Bringen Gottesdienst und Fasnacht unter einen (Narrhalla)-Hut: Der reformierte Pfarrer Ruedi Baumann, gebürtiger Lachner und heute in Sevelen tätig, und Martin Weick, gebürtiger Saarländer und Pfarradministrator in der Pfarrei Lachen. (Bild: tak)
Bringen Gottesdienst und Fasnacht unter einen (Narrhalla)-Hut: Der reformierte Pfarrer Ruedi Baumann, gebürtiger Lachner und heute in Sevelen tätig, und Martin Weick, gebürtiger Saarländer und Pfarradministrator in der Pfarrei Lachen. (Bild: tak)

Volkskultur

«Kommt, lasst uns fröhlich sein»

Da haben sich zwei gefunden. Beide sind im Auftrag Gottes tätig, Mitglied der Narrhalla Lachen, alt Obernarr beziehungsweise Obernarr, und verfolgen eine besondere Mission: Sie halten in der Lachner Pfarrkirche einen ökumenischen Gottesdienst zur Fasnacht.

Mit Martin Weick und Ruedi Baumann sprach Martin Risch.

Ein Fasnachts-Gottesdienst in Lachen. Das wird sicher etwas Spezielles?

Martin Weick: Für Ruedi Baumann ist es spezieller als für mich. Die Fasnacht ist ja ursprünglich etwas für Katholiken. So gesehen ist es eher ungewöhnlich, dass ein reformierter Pfarrer sich für die Fasnacht engagiert.

Wie kommt ein reformierter Pfarrer zur Fasnacht?

Ruedi Baumann: Ich bin eben in Lachen aufgewachsen und komme aus einer gemischt konfessionellen Ehe, mein Vater war reformiert, meine Mutter katholisch.

Welches sind Ihre ersten Fasnachtserlebnisse?

Baumann: Wir hatten in der direkten Nachbarschaft zu meinem Elternhaus im Fröschenzopf einen Maskenverleih an der Ecke zur Feldstrasse. Wenn die Masken und Kleider zurückgebracht wurden, musste man sie nicht nur waschen, sondern auch stärken. Da habe ich schon als 12-jähriger Bub mitgeholfen. Das war mein erster Nebenjob.

Was war für den gebürtigen Saarländer die Fasnachts-Offenbarung?

Weick: Das Saarland ist ja eine Fasnachtshochburg. Bei uns gab es jedes Jahr einen grossen Umzug, Kappenreden und auch Strassenfasnacht. Im Kindergarten gings bereits los, meine Eltern förderten das Mittun. Ich habe bereits mit 12 Jahren meine erste Kappenrede gehalten, was dann meine spätere Berufswahl sicher beeinflusst hat.

Wie wurde aus Ruedi Baumann ein Narr?

Baumann: Dank meiner Walliser Grossmutter. Sie war eine echte Fasnächtlerin. Und als es dann darum ging, wer einmal ihre gesammelten Fasnachtsartikel übernimmt, die in der Familie sonst keiner haben wollte, bin ich mit 16 Jahren das erste Mal an einem schmutzigen Donnerstag als Butzi unterwegs gewesen. Das war mein «Erweckungserlebnis» als Fasnächtler.

Haben Sie Erfahrung mit Fasnachtsgottesdiensten?

Baumann: Ja, in Pfäffikon habe ich auch schon mit Pater Notker Bärtsch ökumenische Fasnachtsgottesdienste gefeiert.

Bekamen Sie in Ihrer Kirche nie Ärger wegen Ihres Fasnachts-Engagements?

Baumann: Im Gegenteil. Bisher hat noch jede Gemeinde akzeptiert, dass ich an den Fasnachtstagen nicht abseits stehen kann und auch butznen gehe.

Wie kam es zum Zusammenschluss?

Weick: Wo ich aufgewachsen bin, ist am Fasnachtssonntag die Fasnacht im Gottesdienst immer ein Thema. Kommt hinzu, dass ich Obernarr bei der Narrhalla bin und Ruedi alt Obernarr. So haben wir uns nicht über die Kirche kennen gelernt, sondern über die Narrhalla. Als ich hörte, da gibt es einen Pfarrer der alt Obernarr ist, war mir klar: Mit dem kann ich das Projekt wunderbar zusammen machen.

Warum einen ökumenischen Gottesdienst?

Weick: Das war von Beginn an klar. Ausserdem, die Fasnacht gehört ja nicht nur den Katholiken.

Brauchten Sie eine Erlaubnis?

Weick: Ob ich eine gebraucht hätte, weiss ich nicht. Ich habe jedenfalls das Okay bei Generalvikar Martin Kopp eingeholt. Dadurch, dass es eben ein ökumenischer Gottesdienst ist, also ohne Messfeier, fällt ein «Problem» weg, das an anderen Orten in der Vergangenheit zu Konflikten geführt hat. Weiter befolgen wir den Wunsch des Bischofs, der sich dagegen verwahrt hat, dass man mit einer Maske in die Kirche geht.

Wo ziehen Sie die Grenze des Tragbaren?

Weick: Uns ist wichtig: Wir feiern nicht die Narren. Wir wollen Gott begegnen und er begegnet uns ja auch nicht in einer Maske, sondern von Angesicht zu Angesicht. Es geht bei aller Lustigkeit auch um Ernsthaftes. Die Gottesdienstbesucher sollen nach Hause gehen können mit der Bestätigung, dass sie das, was sie während der Fasnacht feiern unter dem Segen Gottes steht.

Was erwartet die Besucher?

Weick: Der Gottesdienst steht unter dem Psalm 118: «Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.» Nur fasten und nicht festen, das ist nicht sinnvoll. Wir wollen die Leute zusammenführen, auch solche, die vielleicht gerade Probleme wälzen und eine fröhliche Zeit gebrauchen können.

Gottesdienst zur Fasnacht

Sonntag, 06.03.2011, 10 Uhr, Pfarrkirche Lachen, gerne mit Verkleidung – aber ohne Masken!

Weite

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

02.03.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/SibU2S