Hando Nahkur spielte in Lachen Werke von Franz Liszt. Bild zvg
Hando Nahkur spielte in Lachen Werke von Franz Liszt. Bild zvg

Musik

Erfrischende Tonmalerei

Hando Nahkur, der sich auf die Werke von Franz Liszt spezialisiert, war am vergangenen Donnerstag in einem Klavierrezital der Joachim-Raff-Gesellschaft in Lachen zu erleben.

Dass das Konzert ganz im Sinne der Musik stand, wurde bereits mit den ersten Klängen deutlich. Sehr ruhig und leicht, aber bestimmt liess Hando Nahkur seine Hände über die Klaviertasten gleiten: Jeder Ton sass, jede Phrase stimmte, keine Bewegung war zu viel. Diese Leichtigkeit übertrug sich rasch auf das Publikum, das sich in der Musik womöglich etwas Erfrischung erhofft hatte. Und diese kam – etwa mit sich aufs Wasser berufenden Werken wie Franz Liszts «Au lac de Wallenstadt», John Adams’ vom Regen inspirierten «China Gates» und Erkki-Sven Tüürs «Piano Sonata», in der Nahkur die regnerische estnische Natur hört –, während der Saal des katholischen Kirchenzentrums immer heisser wurde.


Liszt als Reisender – ein meditativer Raff


Am Anfang des Konzertes standen, nach einer kurzen Einführung von Severin Kolb, dem Leiter des Joachim-Raff-Archivs, Raffs «Deux Méditations» op. 147, die ihn von einer eher meditativen Seite zeigten. Darauf folgte das erste Highlight des Abends: Nahkur kombinierte Raffs Bearbeitung des Liszt’schen Liedes «O Lieb» mit Liszts späteren Bearbeitung desselben Liedes, die unter dem Namen «Liebestraum Nr. 3» weltberühmt wurde, wie Nahkur erklärte. Im Mittelpunkt des Konzertes standen Liszts «Années de Pèlerinage: Première Anneé: Suisse», in welchen Nahkur mit seiner präzisen Interpretationsart Liszts Reiseerfahrungen in der Schweiz nachspürte. Liszts, aber auch Nahkurs Wanderjahre stellten den thematischen Mittelpunkt dar. Die nach der Verschnaufpause auf Raff und Liszt folgenden Werke aus dem 20. Jahrhundert passten ideal und bildeten zudem zwei Lebensstationen Nahkurs ab: Seit 15 Jahren lebt er in den USA, die durch John Adams repräsentiert wurden, stammt aber ursprünglich aus Estland, das mit Erkki Sven Tüür vertreten war.


CD-Erlös gespendet


Nahkur liess aber nicht nur die Komponisten miteinander und für sich sprechen, sondern gab dem Publikum auch Einblicke in seine eigene Auffassungsweise. Besonders bei Tüür betonte er aber, dass die Hörart allen selbst überlassen sei. Mit Liszts Rhapsodie Nr. 2, ein wahrer Gassenhauer, zum Schluss und einem eigenen Arrangement des bekannten Songs «The Prayer» als Zugabe verabschiedete er sich, bevor er seine CDs signierte. Deren Erlös spendete er der Joachim-Raff-Gesellschaft. Bei einem Getränk am mittlerweile etwas abgekühlten Seeufer liess man dieses sehr persönliche Klavierrezital ausklingen.


Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / eing

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

01.07.2019

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schwyzkultur.ch/KhaqyS