Mit Jodeln die menschliche Gefühlsbreite ausgedrückt: Nadja Räss und ihre drei Musiker (v.l.) Marc Scheidegger, Dani Häusler und Richard Hugener. Bild zvg
Mit Jodeln die menschliche Gefühlsbreite ausgedrückt: Nadja Räss und ihre drei Musiker (v.l.) Marc Scheidegger, Dani Häusler und Richard Hugener. Bild zvg

Musik

Den Alltag jodelnderweise interpretiert

Die Stimmreise von Nadja Räss einfach als Jodelkonzert zu beschreiben, würde diesem Gesamtkunstwerk nicht gerecht werden. Hingerissen schwankte das Publikum am vergangenen Mittwoch in der Bühne Fasson zwischen gerührten Tränen und amüsierten Lachern und belohnte die Künstler mit verdientem, donnerndem Applaus.

War schon die erste Stimmreise von Nadja Räss ein grosser Erfolg, die zweite ist eine einzige Offenbarung. Und könnten sich begeisterter Jubel und überschwänglicher Applaus adeln, so hätte Räss als gekrönte Königin des Jodels Lachen verlassen. Die Stimmreise rund um die Welt verband gekonnt alte Traditionen mit modernen Rhythmen, und temperamentvolle, mitreissende Klänge standen ernsthaften, besinnlichen Melodien gegenüber.

Akzentstarke Stimme

Gemeinsam mit ihren drei Musikern, Dani Häusler (Klarinette), Marc Scheidegger (Gitarre) und Richard Hugener (E-Bass), drückte Räss allein mit ihrem Jodel die ganze menschliche Gefühlsbreite aus, erzählte nonverbal märchenhafte Geschichten und interpretierte Alltagsituationen wie Schlafen und Träumen jodelnderweise. Ihre einmalige, klare und akzentstarke Stimme brachte grosse Emotionen ins Theater, die niemand unberührt liessen. Eindrucksvolle Mimik, musikalischer Humor und die stets zu Possen und Schabernack aufgelegten drei Musiker lieferten jede Menge amüsanter Aktion.

Überraschungen inkluvise

Die Stimmreise war immer für eine Überraschung gut. So als sich die Musiker wie ausser Rand und Band geratene Rockstars gebärdeten, während Räss kopfschüttelnd auf einem Stuhl sass und sich stöhnend an die Stirn fasste. Dann wurden die Musikinstrumente mal gegen irdene Rührschüsseln getauscht. Die darin schwingenden Murmeln liessen eine ganze glockenbewehrte Kuhherde entstehen , vom Meckern und Muhen der Musiker und lautem Lachen des hingerissenen Publikums begleitet.

Wechselbad der Gefühle

Die Lieder und Jodler lösten ein umfassendes Wechselbad der Gefühle aus. Räss schaffte es allein mit ihrer unglaublichen Stimme, ganze Szenen und Stimmungen entstehen zu lassen. Eine liebevolle Gutenachtgeschichte; eine feierliche, sakrale Ode; die ganze Lebensfreude, die an einem sonnigen Tag den Bergen entspringt; das temperamentvolle Zigeunerfest voller Überschwang und, wie eine Atempause, ein wehmütiger, sanfter Jodel, der direkt ins Herz traf. Dann wieder neckende, kokettierende, von Elementen aus Jazz, Blues und Swing beeinflusste Melodien, abgelöst von ruhigen Balladen, wie ein inniges Gebet klingend, voller Inbrunst und tiefer Demut, die sich dennoch allmählich steigerten, in unmässigem Zorn gipfelten, der sich mit herausfordernden und laut anklagenden Jodlern Bahn brachen. Da flog schon mal der Stuhl über die Bühne, und die Augen von Nadja Räss schienen Funken zu sprühen. In den kurzen Liedpausen hätte man eine fallende Stecknadel hören können, so gefangen waren die Zuhörer von der Darbietung. Hartnäckig erklatschte sich das Publikum drei Zugaben, das Dankeschön der Künstler kam natürlich in Jodelform und wurde von, eher wölfisch klingendem, dafür aber rundum begeistertem Publikumsgejodel erwidert.

In die Jodelkunst eingeführt

Bereits am Nachmittag führte Nadja Räss rund 20 angehende Jodelfans in ihre Kunst ein. Anfängliche Hemmungen der Kursteilnehmer löste Räss mit einer gesungenen Vorstellungsrunde schnell auf. Tonleiterübungen zur Stimmaufwärmung und Wechsel vom Brust- zum Kopfregister lösten sich mit interessanten Informationen rund um das Jodeln ab. Über zwei Stimmoktaven muss ein geübter Jodler, Männer wie Frauen, beherrschen und die Ausdruckskraft der Liedinterpretationen liegt in gekonnter Mimik und Gestik. Ungewohnt und nicht ganz einfach waren die Übungen von Vokalen über Indianergeheul bis zum Zungenschlagjodel, aber nach einer knappen Stunde waren bereits alle soweit, gemeinsam mit Nadja Räss ein Lied zu singen, das allen sichtlichen Spass machte. Die prominenteste Teilnehmerin war die bekannte Sängerin Annette Labusch. Ungewohnt und anstrengend sei das Jodeln für eine klassische Sängerin, aber sie fand den Ausflug in die ungewohnte Disziplin faszinierend und das Jodeln gerade wegen seiner Einfachheit und Harmonie wunderschön.

March-Anzeiger und Höfner Volksblatt

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

03.09.2010

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www.schwyzkultur.ch/DJE5WR