Die Märchler «SchmuDo-Butzi» verwandelten das Narrenbus-Innere zeitenweise in eine bunte Afterparty.  Bild Tatjana Kistler
Die Märchler «SchmuDo-Butzi» verwandelten das Narrenbus-Innere zeitenweise in eine bunte Afterparty. Bild Tatjana Kistler

Volkskultur

Im Dienst der feucht-fröhlichen Fasnacht unterwegs

Der Märchler Narrenbus brachte heuer während fünf Abenden 1359 Fasnächtler gratis nach Hause und absolvierte dabei 2357 Kilometer. Den wohl anstrengendsten Shuttle-Dienst leisteten vier Chauffeure am «SchmuDo».

23.15 Uhr: Los geht es Narrenbus-Chauffeur Thomas Stählin, fasnachtskonform mit Bauarbeiterverkleidung unterwegs, hält bei der Reichenburger Post, quasi an der Peripherie des Narrenbusnetzes. Im Bus: Zwei Matrosinnen – selbst ist die Frau. Wäre da nicht der stockdicke Nebel, der dem Fahrer einiges an Konzentration abverlangt, könnte es im Kleinbus beinahe langweilig werden. Dieser Anflug von ersten Ermüdungssymptomen wird in Siebnen jedoch jäh unterbrochen: Eine Horde Ritschbörg-Schränzer wartet, singend und tanzend, um an den Altendörfler Kostümball chauffiert zu werden. Die Stimmung reisst nicht ab – was daran liegen dürfte, dass sich der Fahrer als DJ-Talent entpuppt und das gejolte Lied sofort in seiner Playlist hervorkramt. «Laudato Si» – es ist Fasnacht!

Mitternacht

«Jetzt beginnt wortwörtlich die tote Zeit», erklärt mir der Fahrer. Warten ist angesagt,bis die Fasnächtler nach Hause oder nach Lachen zu den Grüblerhexen wollen. Auch den Security-Mitarbeiter scheint es ziemlich wohl zu sein,der erste Rausschmiss lässt auf sich warten, der Maskenball 2015 ist bislang ein friedliches Fest.

1.15 Uhr

Hexen,Prinzessinnen,Fleischer und Schildkröten drängen sich vor der Narrenbustür, alle wollen einen Platz im warmen Bus, der den restlichen Abend lang von Patric Rubin gelenkt wird. Jeder wartet natürlich schon am längsten auf einen der beiden Narrenbusse – Respekt ob der Geduld des Chauffeurs, der gelassen mit jedem Gast einen Aussteigehalt vereinbart. Nun wird es spannend: Der Sozialisierungseffekt der Fasnacht bestätigt sich bereits nach wenigen Fahrminuten: Schildkröte gefällt Seemann, Hasi flirtet mit Chirurg – Märchler,die im ÖV sonst nur schwerlich ins Gespräch kämen, verstehen sich prächtig.

1.55 Uhr

An eine Pause ist nicht mehr zu denken, die Partygäste sind müde, teils leicht gereizt, wenn sie nicht sofort einsteigen dürfen. Die Fahrt im Bus und das ehrenamtliche Engagement der Berufschauffeure im Dienste des Brauchtums scheinen oftmals als selbstverständlich erachtet zu werden.Mein Held ist ein brauner Siebner «Chüngel»,der jedem Gast beim Aussteigen zuruft: «Gitts au es Bätzeli für dä lieb Chauffeur?» – die Trinkgeldkasse wird zumindest eine Fahrt lang rege genutzt.

3.20 Uhr

Sechs Runden durch die auf einmal unglaublich weitläufig wirkende March sind geschafft. Die Schlange der Heimkehrwilligen in Altendorf wird und wird nicht kürzer – doch die heiteren Fasnächtler werden immer jünger… Der Bus ist voll, die Abfahrt verzögert sich aber,da sich die Butzi einfach auf die Strasse stellen und den Bus zum Anhalten zwingen – super, Freunde!

4 Uhr

Hoffentlich – entschuldigt bitte, liebe Mitbürger – keine Reichenburger und Buttiker mehr, sonst dauert jede Runde eine Ewigkeit! Da die ersten Lachner Backstuben jedoch schon längst Hochkonjunktur feiern, verkürzen sich unsere Touren ungemein. Doch die Fahrt ist nicht kurz genug,als dass sich ein angetrunkener Häftling davor hätte retten können, den Busboden zu küssen – «Nichts passiert!»

5.10 Uhr

«Langsam luggets!» Nach einer Fahrzeit, welche einer Reise nach Venedig gleichkommen könnte, gehts nach Hause. Die Füsse sind kalt, die Stimmung ist gut und die Klischees über die Märchler Fasnachtssaufbolde sind – zumindest für heute – widerlegt.

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

17.02.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/2VZrx4