Zurückversetzt in Raffs Leben: Das Fortepiano aus seiner Zeit verhielt sich wie eine Diva und veränderte seine Stimmung laut Marta Patrocinio sogar während des Konzerts. Bild fs
Zurückversetzt in Raffs Leben: Das Fortepiano aus seiner Zeit verhielt sich wie eine Diva und veränderte seine Stimmung laut Marta Patrocinio sogar während des Konzerts. Bild fs

Musik

Gut gestimmtes Pianoforte, aber «etwas störrisch»

Die konzertante Einweihung des rund 150-jährigen Fortepianos im Joachim-Raff-Archiv in Lachen wurde zu einem unvergesslichen Erlebnis. Musikalisch und wegen den Besonderheiten des historischen Instruments.

Das Konzert vom Mittwochabend im Joachim Raff-Archiv wird den Organisatoren und Zuhörern, aber vor allem den beiden Musikerinnen noch lange in Erinnerung bleiben.Nicht nur wegen des einmaligen Rahmens und der Gelegenheit, akustisch in die Zeit des 1822 in Lachen geborenen Komponisten Joachim Raff einzutauchen. Für die Organisatoren drängte sich nach langer Vorbereitungszeit die bange Frage auf, ob überhaupt an ein Konzert zu denken sei. Das Holz des wertvollen, antiken Instruments hatte sich nach dem Ortswechsel und wohl auch infolge der Temperatur unerwartet stark verzogen. Nicht zuletzt, weil es anders als heutige Flügel, keinen Stahlrahmen besitzt. Das Leder der Hämmerchen hatte sich so stark ausgedehnt, dass der Mechanismus beeinträchtigt wurde. Klavierbauer Emanuel Lardi, der das Instrument vor der Reise nach Lachen aufwendig restauriert hatte, musste feststellen, dass eine Stimmung auf die üblichen 434 Herz das Instrument überfordern könnte, und entschloss sich, auf den Wert von 415 Herz auszuweichen.


Solo statt gemeinsam


Das war für die beiden engagierten Musikerinnen, die Pianistin Marta Patrocinio und die Cellistin Hyazintha Andrej eine grosse Herausforderung. Sie hatten sich im Vorfeld den Eigenheiten des Instruments angepasst und gemeinsame Vorträge eingeübt. Die kurzfristige Veränderung durch die neue Stimmung wurde vor allem für die Pianistin zum Debakel. Ihre Begabung, über das absolute Musikgehör zu verfügen, wurde für sie in diesem Fall zur Belastung. Denn für sie lag nun jeder Ton um eine Viertelnote versetzt daneben. Es wurde unmöglich, so kurzfristig die gemeinsam vorbereiteten Werke aufzuführen. So kam es, dass das Konzert mit Werken auf dem Fortepiano begann und mit Cello-Soli abgeschlossen wurde. Mit fünf Themen aus Joachim Raffs Klavierwerk «Aus der Adventzeit» und der «Nocturne fis-Moll op. 48,2» von Frédéric Chopin gab Marta Patrocinio mehr als eine Kostprobe auf dem Fortepiano. Ebenfalls als Solistin trug anschliessend Hyazintha Andrej «Caprici für Cello solo» von Joseph Dall’Abaco und die «Suite Nr. 1 für Cello» von Johann Sebastian Bach vor. Die rund 30 Konzertbesucher – mehr finden im Joachim Raff-Archiv nicht Platz – dankten mit grossem Applaus. Nach den musikalischen Genüssen folgten kulinarische im «Heimetli» nebenan. Res Marty als Präsident der JRG und Severin Kolb als Archivleiter durften aufatmen und nutzten die Umstände, weitere Einblicke in ihre herausforderungsreiche Tätigkeit zu geben.


Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Frieda Suter

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

17.12.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/gLqJav