Werner Biermeier (links) und Domenico Pecoraio boten im «Fasson» eine mörderisch gute «Abendstunde im Spätherbst». Bild Tanja Holzer
Werner Biermeier (links) und Domenico Pecoraio boten im «Fasson» eine mörderisch gute «Abendstunde im Spätherbst». Bild Tanja Holzer

Bühne

Zum «Tod» lachen

Das Theaterstück «Abendstunde im Spätherbst» von Friedrich Dürrenmatt war am Freitag einer der Höhepunkt des attraktiven Programms der Bühne Fasson während des ersten Schwyzer Kulturwochenendes.

Es sei eine seltsame, aber wahre Geschichte, beteuerte das ungepflegte, nackt bäuchige, unrasierte Raubein Maximilan Friedrich Korbes (Werner Biermeier) am Freitagabend auf der Bühne Fasson in Lachen. Die «Abendstunde im Spätherbst» von Friedrich Dürrenmatt nahm ungebremst in einem Appartementsalon eines Grand-Hotels seinen schaurigen Lauf. In der Kriminal-Komödie hatte der ungehobelte Trinker in Pyjamahosen und nur einem Finken am Fuss mit seinen Romanen Weltruhm erlangt.

Ausgeklügeltes Ende

An diesem Abend betrat der überneugierige und spiessige Buchhalter Fürchtegott Hofer (Domenico Pecoraio) sein Arbeitszimmer und konfrontierte ihn mit den Resultaten jahrzehntelanger Recherche. Hatte der Schriftsteller die Morde tatsächlich begangen, über die er so spannend zu schreiben vermochte? 21 ungeklärte Mordfälle und eine Überlebende standen 22 Roman-Toten gegenüber. Eine auffällige Bilanz? «Nur in der Liebe und im Mord sind wir noch wahr», vermutete Hofer. Er war sich der Schuld des Schriftstellers sicher. Seine Beweisführung war akribisch und doch bewunderte er das literarische Über-Idol unendlich, dichterisch wie kriminalistisch. Das Stück würde nicht aus Dürrenmatts Feder stammen, käme sein Ende nicht ausgeklügelt daher. Die Geschichte wuchs um einen Toten und auch dieser Mord liess sich literarisch gut vermarkten. Der Abend vom Theater_ jetzt_erst_recht war eingebettet ins erste Schwyzer Kulturwochenende, in dessen Verlauf die Bühne Fasson nebst Dürrenmatts Werk über drei Tage ein tolles Programm mit Lesungen und Konzerten bot.

March-Anzeiger und Höfner Volksblatt

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

19.04.2010

Webcode

schwyzkultur.ch/i4eFM8