Gastgeber René Schönbächler (links) von der Milchmanufaktur und Bezirksammann Franz Pirker, welche auch als Protagonisten in den Kurzfilmen «Käse und Musik – hier und dort» vorkommen, rahmen die Filmemacherin und Video-Produzentin Claudia Steiner (zweite von rechts) und die Initiantin des Projekts «Einsiedeln anderswo», Susann Bosshard-Kälin, ein. Bild Marlies Mathis
Gastgeber René Schönbächler (links) von der Milchmanufaktur und Bezirksammann Franz Pirker, welche auch als Protagonisten in den Kurzfilmen «Käse und Musik – hier und dort» vorkommen, rahmen die Filmemacherin und Video-Produzentin Claudia Steiner (zweite von rechts) und die Initiantin des Projekts «Einsiedeln anderswo», Susann Bosshard-Kälin, ein. Bild Marlies Mathis

Film

Literatur

«Lebende Wurzeln faszinieren mich»

Kurzfilme bekräftigen eindrücklich: Louisville gehört zu Einsiedeln und umgekehrt. Mit einem letzten Film oder präziser gesagt einer 13-teiligen, zweisprachigen, abwechslungsreichen und informativen, ja teilweise gar berührenden Video-Serie mit dem Titel «Käse und Musik – hier und dort» wird dem Projekt «Einsiedeln anderswo» ein weiteres Puzzleteil zugefügt.

Ganz schlicht in Schwarz-Weiss, mit dem Logo des Projekts, wird jede der 13 kurzen Filmsequenzen zum Thema «Einsiedeln anderswo » wiedererkennungsmässig gestartet. Rund 40 geladene Gäste liessen sich am vergangenen Mittwochabend in der Milchmanufaktur Einsiedeln die knapp 70 Minuten dauernden, bewegten und bewegenden Bilder und Worte der Schwyzer Filmemacherin Claudia Steiner nicht entgehen. Auch der Vorführungsort dieser Premiere kam nicht von ungefähr, wird doch in einem der Videos im Zusammenhang mit dem amerikanischen Käsemeister und Einsiedler Käse importierenden Dan Oechslin ebenso die Milchmanufaktur mit ihrer Käseproduktion vorgestellt. Und deren Geschäftsführer René Schönbächler verkündet da ganz überzeugt: «Wir Schweizer haben den besten Käse der Welt!» Was wohl dank des Absatzes in Übersee von den amerikanischen Käseliebhabern indirekt bestätigt wird.

«Zu Ehrler’s auf ein Eis»


Doch auch das in Louisville wiederauferstandene Restaurant «Kaelin’s» mit seinem einnehmenden Wirt und den witzigen Episoden dazu oder die ebenfalls wieder neu eröffnete Eisdiele «Ehrler’s», die viele Einheimische in Kindheitserinnerungen schwelgen lässt, lassen die Verbindungen der Porträtierten zu Einsiedeln aufleben. Andere Nachkommen von ausgewanderten Einsiedlern, die ebenfalls alle in Louisville zu Hause sind, erzählen anhand von Fotoalben, Schriften, Stammbäumen und mündlich weitergegebenen Geschichten von den Wurzeln ihrer Vorfahren. Wieder andere sind auf der Suche nach Spuren ihrer Ahnen gar an den Ursprungsort in die Schweiz zurückgekehrt, was teilweise zu emotionalen, aber auch wunderschönen Szenen mit noch nie gesehenen oder gar unbekannten Verwandten führt, immer sehr feinfühlig von der Video-Produzentin Claudia Steiner begleitet. Sehr viel Raum wird auch den Gedanken, Gefühlen, Sehnsüchten, Wünschen oder Hoffnungen der porträtierten Birchlers, Kaelins, Oechslins, Schoenbaechlers, Zehnders, … gegeben, und auch der Wille vieler, sich, ausgelöst durch diese Begegnung mit der alten Heimat, ganz konkret mit der Forschung ihrer Familien-Vergangenheit auseinanderzusetzen, wird filmisch festgehalten. Zu sehen sind aber auch immer wieder Personen der Delegation aus unserem Klosterdorf, welche über den 1. August 2018 auf Einladung der «Einsiedler Community» in Louisville weilten, allen voran Bezirksammann Franz Pirker, der die Ansprache am Nationalfeiertag halten durfte, nebst seinem treuen Weibel Bruno Kälin in seiner auffälligen, leuchtend roten Amtstracht. Wohl müssig zu erwähnen, dass die beiden ein beliebtes Fotosujet bildeten und sich die meisten Besucher des Festes mit ihnen ablichten lassen wollten.

Brücken zur alten Heimat schaffen


Auf dieser Zeitreise zwischen den beiden Kontinenten, was im Film auch im stetigen Wechsel der Sprachen und der Untertitelung in Englisch und Deutsch unterstrichen wird, mit dabei war selbstverständlich auch die Initiantin des Projekts «Einsiedeln anderswo», die Eggerin Susann Bosshard-Kälin. Sie brachte ihre Beweggründe, sich seit knapp fünf Jahren so intensiv mit diesem Projekt zu beschäftigen, mit folgendem Satz auf den Punkt: «Lebendige Wurzeln faszinieren mich.» Mit dieser Produktion von Filmemacherin Claudia Steiner, auf welche die zwei «gleichtickenden» und leidenschaftlichen Frauen stolz sein dürfen, sind die beiden ihrem Ziel, den Nachfahren der einst ausgewanderten Einsiedler eine digitale und eine analoge Brücke zwischen der alten und der neuen Heimat zu schaffen, einen weiteren Schritt näher gekommen. So bieten sie den Interessierten zahlreiche Kanäle – vom gedruckten Buch «Einsiedeln anderswo» über soziale Medien wie beispielsweise Facebook, bis hin zu einem eigenen, dank des Webmasters Ruedi Steck sehr ansprechenden Online-Auftritt –, um sich anregen zu lassen, sich aktiv mit ihrer ursprünglichen Herkunft auseinanderzusetzen und in Kontakt mit Verwandten zu treten. Auf dieser Website (www.einsiedeln-anderswo. ch) werden die 13 Kurzfilme von Claudia Steiner übrigens ab Mitte Dezember aufgeschaltet. Vor dem abschliessenden Käseapéro verdankte der Einsiedler Bezirksammann Franz Pirker mit treffenden und sehr sympathischen, ja berührenden Worten, die einerseits von seinen Reiseerinnerungen des vergangenen Jahres, andererseits aber gewiss auch von eigenen Erfahrungen geprägt waren, die grosse und spezielle Arbeit der beiden Frauen. Ihre unglaubliche Initiative, ihr Wille, ihre Überzeugung und ihr Engagement würden einen geradezu mitreissen, und für ihn persönlich seien die spannenden Begegnungen und Erlebnisse in Louisville sehr wertvoll.

Einsiedler Anzeiger / Marlies Mathis

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Film
  • Literatur

Publiziert am

26.11.2019

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schwyzkultur.ch/h82sid