Carlo Stuppia Bild Johanna Mächler
Carlo Stuppia Bild Johanna Mächler

Literatur

Grosse Bestätigung vertreibt die Zweifel

Die Zentralschweizer Literaturförderung hat Carlo Stuppia aus Lachen erneut mit einem Werkpreis ausgezeichnet. Das Romanprojekt «Chiaroscuro» «lebt von und in der Sprache» und «barocker Sprachlust», schreibt die Jury.

Die Freude ist gross. Denn Carlo Stuppia hat an seinem jüngsten Romanprojekt «Chiaroscuro» hart gearbeitet, gefeilt, geschliffen,wochen- und monatelang – und dann gewartet. Doch der Dezember verstrich ohne Nachricht von der Zentralschweizer Literaturförderung. Dann im Januar der erlösende Telefonanruf. «Die Nachricht, dass die Jury meine 30 Seiten mit dem Werkpreis auszeichnet, ist eine extreme Bestätigung für mich. Für einmal sind die Zweifel weg», sagt Stuppia.

Worte und Wortspiele

Vermutlich aber ist es gerade der Zweifel, der Stuppia von einem mittelmässigen zu einem guten Schreiber macht. «Nur anständig zu schreiben, reicht mir nicht», erklärt er. «Die Suche nach dem treffenden Wort oder nach einer witzigen Anekdote ist fast endlos. Ich glaube, meine Stärke liegt darin, dass ich viel mehr um die Form als um den Inhalt bemüht bin.» Eine Geschichte schreiben kann jeder, sagt er, «aber erst durch die Form kann sie auf ein höheres Niveau gelangen». Die Geschichte des Ich-Erzählers Salvatore Cafagna (genannt Susu) und seiner Eltern spielt in der Schweiz und in Italien. In die Welt geworfen wird der Schelm Susu in Rapperswil, wohin die junge Familie aus der Armut im Süden Siziliens geflüchtet ist. Als er sich in der Pubertät in Drogendelikte verstrickt, wird Susu von seinen Eltern zwecks Seelenheilung in die vermeintlich gefahrlose Heimat geschickt. Im kleinen sizilianischen Dorf verliebt sich Susu in Violetta,die Tochter seines Taufpaten, und trifft auf den Dorftrottel Gianni, der sich als Berater in Liebesdingen anbietet und den Ich-Erzähler in verhängnisvolle und schräge Abenteuer verwickelt.

Die Geschichte lebt

Die Besonderheit von «Chiaroscuro » (zu deutsch hell-dunkel) liegt deshalb in der Sprache, was auch die fünfköpfige Jury in der Medienmitteilung explizit erwähnt. Die Geschichte lebe «von und in der Sprache», «von atemlosen Sätzen» und «barocker Sprachlust». Die detailgenaue Sprache, die in ausladender Art halbe Seiten lange Sätzen bildet, um die Protagonisten und Ereignisse zu beschreiben,ist ganz schnell unverkennbar. «Und auch immer», gibt er unumwunden zu, «fliesst ein Stück Lebenserfahrung in den eigenen Text ein.» Stuppia ist ein Secondo. Das Thema Heimat taucht überall auf, auch in früheren Romanentwürfen. «Heimatgefühle sind Basisgefühle. Ohne Heimat geht es nicht. Meine Heimat ist die Schweiz, hier in Lachen, bei meiner Familie», sagt er. «Das einzig exotische an mir ist mein italienischer Pass», sagt er lachend.

Dritte Auszeichnung

Carlo Stuppia wurde schon zweimal ausgezeichnet. Im Jahr 2005 hat er einen Werkbeitrag der Zentralschweizer Literaturförderung für den Romanentwurf «Bricht» erhalten. 2009 hat ihn der Kanton St. Gallen für «Zufällig unbekannt» ausgezeichnet. «Nun bin ich motiviert, weiterzuschreiben. In den vergangenen Jahren fehlte es mir oft an der Ruhe», sagt der Familienvater von zwei Töchtern und Fotograf. «Doch mit dieser extremen Bestätigung muss ich weitermachen. Jetzt ist die Motivation stark.» Vier Autoren erhalten Beiträge Insgesamt werden bei der Zentralschweizer Literaturförderung vier Autoren mit einem Preisgeld von gesamthaft 60 000 Fr. ausgezeichnet. Wie Carlo Stuppia erhält der Jugendbuchautor Carlo Meier aus Zug für «Paradise Valley » ebenfalls 22 000 Fr. Preisgeld. Der Luzerner Beat Vogel bekommt für «Aussetzer» 8000 Franken,und Dolores Linggi aus Goldau wird mit ebenfalls 8000 Fr. dazu ermutigt, weiterhin «Texte und Gedichte» zu schreiben.

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger (Johanna Mächler)

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

29.01.2016

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schwyzkultur.ch/gcpGyN