Remo Wüst will die Tradition des Zopfkranz-Schenkens wieder beleben. Bild Bianca Anderegg
Remo Wüst will die Tradition des Zopfkranz-Schenkens wieder beleben. Bild Bianca Anderegg

Volkskultur

Tradition des Zopfkranz-Schenkens beleben

In der March beschenken Götti und Gotti ihre Patenkinder nach der Fasnacht traditionell mit einem Kranz aus Zopfteig, dem sogenannten Götti- oder Eierkranz. Remo Wüst will diesen Brauch wieder populärer machen – auch überregional.

Mit Remo Wüst sprach Bianca Anderegg

Was hat es mit dem Brauch des Göttikranzes auf sich?

Dieser alten Märchler Tradition zufolge schenken Götti oder Gotti dem Patenkind am ersten Samstag nach der Fasnacht einen Kranz aus Zopfteig, den Göttikranz. Dazu gab es am Anfang noch 50 Rappen bis 1 Franken, später meist einen Fünfliber. Der Anlass war auch gleich eine Gelegenheit, das Göttikind wieder einmal zu besuchen.

Ursprünglich gab es den Göttikranz allerdings am Sonntag nach der Fasnacht, am sogenannten Chüechlisunntig. Dadurch, dass nicht mehr alle Bäckereien am Sonntag offen haben, hat sich der Samstag mehr und mehr etabliert.

Wir verkaufen die Göttikränze noch an beiden Tagen, meistens bestellen ihn die Leute aber auf den Samstag.

Und diesen Brauch möchten Sie nun neu beleben?

Ja, denn je mehr Leute in diese Region ziehen, desto weniger wird der Brauch weitergegeben und desto weniger Leute wissen Bescheid darüber. Und deshalb ist es eben wichtig, dass man wieder von einer solchen Tradition erzählt.

Was tun Sie konkret, um den Brauch des Göttikranzes wieder aufleben zu lassen?

In den letzten Jahren haben wir jeweils Handzettel in den Läden verteilt und so Werbung gemacht. Ich bin extra auch in die Kantonsbibliothek gegangen, um die Bräuche des Kantons Schwyz, speziell auch diejenigen der March, etwas zu erforschen. In einem Buch war zum Beispiel auch noch von einem Tuggner Ring die Rede. Überhaupt werden Bräuche beschrieben, die heute bereits verloren gegangen sind.

Wie reagieren die Leute auf ihre Werbung?

Ich glaube, die Schwierigkeit beim Göttikranz ist, dass man nicht daran denkt. Es ist ja nicht wie beim 14. Februar, an dem man weiss, ‹oha, heute muss ich zum Gärtner oder zum Bäcker›. Denn den Göttikranz gibt es ja nicht an einem festen Datum. So sind viele Leute froh, dass wir sie daran erinnern. Die Gefahr, dass dieser Brauch in Vergessenheit gerät, ist allein schon deshalb gross, weil die Tradition an der «Ushelsete», also an dem Tag, ab dem der Pate sein Göttikind nicht mehr beschenkt, endet. Und dann wird man älter, vergisst sie vielleicht und denkt erst irgendwann im Alter wieder daran – ausser der Bäcker macht darauf aufmerksam (lacht).

Wie viele Göttikränze verkaufen Sie heute durchschnittlich im Jahr?

Es dürften über 1000 sein.

Gibt es eine Filiale, in der sie besonders gut laufen?

In Galgenen verkaufen wir mit Abstand am meisten Göttikränze. Das ist auch eine Art Hochburg.

Die Bäckerei Wüst hat unter anderem auch Filialen in den Höfen. Verkaufen Sie auch dort Göttikränze?

Der Brauch wird ja hauptsächlich noch in Wangen, Schübelbach und eben Galgenen gelebt. Nun haben wir es aber auch in den Höfen mit dem Göttikranz probiert und können eigentlich jedes Jahr einen Zuwachs verzeichnen. Sogar in Zürich haben wir angefangen, den Brauch zu bewerben. Und auch dort bestellt ab und zu jemand einen Kranz, vielleicht sogar einmal ein ausgewanderter Märchler. Es sind zwar nicht Tausende, doch es gibt durchaus solche, die das gut finden und mitmachen.

In den Höfen hat es den Brauch ursprünglich gar nicht gegeben. Führt der Versuch, ihn dort zu verbreiten, nicht an der Tradition vorbei?

Was ist denn eine Tradition? Zur Tradition wird etwas dann, wenn man es immer wieder macht. Und wieso sollten die Höfner nicht auch mit dieser schönen Tradition in Kontakt kommen? Der Brauch wurde ja, so glaube ich, in Siebnen zum ersten Mal erwähnt und ein bisschen später ist er auch nach Lachen gekommen. Also gehe ich davon aus, dass andere vielleicht auch Freude daran haben.

March-Anzeiger und Höfner Volksblatt

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

17.02.2012

Webcode

schwyzkultur.ch/ZBm4DF