Film

Mit 800 Franken Budget an die Solothurner Filmtage geschafft

Die Lachnerin Kimi hat den Filmproduktionsverein «NADA Productions» aus Studenten gegründet, einen Film mit dem Titel «A Voyeurs Body» gedreht und es damit an die Solothurner Filmtage geschafft. Heute wird der Film uraufgeführt.

Kim Spieser – alle nennen sie Kimi – ist 22 Jahre alt, kommt aus Lachen und hat einen Spielfilm gedreht. Einen, der heute an den Solothurner Filmtagen Premiere feiert. Als Kimi vor drei Jahren den Filmproduktionsverein «NADA Productions» gegründet hat, konnte sie sich einen Auftritt an einem Filmfestival nur erträumen.

 

Kein Budget, keine Erfahrung und keine Produktion

Kimi wurde bereits vor ein paar Jahren für ihren Animationsfilm von «Schweizer Jugend Forscht» ausgezeichnet und erhielt das höchste Prädikat. 2023 gründete sie NADA und leitete den Verein als Präsidentin. Begonnen hat der Filmproduktionsverein der Universität Zürich mit drei Mitgliedern. Als Kimi im Sommer letzten Jahres ihr Amt weitergegeben hat und aus dem Verein ausgetreten ist, zählte er eine stolze Zahl von etwa 60 bis 80 Mitgliedern. Diese wurden durch Mund-zu-Mund-Propaganda und an Universitätsveranstaltungen angezogen – und waren mit ihrem Mitgliederbeitrag von 20 Franken essenziell. Dem Filmproduktionsverein aus Studenten fehlt es aber auch an weiteren Ressourcen, an Erfahrung, und weil sie zusätzlich keine richtige Produktionsfirma sind, entstand die Idee zum Vereinsnamen «NADA Productions». Denn «nada» bedeutet übersetzt auf Spanisch «nichts». Doch genau das war Kimis Antrieb, einen solchen Verein zu gründen. «Die Filmbranche ist eine teure Angelegenheit und grenzt Menschen aus, die ein Teil davon sein wollen. Deshalb wollte ich Leuten eine Plattform schaffen, die eines gemeinsam haben: die Leidenschaft für Film», erläutert die Lachnerin. Kimi findet, dass gute Kunst von unterschiedlichen Leuten aus unterschiedlichen Perspektiven geschaffen werden muss. «Dadurch, dass wir finanziell limitiert sind, sind wir kreativ viel freier», ergänzt sie.

 

«A Voyeurs Body» an den Solothurner Filmtagen

Im Filmproduktionsverein wurde pro Semester ein Kurzfilm gedreht. «A Voyeurs Body» («Der Körper eines Voyeurs ») war das letzte Projekt, das Kimi während ihrer NADA-Zeit realisiert hat. Als jedoch alles abgedreht war und der Film in die Postproduktionsphase ging, merkte Kimi beim Schnitt schnell, dass dieses Projekt kein Kurzfilm wird. Was bei 20 bis 25 Minuten noch als Kurzfilm gilt, wird von «A Voyeurs Body» mit 75 Minuten deutlich überschritten. «Ein Kurzfilm besteht oftmals aus einem prägnanten Konzept und dessen experimenteller, abstrahierter Richtung. Bei einem Spiel-film hingegen wird allein aufgrund der Länge ein anderes Ziel verfolgt, welches unter anderem voraussetzt, das Publikum zu halten», erklärt die Regisseurin und Drehbuchautorin.

In «A Voyeurs Body» geht es um eine Frau, gespielt von Zoe Kaiser, die einen angeborenen Geburtsdefekt hat. Sie fühlt sich deswegen schon immer anders als die anderen Menschen. Dafür schämt sie sich und versucht, eine gewisse Distanz zu anderen Leuten zu behalten – sei das zu ihren Arbeitskollegen, zu sich selbst oder auch zu Leuten, die sie spannend findet. Irgendwann trifft sie auf einen Mann (verkörpert von Carlos Hernandez), zu dem sie sich hingezogen fühlt. Die Frau entwickelt dann eine Obsession, bei der sie die Grenzen des Schauens überschreitet. Welche Grenzen und inwiefern, möchte Kimi dem Publikum an den Solothurner Filmtagen nicht vorwegnehmen.

 

Eine grosse Ehre

«Dass unser Film die Möglichkeit bekommen hat, an den Solothurner Filmtagen gezeigt zu werden, ist eine grosse Ehre.» Der Spielfilm von NADA hält mit einem 800-Franken-Budget in der Kategorie «Panorama Langfilm» mit Produktionen, die ein Budget bis zu mehreren Millionen haben, mit. Für Kimi ist klar: «Das spricht dafür, was NADA verkörpern will: die künstlerische Integrität wird immer über den Finanzen stehen. Wenn Leute zusammenkommen, die die Kunst schätzen, kommt immer etwas Wundervolles dabei heraus.»

 

Wenn Studierende alles selbst stemmen

Vor der Kamera agieren neun Schauspielerinnen und Schauspieler und ungefähr 40 Statisten – alle ohne jegliche Schauspielerfahrung. Hinter den Kulissen wirkten 25Vereinsmitglieder mit. Sei es für die Kostüme, das Make-up, die Kameraführung, das Catering, den Ton und die Musik oder den Drehort. Gedreht wurde während acht Tagen an unterschiedlichen Orten in der Schweiz, wie in Zürich oder unter anderem in Lachen, was durch die Gemeinde Lachen ermöglicht wurde. Und weil die Studentinnen und Studenten keine finanziellen Möglichkeiten hatten, die Urheberrechte für die Musik zu bezahlen, produzierte Kimi mit «Duklin» (ebenfalls ein Vereinsmitglied) ein eigenes Album mit sieben Musikstücken. Alles selbst komponiert, gemischt und selbst gesungen. «Das Singen hat mir viel Spass gemacht», meint das Lachner Multitalent.

 

Die eigene Handschrift bei einem Film hinterlegen

Als Drehbuchautorin, Regisseurin, Produzentin und Musikmitverantwortliche spürte Kimi einen grossen Druck auf sich. «Man muss konstant Probleme lösen, Aufgaben delegieren, den Überblick behalten – auf eine kreative Art und Weise», beschreibt Kimi, «aber es ist ein schöner Druck, der mich antreibt, denn am Ende steht ein Ergebnis.» Am schönsten findet sie, bei einem Film ihre eigene Handschrift einfliessen zu lassen. Bisher hat Kimi nur hinter der Kamera operiert. Um die Sprache der Schauspieler aber besser zu sprechen, könnte sie sich durchaus vorstellen, auch mal in die Rolle der Schauspielerin zu schlüpfen. «Auch wenn man sagt, man sollte nicht Regie führen und schauspielern», schmunzelt sie.

 

Premiere vor Publikum

Heute und am 26. Januar wird «A Voyeurs Body» zum ersten Mal vor Publikum gezeigt. Selbst die Crew hat den Film noch nicht gesehen. «Ich bin sehr nervös», gesteht Kimi, doch genauso sehr freut sie sich, ihren Film nach einem Jahr Arbeit endlich zu zeigen. «Ich bin stolz darauf, was wir mit unseren begrenzten Ressourcen auf die Beine gestellt haben.»

 

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Ambra Moro

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Höfner Volksblatt & March Anzeiger

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Publiziert am

22.01.2026

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