Margrith Gössi-Bohren, Schriftstellerin und begnadete Erzählerin. Bild Kurt Kassel
Margrith Gössi-Bohren, Schriftstellerin und begnadete Erzählerin. Bild Kurt Kassel

Literatur

Eine Lesung mit Tiefgang

Die Küssnachter Schriftstellerin Margrith Gössi-Bohren vermochte bei einer Lesung in der Mediothek Lachen am Dienstag die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen und regte mit ihren Worten und Ansichten zum Nachdenken an.

Zum diesjährigen Abschluss der Lesungen in der Mediothek Lachen las Margrith Gössi-Bohren aus ihren Werken vor. Die 69-jährige Schriftstellerin, die seit 45 Jahren in Küssnacht ansässig ist, erzählte lebhaft aus ihrer Kindheit in Grindelwald, wo sie in einer Hoteliersfamilie aufwuchs. In ihrem Buch «Arrivée und Départ – zwischen Passanten und bleibenden Gästen», das sie zusammen mit Dres Balmer schrieb, schildert sie die Zeit in der erste Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter aus Italien in der Schweiz arbeiteten. Mit viel Respekt vor deren Leistungen schilderte sie das Leben und Werken von Anna und Alice, die ihre Kindheit mitgeprägt hatten. Man fühlte sich zurückversetzt in eine Zeit, in der Touristen und Gäste den Rhythmus in den Orten und Hotels bestimmten.

Lebensansichten mit Tiefgang

Ihren noch nicht verlorenen Grindelwaldner Dialekt zeigte sie in zwei Gedichten, in denen sie bewies, dass Mundart im Vergleich mit Hochdeutsch sehr lebendig und musikalisch tönen kann. In ihren Geschichten aus der Jugend- und Schulzeit erfuhr man einiges über ihre Lehrerinnen und Lehrer und über ihre Lieblingsfächer. So beschrieb Gössi- Bohren sehr offen ihre Abneigung gegen den Handarbeitsunterricht und das Latein. Wenn man ihr zuhörte, konnte man fast den muffigen Geruch der früheren Schulstuben riechen. Ihre Lesung schloss sie ab mit einigen Metarismen, mit eindrücklichen gedanklichen Grenzgängen, die alle ein Körnchen Wahrheit beinhalteten. Margrith Gössis Lebensansichten haben Tiefgang und regen zum Nachdenken an. Sie hat ein aussergewöhnliches Sprachgefühl. Ihre Schriftsprache ist elegant, und ihren Dialekt könnte man als eine Kunstform bezeichnen. Wie Franz-Xaver Risi, Präsident des Vereins Mediothek Lachen versicherte, werden auch im nächsten Jahr wieder interessante Lesungen geplant.

March-Anzeiger und Höfner Volksblatt

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

15.11.2012

Webcode

schwyzkultur.ch/NBw4Zr