Gardi Hutter führte am Samstagabend einen begeisternden Kampf gegen Dreckwäsche und Gewitter. Bild Tanja Holzer
Gardi Hutter führte am Samstagabend einen begeisternden Kampf gegen Dreckwäsche und Gewitter. Bild Tanja Holzer

Bühne

Zwischen Weiblichkeit und Krieg

Die Clownin Gardi Hutter begeisterte am Samstagabend am Lachfestival «lachä am sey» mit ihrem wortlosen Kampf gegen Dreckwäsche, Seife, Engländer und Gewitter.

Seufzen, Brabbeln, Stöhnen – wohl selten sind solche Geräusche derart ausdrucksstark wie aus dem Mund von Gardi Hutter. Die Clownin stand am Samstagabend auf der Bühne des Lachfestivals «lachä am sey». Worte sprach sie kaum, doch mit ihrer Mimik und Gestik erzählte sie die Geschichte «Jeanne d’ArPpo – Die tapfere Hanna».

Wäscherin mit Vorbild

Die kleine Wäscherin mit geflickter Schürze und Zottelhaaren hat ein grosses Vorbild: Jeanne D’Arc, die Nationalheldin Frankreichs, die auch aus einfachen Räubern Soldaten gemacht hatte und mit ihnen in den Krieg gegen die Engländer zog. Der einfache Mensch mit seinen Alltagsmühen und den grossen Träumen waren wortlose, gewichtige Themen bei der Clownin. Die Wäscheleine hing ihr viel zu hoch, der eigene Po wie auch der Dreckwäscheberg waren deutlich zu umfangreich und die Seife im Zuber war zu glitschig. Die tapfere Wäscherin Hanna stürzte sich trotzdem in den Kampf, der Wäscheberg wurde zum galoppierenden Pferd und der Zuber entpuppte sich als Spaghettikochtopf.

«Ruhe da oben»

Der Donner rollte nach einer halben Stunde immer näher gegen Lachen. Tapfer legte sich Hanna mit ihm an und wetterte: «Ruhe da oben!» Die Seife fiel in den Zuber, und die Alltagsheldin stürzte ihr nach. Flecken wurden gegen Löcher ausgetauscht, und das Waschbrett wandelte sich zur Rutsche. Erste Tropfen klopften auf die grossen Sonnenschirme, und die Helfer der Kulturgruppe Begägnig am Sey teilten die Regenpelerinen aus. Gardi Hutter half kräftig mit und bastelte sich selbst einen Regenschutz für die Knollennase. Ihr Regentanz galt der karierten Hose, die ihr – endlich eingefangen – ganz neue Bewegungsfreiheit schenkte. Der Kampf zwischen der Weiblichkeit und dem Krieg gemäss ihrem Vorbild Jeanne D’Arc entbrannte.

Wie ist alles vereinbar?

Kind trösten, Krieg führen, Hosen und der üppige weibliche Brustumfang? Hanna war im Dilemma und betrank sich, bis sogar die Fliegen wegen ihres Atems bewusstlos zu Boden sanken. Den letzten Kampf gegen den Wäscheberg gewann sie. Der Freudetaumel danach hingegen kostete sie den Kragen. Das Holzkreuz stieg über dem glitschigen Zubergrab auf.

March-Anzeiger und Höfner Volksblatt / Tanja Holzer

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

06.06.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/c59k3H