid). Bild Marie-Eve Hofmann-Marsy
Die Grenzgänger aus Luzern: (v.l.) Manuel Kühner (Viktor), Samuel Zumbühl (Robert), Erich Slamanig (Johann), Dagmar Hirsekorn (Charlotte) und Claudia Schwingruber (Ingrid). Bild Marie-Eve Hofmann-Marsy

Bühne

Theaterstück, das anrührt und betroffen macht

«Schwimmen wie Hunde» oder auf unelegante Art und Weise gegen das Absaufen kämpfen. Mit diesem Stück um das Leben und Überleben nach gescheiterten Beziehungen überzeugte die Theatergruppe Grenzgänger in der Bühne Fasson Lachen.

«Beziehungslust – Beziehungsfrust » – ein Thema, das es seit Beginn der Menschheit gibt und das nie an Aktualität verlieren wird. Die Freie Theatergruppe Grenzgänger aus Luzern interpretierte das bissige Beziehungsstück «Schwimmen wie Hunde» vom Theater- und Hörspielautor Reto Finger auf eine schlichte, einfache und genau deshalb punktgenaue lebensnahe Art und Weise, die anrührt und betroffen macht. Ein kahler Wald bildet die Kulisse. Die letzten goldenen Weihnachtskugeln hängen an einem der Äste. Und während das Publikum noch dabei ist, seine Plätze einzunehmen, startet das Spiel.

«Ich krieg keine Luft mehr»

Charlotte (Dagmar Hirsekorn) schmückt den Baum ab, versorgt die Kugeln in Plastikbehälter, während Robert (Samuel Zumbühl) die Fotos des letzten Urlaubs sortiert. Mit einer Aussage wird die trügerische Idylle restlos zerstört. «Ich kann so nicht weitermachen. Ich krieg keine Luft mehr, konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Ich muss was verändern.» Beiläufig antwortet Robert «Tue das.», nichts ahnend, welche Erwiderung kommt. «Habe ich! Ich trenne mich von dir!» Mit diesem verbalen Schlag beginnt ein verwirrendes Spiel um fassungslose Hilflosigkeit und den Versuch aller Beteiligten, mit Schmerz und Trotz, Vergangenheitsbewältigung und Zukunft, Leben und Überleben fertig zu werden. Charlotte verteilt nicht nur Möbel, sondern auch die gemeinsamen Freunde, allen voran ihre beste Freundin Ingrid (Claudia Schwingruber). Ingrid hat mit der Trennung und den wechselnden Männerbekanntschaften ihrer Freundin Mühe, sucht sie doch selbst schon lange einen Partner, und zur Erfüllung ihres Traums, mit 35 Jahren Kinder zu haben, bleiben ihr noch ganze 72 Stunden. Robert zieht derweil in den Keller, der neue Freund Viktor (Manuel Kühne) zieht ein. Doch das traute Zusammensein wird jedes Mal von nächtlichen Gesangseinlagen des Ex gestört, der gar nicht daran denkt, sich eine eigene Wohnung zu suchen. Charlotte zögert, dem Störenfried Einhalt zu gebieten. «Wir waren sieben Jahre zusammen. Wir schulden uns die sanfte Tour.»

Nicht berechenbare Gefühle

Leere Worthülsen und grotesk anmutende Gespräche spiegeln die Hilflosigkeit der Beteiligten wider, der freie Wille, Entscheidungen zu akzeptieren und durchzuführen, scheitert an den eben nicht berechenbaren Gefühlen. Charlottes Geburtstag, nun mit neuem Partner Johann (Erich Slamanig), wird zum Desaster. Das Geschenk ist falsch, das Geburtstagskind zickt rum und Robert sitzt nun seit sechs Monaten im Keller. Und dann ist Charlotte schwanger und hat Freundin Ingrid zur Taufpatin erkoren. Doch diese will nicht. «Ich will nicht am Taufbecken stehen, mit dem Kind von einem Vater, mit dem ich eine Affäre habe.» Das Beziehungschaos ist perfekt und endet mit den tiefsinnigen, trüben Gedanken Roberts aus dem Keller, via Funkgerät auf die Bühne gebracht, die nichts Gutes erahnen lassen. Das offene Ende lässt viel Raum für jeden, seinen eigenen Gedanken nachzuhängen.

March-Anzeiger und Höfner Volksblatt

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

17.01.2011

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www.schwyzkultur.ch/v6kwZg