Else Bohla (Angela Winkler, Zweite von rechts) mit ihren Töchtern Ina Winter (Nicolette Krebitz, links), Lotte Bohla (Nadja Uhl, zweite von links) und Margot Spindler (Barbara Auer). Bild: ZDF
Else Bohla (Angela Winkler, Zweite von rechts) mit ihren Töchtern Ina Winter (Nicolette Krebitz, links), Lotte Bohla (Nadja Uhl, zweite von links) und Margot Spindler (Barbara Auer). Bild: ZDF
«Ostberlin haben wir in Prag aufleben lassen.» Michael Krummenacher, Regisseur
«Ostberlin haben wir in Prag aufleben lassen.» Michael Krummenacher, Regisseur

Film

Michael Krummenacher führt in Ost-West-Drama Regie

Der ZDF-Dreiteiler über das Ende der DDR wird ab dem 4. November im Fernsehen gezeigt.

Der Schwyzer Regisseur Michael Krummenacher führte beim historischen ZDF-Dreiteiler «Preis der Freiheit » Regie. Der 34-Jährige war noch ein Kind, als vor 30 Jahren am 9. November 1989 die Berliner Mauer fiel. Nun konnte er als Schweizer Regisseur in Deutschland einen Dreiteiler zu diesem Thema verfilmen. Es ist sein erster historischer Film. Inhaltlich geht es im Ost-West-Drama um drei Schwestern in den Umbruchjahren zwischen 1987 und März 1990. Margot (Barbara Auer) beschafft in der Ostberliner Behörde KoKo Devisen für die wirtschaftlich angeschlagene DDR. Lotte (Nadja Uhl), alleinerziehende Mutter, beginnt das System zu hinterfragen und engagiert sich in der Umweltbewegung. Die jüngste Schwester Silvia (Nicolette Krebitz) gilt als tot, lebt aber mit neuer Identität im Westen und hat ihre Kinder in der DDR zurücklassen müssen. Wiedervereinigung prägt das Land noch immer Hat sich Krummenacher, der beim Mauerfall noch klein war, mit der Wende beschäftigt? «Bevor ich nach Deutschland gezogen bin, war das nie ein Thema für mich. Kaum lebte ich aber in Deutschland, wurde mir zunehmend bewusst, wie sehr die sogenannte Wiedervereinigung immer noch das Land prägt beziehungsweise vielmehr der unsichtbare Riss, der immer noch zwischen Ost und West verläuft.» Krummenacher, der nun schon über zehn Jahre in Deutschland lebt, verweist auf die politische Lage. Der Riss widerspiegele sich auch jetzt in Wahlerlebnissen: «Auffallend viele Leute aus der ehemaligen DDR fühlen sich abgehängt und suchen die Lösung darin, ‹gegen Merkel› zu sein und rechts zu wählen.» Die Serie versuche, dies zu ergründen. Sie schlägt somit den Bogen in die Gegenwart. «Die Wiedervereinigung war mehr eine feindliche Übernahme des Westens, wirtschaftlich und politisch, als eine freundliche Befreiung. Die Konsequenzen, die viele Leute jetzt an der Wahlurne ziehen, sind aber trotzdem definitiv die falschen », stellt der Regisseur klar. Die Dreharbeiten zum Dreiteiler fanden in Prag statt. Michael Krummenacher zog im Mai des letzten Jahres nach Tschechien, und Mitte März dieses Jahres kam er nach Deutschland zurück. «Ostberlin haben wir fast ausschliesslich in Prag wiederauferleben lassen, da im tatsächlichen Berlin mittlerweile viel zu viel gebaut, saniert und abgerissen wurde.» Für wichtige Originalmotive hat das Team dann noch zwei Wochen in Berlin gedreht. Michael Krummenacher bezeichnet die Dreharbeiten als eine wirkliche Marathonleistung für alle Beteiligten: «Dank eines grossartigen Teams und eines fantastischen Casts war es aber eine sehr beglückende Zeit.» Krummenacher, federführend im Episodenfilm «Heimatland», hat zuvor schon zusammen mit Stefan Ruzowitzky für Sky die Serie «Acht Tage» realisiert und somit Erfahrungen gesammelt. In «Preis der Freiheit» habe er aber das erste Mal die ganze Strecke alleine laufen müssen. «Möglichst gute Vorbereitung und ein Einteilen der Kräfte ist dabei sicherlich wichtiger als bei einem einzelnen Spielfilm », erklärt er. Abgesehen davon sei es schön, zu sehen, wie sehr sich Fernsehen gerade verändert – durch die Streaming-Kanäle wie Netflix und Sky sei der Anspruch stark gestiegen, und das schlage sich nun glücklicherweise auch im Mut der Sender wieder: «Frischere, jüngere Herangehensweisen werden stärker gewünscht, und dadurch entstehen zunehmend interessantere Sachen als noch vor wenigen Jahren», erklärt Krummenacher, der mit seinem Team die erste Episode kürzlich am Filmfestival in Zürich präsentieren durfte. Die Serie «Preis der Freiheit» wird auf dem ZDF am Montag, 4., Dienstag, 5., und Mittwoch, 6. November, jeweils um 20.15 Uhr gezeigt.


Bote der Urschweiz / Silvia Camenzind

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Film

Publiziert am

09.10.2019

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schwyzkultur.ch/FSd4D6