Dolores Linggi hat sich mit Lyrik und Prosa einen Namen gemacht. Bild zvg
Dolores Linggi hat sich mit Lyrik und Prosa einen Namen gemacht. Bild zvg

Literatur

Drei preisgekrönte Autoren – drei unterschiedliche Stile

Drei Preisgewinner der Zentralschweizer Literaturförderung lasen am Donnerstagabend in Lachen.

Vier Autorinnen und ein Autor haben für ihre noch unveröffentlichten Texte die Ehrung der Zentralschweizer Literaturförderung 2019/2020 erhalten. Alle Preisträger sind auf einer bevorstehenden Lesetournee durch die Zentralschweiz zu sehen und zu hören. Am Donnerstagabend waren drei Preisgewinner im Spiel- und Läseladen in Lachen zu Gast, nämlich Theres Roth-Hunkeler aus Baar, Dolores Linggi aus Goldau und Heinz Stalder aus Kriens.

Lyrikerin macht den Anfang


Bevor die Autorinnen und Autoren mit der Lesung begannen, wurden sie von Franz-Xaver Risi, Kulturbeauftragter des Kantons Schwyz, begrüsst und vorgestellt. Den Beginn machte die Goldauerin Dolores Linggi, freischaffende Kunst- und Kulturvermittlerin, die sich vor allem mit Lyrik profiliert und schon zweimal von der Jury einen Förderungspreis erhalten hat, was beweist, dass in Linggi ein grosses Potenzial steckt. Nachstehend ein kleiner Auszug aus ihren Texten mit dem Titel «Flüchtlinge»: «Wieder ist ein Boot gesunken. Faltenfrei berichtet die Zeitung. Neben mir sitzt eine junge Frau und schminkt sich ein Gesicht im fahrenden Zug. Meine Wut bleibt am Zungenrand kleben. Leise ziehe ich innere Kreise. Später klemmt sie sich die Arme ein. Müde senkt die Öffentlichkeit den Blick». Ihren Texten liegt praktisch immer der Alltag zu Grunde. Anschliessend war Heinz Stalder an der Reihe. Er ist Verfasser von Erzählungen, Reportagen, Gedichten, Theaterstücken und Hörspielen; er schreibt zum Teil auch in Mundart. Im Text «Uno Due Tre» wird aus der Perspektive eines Knaben unter der Küchenbank eine faktisch längst vergangene Welt der 1960er-Jahre wieder lebendig. Es ist eine rüde, von seelischer Enge und unbefriedigter Glücksvorstellungen geprägte Welt. Die kantige und bildhafte Sprache, die sich nicht scheut, die über die Zeit hinausweisenden menschlichen Abgründe zu benennen, macht diesen Text in seiner gestalterischen Verdichtung zu einem beeindruckenden sprachlichen Werk, urteilte die Jury.

Eine bedeutsame Frage


«Mittelstreifen» – diesen nüchternen Arbeitstitel trug das Romanprojekt der in Baar lebenden Autorin Theres Roth-Hunkeler. Ihr am Anfang sehr dichter Text kreist um die viele Familien betreffende Frage: Sind Kinder dazu da, Teile des ungelebten Lebens ihrer Eltern auszuleben? Theres Roth-Hunkeler erzählt empathisch, mit genauem Blick und dem Mut, die Leserschaft einige Lücken, die sich aus dem anfänglichen Dichtestress ergeben, selber schliessen zu lassen. Ein reizvoller Gegensatz zur Emotionalität des Themas ist das Lebenswerk einer der Hauptfiguren: die Begrünung der Mittelstreifen auf den Autobahnen. Fazit: ein spannender Abend mit drei Autoren, die sich in ihrem Stil ganz wesentlich unterscheiden.

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Paul A. Good

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

29.11.2021

Webcode

www.schwyzkultur.ch/ciFmuv