Zusammen mit Timon Altwegg spielten Gilles Colliard, Hana Gubenko und Graham Waterhouse (v. l.) zupackend und mit viel Energie.  Bild Frieda Suter
Zusammen mit Timon Altwegg spielten Gilles Colliard, Hana Gubenko und Graham Waterhouse (v. l.) zupackend und mit viel Energie. Bild Frieda Suter

Musik

Klassik-Konzert mit modernem Touch

Drei Komponisten prägten das Kammermusikkonzert vom Sonntag im reformierten Kirchgemeindehaus in Lachen. Zu einer rasanten musikalischen Reise durch San Francisco wurde «Liberty Street» von Gilles Colliard, der an der Violine selber mitspielte.

Für das auf die Generalversammlung der Joachim Raff Gesellschaft Lachen folgende Konzert brachte der Pianist Timon Altwegg, der schon früher im Auftrag des Vereins auftrat, eine namhafte, äusserst internationale Besetzung nach Lachen: den Genfer Gilles Colliard, die in Russland geborene Hana Gubenko und den Engländer Graham Waterhouse.

Nach der Aufführung von Mozarts Klavierquartett Es-Dur KV 493, in dem Timon Altwegg mit dem Streichertrio wie in einem Konzert dialogisierte, wurde das Lachner Publikum Zeuge der Uraufführung des Werkes «Liberty Street» von Gilles Colliard, einer vierteiligen Reise durch die Impressionen, die ein Aufenthalt in San Francisco beim Komponisten hinterliess. Expressive, kontrapunktisch gehaltene Passagen kontrastierten mit harmonisch zauberhaften, statischen Klangwelten und motorischen, rasanten Themen, die sich die Instrumentalisten wie Bälle zuwarfen, sehr zum Vergnügen des sichtlich angetanen Publikums.

Ungewohnte Facetten von Raff

Selbst eingefleischte Raff-Kenner mussten nach dem Konzert zugeben,dass sie ihm eine so leidenschaftliche Partitur nicht zugetraut hätten. In der dichten romantischen Klangwucht seines Klavierquartetts c-Moll, op. 202,2, dessen Kopfsatz nach Timon Altwegg einem «pianistischen Alptraum» gleichkomme, zeigt sich Raff von einer diabolischen Seite. Erst nach zwei düsteren, aufgewühlten Sätzen und einem nicht weniger gefühlsintensiven, langsamen Satz, löst sich die Spannung in einem lebhaften Rondo. Die Musikerin und die drei Musiker präsentierten sich als eingespieltes Ensemble, das keine Risiken scheute und die Stücke zupackend und voller Energie interpretierte.

Der Funken der Interpretation sprang auch auf das Publikum über, obwohl sich die Konkurrenz durch das märchenhafte Wetter in der Besucherzahl bemerkbar machte. Bereits vor der Pause wurden die Interpreten mehrfach mit grossem Applaus verwöhnt. Mit einem kurzen Appetithäppchen aus einem Werk für Klavierquartett vom Cellisten Graham Waterhouse als Zugabe, das wie Colliards Stück Lust auf mehr wecken konnte, verabschiedete sich das Ensemble

Höfner Volksblatt (Severin Kolb)

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

02.05.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/N8gkLu