Bernhard Betschart hat sich ganz dem Thema Naturjuuz verschrieben. Bild: PD
Bernhard Betschart hat sich ganz dem Thema Naturjuuz verschrieben. Bild: PD

Musik

Jetzt kann das Juuzen ab CD geübt werden

Naturjuuzer Bernhard Betschart hat zwei Lern-CDs mit traditionellen Jüüzli aufgenommen.

Eigentlich ist es eine wissenschaftliche Arbeit, die Bernhard Betschart hier abliefert. Er hat Naturjuuze aufgenommen, alle Stimmen wurden von ihm persönlich, einzeln abspielbar, eingesungen. So entstanden zwei Lern-CDs mit zum Teil einfacheren, gehörfälligen sowie auch sehr anspruchsvollen «schrägen» Naturjüüzli. Bernhard Betschart ist auf einem stotzigen Bergheimetli aufgewachsen. Schon als kleiner Bub hatte er die Naturjüüzli im Blut, sie gehörten zum Bauernleben auf der Zinglen, oberhalb von Muotathal. Sein Vater lebte das kernige, urchige Muotathaler Juuzen, seine Mutter ist in Illgau in einer Verwandtschaft bekannter Jodlerinnen aufgewachsen.

«Ich habe mir stundenlang Tonbandaufnahmen angehört»


Irgendwann hat die Rockmusik den Naturjuuz im Leben von Bernhard Betschart etwas auf die Seite geschoben. Doch als Teenager hatte er plötzlich ein Aha-Erlebnis. Als er einen Film des Musikethnologen Hugo Zemp sah, seien ihm drei juuzende Männer aufgefallen, z Fluähöflers. «Das war es, das wollte ich auch können», sagt Bernhard Betschart. Diese urtümliche Art von Naturjodel hatte etwas geweckt in dem jungen Musiker. «Ich habe begonnen, mich intensiv mit alten Jüüzli auseinanderzusetzen, und habe stundenlang Tonbandaufnahmen angehört. Das tat echt niemand in meinem Alter», lächelt er. Er sei eingetaucht in eine Welt aus schrägen Tönen. «Ich habe alles regelrecht aufgesogen», so Bernhard Betschart. Er machte sich auf die Suche nach den unterschiedlichsten noch vorhandenen Tondokumenten. In Daniel Schmidig fand er einen Freund, der sich ebenfalls dem Naturjuuz verschrieben hatte. «Wir haben viel im Ausgang oder Militär miteinander gejuuzt», sagt Betschart. Gemeinsam haben sie später Natur pur gegründet, eine Naturjuuzer- Gruppe, welche die archaische Art des Juuzens pflegt. Nachdem Nadja Räss sie einmal für ein Symposium geholt hatte, fing der Stein zu rollen an. Bernhard Betschart lebt heute von der Musik. Neben seinem Engagement unter anderem bei «Heimweh» ist er vor allem mit Naturjuuz-Workshops beschäftigt – hauptsächlich in urbanen Gegenden. Er gibt Workshops in Berlin, in Wien, in München, Bern und Zürich. Sogar Hirnverletzte erfreuen sich an seinen Jodelkursen. «Die Städter haben Sehnsucht nach urtümlichen Klängen», sagt Bernhard Betschart. Der Naturjuuz komme aus dem Herzen heraus. Man braucht keine Noten, alles läuft übers Gehör. «Juuzen ist sehr befreiend », bringt es Betschart auf den Punkt. Bei seinen Workshops sei er immer wieder darauf angesprochen worden, wo man in diese Jüüzli reinhören und davon lernen könne. So sei er eines Tages – bei einem Spaziergang auf der Rigi – auf die Idee gekommen, eine Lern-CD zu produzieren. «Das Projekt hat dann immer grössere Dimensionen angenommen», meint er. Aus einer CD wurden plötzlich zwei. Im Cornhouse-Studio bei Marcel Elmer hat er stundenlang Jüüzli in den verschiedenen Stimmlagen aufgenommen.

Anfänger können mit CD Nummer 1 starten


Die Lern-CDs enthalten 20 traditionell überlieferte Jüüzli, zwei archaische Chuäreihäli und charakteristische Juuz-Techniken. Beide CDs beinhalten die im Thal bekannte Dreistimmigkeit: 1., 2. und 3. Stimme (Bass, welcher beliebig oktaviert werden kann). Die jeweiligen Einzelstimmen ermöglichen das einfache Erlernen der Gesangstradition, die seit Generationen via Gehör und ohne Noten weitergegeben wird. Zu den besonderen Eigenheiten gehören unter anderem die dynamische Stimmgebung, das «Steigen» des Grundtons während dem Juuzen oder die untemperierte Stimmung. Diese sorgfältig ausgewählten Jüüzli sind jeweils eine Variante von vielen möglichen Versionen, ganz ohne Anspruch auf Vollständigkeit. «Die erste CD ist gut für Anfänger geeignet, die zweite CD ist zum Teil recht anspruchsvoll, da bin ich selber an meine stimmlichen Grenzen gekommen», lacht der Musiker. Er habe sich die Messlatte hoch gesetzt, er sei einige Male wieder vom Studio nach Hause gegangen, weil die Stimme an diesem Tag grad nicht gepasst habe. «Auf so einer Lern-CD hört man die Stimme füdliblutt», sagt er. Beide Lern-CDs kommen mit einem ausführlichen Beschrieb zum Naturjuuz daher.

Bote der Urschweiz / Nicole Auf der Maur

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

04.12.2019

Webcode

schwyzkultur.ch/UqfpXe