Kunst & Design
Ungewisse Zukunft der Talentförderung Kunst
Zum Semesterabschluss präsentieren die Schülerinnen und Schüler der Talentschule Ausserschwyz in einem Provisorium in Lachen vielleicht zum letzten Mal eine Auswahl ihrer künstlerischen Arbeiten. Die Gründung eines Vereins soll Rettung bringen.
Der Diebstahl kann gerade noch verhindert werden. Scherzhaft schlägt Erwin Weinzinger vor, ein Skizzenbuch zu entwenden, um es zu Geld zu machen. Hat nicht eben ein Talentschüler erzählt, dass die Skizzenbücher von Künstlern Millionen brächten?
Sonja Frei, die Leiterin der Kunstschule, muss aber nicht einschreiten. Weinzinger ist der Vater einer Schülerin und meint es gut. Der Erlös hätte der Talentförderung Bildende Künste zugutekommen sollen, deren Zukunft ungewiss ist. Ohnehin mögen die jungen Talente noch nicht so weit sein, dass der Verkauf ihrer Skizzenbücher das Budget der Talentschule deckt. Sie sorgen dennoch für Begeisterung.
Kleine Michelangelos
In der provisorischen Heimat der Kunstschule Kunst7 in einer Garage in Lachen präsentieren die Schülerinnen und Schüler der Talentschule Ausserschwyz am letzten Mittwoch eine Auswahl ihrer Arbeiten des zu Ende gegangenen Semesters. Eltern, Geschwister, Interessierte mit ihren Kindern, Vertreter und Freunde der Talentschule drängen sich um die Tische. Die Kunstschüler, zwischen 13 und 18 Jahre alt, zeigen, womit sie sich in den letzten Monaten beschäftigt haben. Die Besuchenden sind «überwältigt» und erkennen lauter «kleine Michelangelos ». Weswegen einige Eltern nicht tatenlos zusehen wollen, wie die Talentklasse in finanzieller Not steckt. Doch dazu später mehr.
Kontrast, Kontrast, Kontrast
Zunächst lassen sie sich einen Überblick geben. Aus Platzgründen präsentiert nicht jedes Talent die eigenen Arbeiten. Stattdessen stellen einige per Kurzreferat vor, welche Schwerpunkte gesetzt wurden in den Arbeiten, die auf den Tischen ausliegen. Die 18-jährige Lynn zeigt, mit welchen Übungen die Talentschüler sich der Porträtkunst annähern. Der 15-jährige Matteo berichtet, wie sie Skizzenbücher und Workbooks zu führen lernen oder Collagen erstellen. Stolz erklärt der 16-jährige David die Monotypie: «Bei diesem künstlerischen Druckverfahren ist jedes Werk ein Unikat.» Nando weiss, wie Kratzbilder entstehen, Olivia zeigt Zeichnungen und erläutert die Beschäftigung mit Schraffur oder Tusche.
Die Dozentin Carla Isler wird im Anschluss scherzhaft berichten, wie sie die Schülerinnen und Schüler täglich damit nervt, dass sie Kontraste setzen sollen. Kontrastreicher konnten die gezeigten Arbeiten nicht sein. Die 14-jährige Alisha erzählt von ihren Studien in Kunstgeschichte und erläutert, wie sie in den Coachings mit Sonja Frei über das künstlerische hinausgeht und die Welt mit allen Sinnen zu erfassen lernt. Der 13-jährige Levio nimmt es digital, zeigt Flyer und Plakate, die er mit Grafikprogrammen und Bildbearbeitung erstellt. Er finde es gut, dass man sich «nicht nur auf dem Papier ausleben kann, denn am Computer kann man auch viele coole Sachen machen».
Die Zukunft sichern
Einmal mehr verblüffen die jungen Kunstschülerinnen und -schüler mit Vielfalt und Kreativität. Diese gelte es zu fördern, darin sind sich alle einig. Doch genau daran hakt es. Die Finanzierung der Talentförderung Bildende Kunst ist nicht mehr gesichert. Bisher haben Sonja Frei und ihr Mann, der Künstler Henrik Frei Larsson, die Talentklasse querfinanziert, weil es keine Mittel von Gemeinden, Bezirken oder Kanton gibt. Aus gesundheitlichen Gründen ist dies nicht mehr möglich.
Neue Wege müssen gefunden werden. Deshalb haben zwei engagierte Eltern, Erwin Weinzinger und Isidor Bucher, mit Angela Wagner den Förderverein Bildende Künste gegründet. Der Verein will einerseits versuchen, Mittel aufzutreiben, andererseits den Dialog mit der Politik suchen. Auch Daniele Damiani von der Talentschule Wollerau ist der Ansicht, dass sich «die öffentliche Hand einbringen sollte, um Kunst, Sport und Musik gleichzusetzen». Es gibt also Hoffnung, dass dies nicht die letzte Präsentation zum Semesterabschluss ist. Ganz ohne den Diebstahl von Skizzenbüchern.
Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Rafael Muñoz
Autor
Höfner Volksblatt & March Anzeiger
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