Bühne
«Liecht i dr Butig» – Theater an der Dreikönigsmatinee
Mit einer Theater-Collage unter dem Titel «Liecht i dr Butig» führte die Theatergruppe Chärnehus an der Dreikönigsmatinee durch die faszinierende Welt alter Handwerksberufe und benutzte die Ausstellung als Bühne.
Der zentrale Ausstellungssaal des Chärnehus mit seiner Galerie hatte sich am Dienstag in einen Theatersaal mit Logenplätzen verwandelt. Die Bühne des unspektakulären Spektakels bildete die Ausstellung «I dr Butig» mit ihren kleinen nachgebildeten Handwerksbuden. Auf sie nahm die Sprecherstimme (Zeno Schneider) im Einleitungstext Bezug, der die Erinnerungen an einen Abend vor langer Zeit erzählte, als man sich abends, wenn noch Licht brannte, in der «Butig» traf. Die Arbeit in der Werkstatt bildete damals für viele Familien den sozialen Mittelpunkt ihrer kleinen Welt. Dies wurde unterstrichen durch eine Strick-Gruppe, die kontemplativ schweigend im Rampenlicht neben den Buden der Schneider und Weissnäherinnen sass.
Berufs- und Standesordnung
Mit der satirischen Bemerkung, dass das Handwerk seit der Vertreibung aus dem Paradies die Basis der Menschheit bilde, wurde ein Bogen von den Ursprüngen des Handwerks in die Gegenwart geschlagen. Hier angekommen, wurde nüchtern konstatiert, dass digitale Technologien zwar das Handwerk niemals ganz ersetzen, aber vieles an Tradition vergessen machen würden.
Kupferstiche aus dem Regensburger Ständebuch von 1698 zeigten die traditionellen Berufsbilder und ihre Sinnsprüche – der Uhrmacher: «Seyd bereit, weil es Zeit»; «Beym neuen Kleid, steht Stolz und Neid»; der Koch: «Die Ehre sättigt nicht, sie speist nur das Gesicht ». Wie der Name «Ständebuch» sagt, bezeichneten die Handwerksberufe auch einen gesellschaftlichen Stand in einer gottgewollten Ordnung – bete und arbeite! Dazu gehörten die festen Zunftsregeln und Gesetze, die mit der Verlesung eines Statuts über die Bäckerausbildung belegt wurden.
Auch Gerichtsakten zum Handwerksthema wurden beigezogen. So ging es in einem Fall um die Klage eines Schneiderkunden, dem seine Hosen mal zu gross und mal zu klein sind und der beim Schneidermeister eine Nachbesserung einforderte. Schliesslich fand das Gericht, die beiden Streitparteien sollten sich doch wieder vertragen und miteinander ein Glas Wein trinken, was für Gelächter im Publikum sorgte.
Lehrstelle als «Coiffeur und Chirurg»
Als Einsprengsel lockerten Musikstücke des «Risikogrüppchen» auf der Galerie sowie witzige und interessante Stellenanzeigen aus dem «Einsiedler Anzeiger» von 1881 das Programm auf. In einer Anzeige wurde zum Beispiel eine offene Lehrlingsstelle als «Coiffeur und Chirurg» zu einem niedrigen Lehrgeld angeboten.
Handwerks-Witze und Anekdoten wurden zum Besten gegeben, darunter jene von Uhrmacher Zachi Kälin, der sich in der Nachkriegszeit als einziger getraute, die noch unbekannten Traveller-Checks amerikanischer Studenten anzunehmen und somit ein Riesengeschäft machte. Beim Lied «Schuehmächerli, Schuehmächerli, was choschtet mini Schueh?» schloss sich das ganze Publikum den Musikanten Zeno Schneider, Stephan Gassner, Ursula Staub-Arnold und Markus Staub an.
Mit dieser Collage (Konzept und Regie: Zeno Schneider) konnte ein Teil des Wissens, das bei der Vorbereitung der Ausstellung zutage gefördert wurde, auf gelungene Weise in das Projekt eingebaut werden. Moritz Kälin, Helga Kuriger, Marann Schneider, Anita Albertini, Peppi Albertini und Rita Noser brachten sich, wenn auch mit wenigen Worten, so aber mit viel Herzblut ein.
Einsiedler Anzeiger / Eugen von Arb
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Einsiedler Anzeiger
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