Das Tanzprojekt «Walks» begeisterte das Publikum in der Bühne Fasson in Lachen. Bild Christian Glaus
Das Tanzprojekt «Walks» begeisterte das Publikum in der Bühne Fasson in Lachen. Bild Christian Glaus

Bühne

Wanderung durch die Kulturlandschaften

In Nelly Bütikofers Tanzprojekt «Walks» gerieten alle Gliedmassen im Bewegung. Zusammen mit Karin Minger und Flurina Röthlin wanderte sie am vergangenen Samstagabend durch Kulturlandschaften des Fasson Theaters in Lachen.

Eine Gestalt huschte, vorerst wie ein Schatten, über die Bühne des Fasson Theaters und erwachte mit der Musik zum Leben. Sie hüpfte im Kreis, der Gesichtsausdruck war der eines fröhlichen Kindes, das sich sorglos auf die Schenkel klopft. Dann, mit einem abrupten Musikwechsel aus Maurizio Kagels «Zehn Märsche um den Sieg zu verfehlen», marschierte ein General mit starrem Ausdruck und schien ganz in seiner eigenen Bewegungsroutine gefangen zu sein.

Herrin ihrer Bewegungen

Nelly Bütikofer, in klassischem Tanz ausgebildet und im Spannungsfeld zwischen Theater und Tanz arbeitend, ist Herrin ihrer Bewegungen wie keine Zweite. Szenenwechsel. Tänzerin Karin Minger schmiegte sich im goldenen Licht des Scheinwerfers an die Wand wie an einen Liebhaber und wurde Eins mit der Musik. In den vier Monologen «Was ich dir noch tanzen wollte» liess sie sich von den Klängen treiben und bestimmen, auch wenn das hiess, auf den Händen an die Wand gestützt zu tanzen. Auch Flurina Röthlin passte sich den Klängen in ihrer «Interpretation zu Radio live» wie ein Chamäleon an. Während Frequenzen wahllos gewechselt wurden, verbanden sich Sportdialoge, Musik und Geschichten durch ihre Bewegungen zu einem künstlerischen Ganzen.

Von der Musik gefangen

In Nelly Bütikofers Tanzprojekt «Walks», das sie zusammen mit der Bernerin Karin Minger und der Luzernerin Flurina Röthlin erarbeitet hatte, spielten Mimik und Gestik eine zentrale Rolle. Die Tänzerinnen schienen abwechslungsweise von der Musik gefangen zu sein und sich wieder von ihr zu befreien. Dies präsentierte sich mal euphorisch, mal befremdend, mal nachdenklich und in jedem Fall packend. Obwohl viele Momente der Bewegung und der Musik gehörten, waren gerade auch solche der Stille von grosser Bedeutung. Erst in diesen Momenten, wenn sich Bütikofers Brustkorb unter dem gut hörbaren Atem hob und senkte, erahnte man, wie viel Arbeit hinter der tänzerischen Leichtigkeit steckte. «Ich habe mich unter anderem von der deutschen Tänzerin und Choreografin Pina Bausch und Kagels Marschmusik inspirieren lassen», verrät Bütikofer nach der Vorstellung. Und als man die drei Frauen dann gelöst und lächelnd betrachtete, schienen sie erneut wie verwandelt.

March-Anzeiger und Höfner Volksblatt

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

26.09.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/BheeXV