Gisela Marty (l.) mit dem «Haarandenken», Brigitte Diethelm mit Trachtenhaarnadeln. Sie und die Radhaube zieren bis heute die Märchler Festtagstracht. Bild Johanna Mächler
Gisela Marty (l.) mit dem «Haarandenken», Brigitte Diethelm mit Trachtenhaarnadeln. Sie und die Radhaube zieren bis heute die Märchler Festtagstracht. Bild Johanna Mächler

Volkskultur

Auch Junge fürs Museum gewinnen

Was ist ein «Haarandenken» – das Lieblingsstück der neuen Kuratorin Gisela Marty? Und warum findet Brigitte Diethelm, die das Marchmuseum 12 Jahre lang geleitet hat, dass Stickereien zum Schönsten gehören, was die Ausstellung zu bieten hat?

Es klingt beinahe wie eine Liebesgeschichte, wenn Brigitte Diethelm und Gisela Marty über «ihr» Museum sprechen. Da ist viel Herzblut und Verantwortung für die Aufgabe zu spüren. Und beide haben Lieblingsstücke: Da ist das «Haarandenken» einer Märchler Familie, die im 19. Jahrhundert nach Amerika ausgewandert war. Sie liess die Grosseltern zurück. Für sie wurde aus den Haaren der Enkelkinder ein Bildnis aus einem Drahtgeflecht mit Haaren, Bändern und Perlen gewirkt. «Wenn man bedenkt, wie endgültig der Abschied damals war, so rührt mich dieses Bild, so oft ich es betrachte», sagt die neue Kuratorin Gisela Marty. Ähnlich geht es Brigitte Diethelm, wenn sie die prächtige Radhaube der Märchler Festtagstracht betrachtet. Oder die reich dekorierten Trachtenhaarnadeln. Nicht nur der qualitative filigrane Dekor der Trachtenhaarnadeln, sondern auch die mit kunstvollen Stickereien geschmückte Haube (Laméstickerei) erinnert daran, welchen Wert der Kopfputz für die Trägerin hatte. Damals wie heute hätten nur wenige Personen diese hochstehenden künstlerischen Arbeiten ausgeführt.

Steigende Besucherzahlen

Doch mit Liebe allein wird kein Museum gestaltet. Es benötigt auch Fachwissen, welches die Frauen durch Studien erworben haben. Und es braucht einen Auftrag: «Das Marchmuseum erwirbt, bewahrt, erforscht und stellt aus, sodass sich die Menschen mit der Kulturgeschichte der Gegend identifizieren können», erklärt Brigitte Diethelm. «Zudem wollen wir mit unseren Themen den Bezug zu heute herstellen und so auch unsere Mitglieder integrieren.» Die Zahl der Mitglieder des Marchrings, dem das Marchmuseum gehört, ist übrigens nicht angestiegen, aber konstant bei 570 geblieben. Was hingegen deutlich angestiegen ist, sind die Besucherzahlen. «Im Jahr 2000, als ich die Leitung übernommen habe, wiesen wir 260 aus, in den vergangenen Jahren waren es je zwischen 600 bis 800», sagt Diethelm nicht ohne Stolz. Zu diesen Zahlen haben nebst der Dauerausstellung dieSonderausstellungen beigetragen. Diethelm hat sie schon bald nach Amtsantritt eingeführt. Als die besten bezeichnet sie Ortsbilder, die Künstlerfamilie Beul, Gangyner und Foto-Albrecht. Was allerdings all die Jahre stagnierte, war das Finden eines neuen Standorts für das Museum.

Wunsch nach zentraler Lage

Deshalb nimmt auch Gisela Marty für ihre Amtszeit das Thema auf: das Marchmuseum ins Tal zu bringen. «Illusionen machen wir uns aber nicht, denn man muss allerlei berücksichtigen », sagt sie. Die Mittel seien eher bescheiden, alle Vorstandsmitglieder des Marchrings arbeiten ehrenamtlich und «wir müssen der AG Kraftwerk Wägital keine Miete bezahlen». Diesen Goodwill weiss man zu schätzen, zudem passt das seit 35 Jahren bestehende Museum in die Umgebung des Kraftwerks. Dennoch: Die Räume sind zu klein geworden für die zahlreich gewordenen Kulturgüter, die man zeigen könnte, die Ausstellung ist nicht rollstuhlgängig und man hat kaum Laufkundschaft.

Ausstellung «Heilige Leben»

Bereits hat auch Gisela Marty ihre erste Sonderausstellung kuratiert. «Heilige Leben» gibt Einblicke in das Wirken und Leben von heilig gesprochenen Menschen – mit teils berührenden Statuen. Künftig möchte Marty vermehrt moderne Elemente einbeziehen wie Multimedia, auch um die jüngere Generation anzusprechen. Denn viele wüssten wenig oder nichts von ihrer Geschichte und Herkunft, stellt Marty fest.

Infos

www.marchring.ch



March-Anzeiger und Höfner Volksblatt

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

23.11.2012

Webcode

www.schwyzkultur.ch/c9qdf8