Tonja und Jan finden im Umgang mit dem Unaussprechlichen eine gemeinsame Sprache. Bilder: SRF
Tonja und Jan finden im Umgang mit dem Unaussprechlichen eine gemeinsame Sprache. Bilder: SRF
Dorfsheriff Gwerder macht seinem Neffen das Leben zur Hölle.
Dorfsheriff Gwerder macht seinem Neffen das Leben zur Hölle.
Die Stammtischrunde blickt skeptisch auf den Fremden.
Die Stammtischrunde blickt skeptisch auf den Fremden.
Tonja und Judith, zwei unterschiedliche Schwestern.
Tonja und Judith, zwei unterschiedliche Schwestern.

Film

Moschtis Sohn und der Sheriff

Am Mittwochabend zeigte SRF2 denSchweizer Film «DieEinzigen». Er handelt von Familienbanden, von Trauerbewältigung, von Gerüchtenund vom Leben im Kleinräumigen.

Als der Dorfpolizist betrunken als letzter die Dorfbeiz verlässt und vor der Wirtin einen Balztanz vorführt, worauf sie leicht den Kopf schüttelt, da zuckt der Abgewiesene mit den Schultern, läuft davon und sagt: «Morn isch au wieder hüt und übermorn au.» Es ist ein typischer Martina Clavadetscher-Satz. Die Brunnerin ist Autorin von «Die Einzigen». Der Film hat übrigens nichts zu tun mit «Dr Einzig», dem ersten Schwarzen, der in Muotathal aufwuchs, und er ist auch kein Porträt, sondern ein abendfüllender Schweizer Spielfilm, ein Drama, durchaus unterhaltsam, mit Witz und Humor. In manchen Dialogen blitzt Martina Clavadetscher auf, in manchen Szenen meint man, sie anhand der Situationskomik zu erkennen, ansonsten hat die Regisseurin Maria Sigrist einen typischen Schweizer Film realisiert.


Westernambiente und durchwegs schöne Bilder


Würde man wegzappen, wenn der Film nicht im Muotatal spielen würde und man als Zuschauer nicht Orte, Statisten und Eigenheiten wiedererkennt? Vielleicht. Auf jeden Fall zieht die für den Inhalt perfekte Kulisse in den Film hinein. Eines vorweg: Es ist gelungen, einen Film zu realisieren, der nicht gängige Klischees zementiert. Den Film durchzieht zudem ein wunderbares Westernambiente mit Holzhäusern, warmen Stuben, Bergen, Wiesen, Countrymusik und Karohemden. Jan (Johannes Franke), der deutsche Sohn des auf einer Skitour umgekommenen «Moschti», ist der einsame Cowboy in diesem Film. Tonja (Annina Walt), die jüngere von zwei Schwestern, spricht nach dem Tod ihrer Mutter, die zusammen mit «Moschti» in einer Lawine umkam, nicht mehr. Sie betritt durch eine Schwingtüre das Bastards Place. Der Dorfpolizist, Jans Onkel, ist der Sheriff im Dorf und trägt Cowboyhut. Dieser bewusste Countrystil ist beste Werbung für Muotathal. Richtig heimelig wird es bei der Szene am Dorffest, wo man an Festbänken eng zusammensitzt und gemeinsam singt. Das ist Muotathal, wie man es noch erleben kann. Was vermutlich für die Statisten ein Kraftakt war, wirkt im Film leicht. Um die einheimischen Statisten zu sehen, musste man sich auf das Geschehen im Hintergrund konzentrieren, denn man erblickte sie nur am Rande. Inhaltlich geht es um Familienbande, um Trauerbewältigung und um den Alltag im Kleinräumigen. Insgesamt ist man gut unterhalten, auch wenn das Happy End dann doch etwas schnell kommt. Am Mittwochabend erzielte der Film einen Marktanteil von 8,3 Prozent.«Top Secret»auf SRF1 sahen sich zur gleichen Zeit 14,2 Prozent der Zuschauer an.


Bote der Urschweiz / Silvia Camenzind

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Film

Publiziert am

15.12.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/2AyKQD