Kunst & Design
Hospenthal verwandelt Goldauer Unterführung
Graffitikunst geniesst oft einen zwiespältigen Ruf. Doch wenn aus Spraydosen keine Schmierereien, sondern fotorealistische Kunstwerke entstehen, verwandelt sich die Skepsis in Staunen.
Ein gutes Beispiel dafür ist die SBB-Unterführung an der Goldauer Parkstrasse. Vorher grau, ist die Wand auf der Rossbergseite in helles Blau verwandelt worden. Die Wand wird ebenfalls Grundlage für ein fotorealistisches Kunstwerk. Auf der südlichen Unterführungsseite sieht man bereits, was hier entsteht: ein fotorealistisches Meisterwerk des Goldauer Graffiti-Künstlers Ralph Hospenthal. Aktuell verschönert er im Auftrag der Gemeinde Arth die SBB-Unterführung an der Parkstrasse – trotz frostiger Temperaturen. Wer durch Goldau oder den inneren Kantonsteil spaziert, begegnet seiner Kunst fast auf Schritt und Tritt. Ob der «gezähmte Wolf» am Parkplatz des Sportclubs, die Erinnerung an den legendären Bob-Run im «Horseshoe» in Oberarth, der «Kreislauf der Natur», ein Wandbild bei der Agro Energie AG in Ibach, die neu gestaltete Fassade des Bergsturzmuseums Goldau oder die «Nagelfluh» der SBB-Personenunterführung am Bahnhof Arth-Goldau: Ralph Hospenthal hat das Ortsbild dieser Orte massgeblich mitgeprägt. Die Hauptmotive für Graffiti-Künstler sind in der Regel die Suche nach Fame (Ruhm), der Thrill (Nervenkitzel) des illegalen Aktes und die Manifestation der eigenen Identität, wie in einschlägigen Lexika nachgelesen werden kann. Während viele in der Sprayerszene also den illegalen Nervenkitzel oder den schnellen Ruhm suchen, hat Hospenthal diesen «Kick» nicht nötig. Er hat den Sprung vom Hobby zur professionellen Auftragsarbeit geschafft. Sein aktuelles Projekt führt ihn nun an die Parkstrasse.
Die Rigi und die Lok 7 nehmen Form an
Trotz Temperaturen leicht unter dem Gefrierpunkt, die das Sprayen derzeit zu einer Herausforderung machen, ist der Fortschritt an der Wand der SBBUnterführung an der Parkstrasse Goldau unübersehbar. Das Panorama der Rigi erstreckt sich über elf Meter lang bereits über den Beton, und auf der südlichen Seite glänzt ein besonderes Detail: die legendäre Lok 7 der Rigi Bahnen. Sie ist zwar ein Motiv, das eher der Vitznauer Seite der Rigi zugeordnet werden könnte, trotzdem darf man sich auch auf der Arther Seite an der ältesten Dampflok erfreuen. Spannend ist zudem, wie Hospenthal die natürlichen Nagelfluh-Steinbrocken in sein gesprühtes Bild integriert und fortsetzt. Auffällig sind derzeit noch diverse geometrische Figuren, die über das Bild verteilt sind. Diese dienen jedoch nicht der Dekoration, sondern der Präzision. «Die brauche ich als Anhaltspunkte, um mein Bild von der Schablone punktgenau auf die Wand zu projizieren», erklärt Hospenthal.
Kunst als Aufwertung des öffentlichen Raums
Für den freischaffenden Künstler ist Graffiti weit mehr als nur Farbe auf Beton. Es geht um Atmosphäre und Identität. «Individuelle Bilder erzählen Geschichten oder erklären die Herkunft eines Produkts.» Sein Ziel ist es, Orte zu schaffen, an denen Menschen «stehen bleiben und staunen». Ein Wandbild, so Hospenthal, bringe Wärme und eine kreative Atmosphäre in den Alltag. Dass die Gemeinde Arth ihn für die Gestaltung der Unterführung engagiert hat, zeigt, dass man den Wert legaler und hochwertiger Fassadengestaltung erkannt hat. Wo früher graue Tristesse herrschte, entsteht nun ein Stück Heimatgeschichte aus der Sprühdose. Sobald die Temperaturen wieder steigen, wird Ralph Hospenthal die letzten Details vollenden. Dann wird die Parkstrasse um einen Blickfang reicher sein.
Bote der Urschweiz / Erhard Gick
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Bote der Urschweiz
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