Musik

«Ein guter  Meister»

Im Joachim-Raff-Archiv bereitete Dr. Bianca Schumann am Samstagmorgen eine Zeitreise nach Wien.

Mit einem Hörbeispiel nahm Bianca Schumann ihr Publikum mit auf eine Zeitreise ins Wien des Jahres 1857, als Franz Liszts symphonische Dichtung «Les Préludes» eine Debatte lostrat, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Musikwelt beherrschen wird. Für ihre Doktorarbeit, die im Herbst 2026 unter dem Titel «Umstrittene Tongemälde – Die Rezeption symphonischer Programmmusik in Wien (1857–1900)» erscheint, hat sie Tausende von Seiten nach Wortmeldungen durchforstet.

Auch zu Joachim Raffs Symphonien Nr. 1 «An das Vaterland» und Nr. 3 «Im Walde» wurde sie fündig. Da Wien für einen eher konservativen Musikgeschmack bekannt war, überrascht es nicht, dass Raff als «Handwerker» zwar respektiert, weniger aber als Originalgenie wahrgenommen wurde. Das politische Programm der Ersten irritierte die Zeitgenossen zunächst durchs Band.

Die Referentin zeigte auch, wie die «Vaterlandssymphonie» im Frühjahr 1938 nach dem Anschluss Österreichs an Nazideutschland erneut zur Aktualität wurde: Dass Raff mit seinem vor der Reichsgründung 1870 geschriebenen Werk seiner Sehnsucht nach einem Grossdeutschland unter liberalen Vorzeichen Ausdruck verlieh, hinderte die Nachwelt nicht daran, es zur Huldigung des nationalsozialistischen Regimes umzunutzen. Am Ende des bisweilen wie ein Kriminalroman aufgegleisten Vortrags bot sich die Gelegenheit, Fragen an die Referentin zu richten – die das interessierte Publikum gerne beim Schopf packte.

 

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Severin Kolb

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

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Kategorie

  • Musik

Publiziert am

20.04.2026

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