In der freien Natur: Daniel Schmidig (links) und Bernhard Betschart juuzen für ihre Gäste aus dem Kongo.
In der freien Natur: Daniel Schmidig (links) und Bernhard Betschart juuzen für ihre Gäste aus dem Kongo.
Die Frauen der Gastgruppe: Koule (links) und Motambo singen, was durchaus dem Juuz der Gastgeber ähnelt. Bilder Silvia Camenzind
Die Frauen der Gastgruppe: Koule (links) und Motambo singen, was durchaus dem Juuz der Gastgeber ähnelt. Bilder Silvia Camenzind

Musik

Ein Stelldichein von Juuzern

Afrikanische Juuzer machten gestern einen Abstecher ins Muotatal, um dort Juuzer zu treffen, mit denen sie in der Woche zuvor aufgetreten waren.

Kennengelernt hatten sie sich an Auffahrt: Da traten drei Naturjuuzer der Muotathaler Gruppe «Natur pur» gemeinsam mit den Aka-Pygmäen aus dem Kongo und dem Jodelclub Säntisgruess in der mit 600 Personen voll besetzten Kirche von Alt St. Johann auf. Der Auftritt im Rahmen des Festivals Klangwelt war für alle ein Erfolg. Dazu kam das Gesellige: «Wir hatten es nach dem Konzert dienig», sagt Bernhard Betschart, einer der Naturjuuzer. Die Aka-Pygmäen genossen es, gemeinsam mit vielen anderen Juuzern und Jodlern zusammenzusitzen, essen und trinken zu können, etwas, was im Kongo im Spannungsfeld der Ethnien für sie unmöglich sei. Bald schon wurden mit den Muotathalern CDs getauscht.

Mit Gesang und Juuz aufgewachsen

Nach Konzerten imTessin kehrten die Aka-Pygmäen gestern insToggenburg zurück. Zuvor aber machten sie in ihrem Kleinbus einen Abstecher ins Muotatal. Freudig begrüssten die Besucher aus dem Kongo Daniel Schmidig und Bernhard Betschart, zwei der drei Juuzer, die sie im Toggenburg kennengelernt hatten. Zuerst wurde die Gruppe zum Bänkli auf Bürglen, einem Aussichtspunkt über dem Dorf, chauffiert. Dort juuzten die Einheimischen und die Gäste, und wenn auch jeder Gesang seine Eigenart hat, so gibt es doch Parallelen: Die Aka-Pygmäen wie auch die Muotathaler Juuzer nehmen als Kinder die Gesänge ihrer Eltern auf und geben sie weiter. Das bestätigt auch Bernhard Betschart: «Wir sind mit dem Naturjuuz aufgewachsen.»

Beim Melken zusehen

Eine Verständigung mit den Aka-Pygmäen war nur über ihren Dolmetscher in Französisch möglich. Dieser meinte, grün sei es bei ihnen auch. Und der Muotathaler Wald sei geradezu bescheiden. Doch am meisten interessierten die Kühe. Die Gruppe wollte sehen, wie die Milch aus der Kuh kommt. Nichts Leichteres als das, denn Naturjuuzer Daniel Schmidig ist Bauer. So lud er alle in seinen Stall ein. Weil es fürs Melken noch zu früh war, ging es in ein Restaurant, um zu essen, zu lachen und vielleicht auch zu juuzen. Nach einer Woche Europa werden die Aka-Pygmäen nach Hause zurückkehren, auf ihren Kontinent, den sie zuvor noch nie verlassen hatten. Die Muotathaler sind auf einen Gegenbesuch eingeladen.

Ursprünglicher Naturjuuz

Der Gruppe «Natur pur» liegt es am Herzen, dass der Naturjuuz in seiner ursprünglichen, überlieferten Form noch lange erhalten bleibt. Initiant Bernhard Betschart ist in einer Familie aufgewachsen, in der traditionelle Werte gelebt und gepflegt wurden. So spielte auch der Naturjuuz in seiner Kindheit eine grosse Rolle. Oft wurde imAlltag gemeinsam gejodelt und gesungen. Inzwischen besteht «Natur pur» aus sechs Muotathalern, die das Ziel haben, die traditionellen Naturjüüzli zu pflegen. Dabei geht es jedoch nicht primär um öffentliche Auftritte. Wichtiger ist, im Kollegenkreis oder in der Natur zu singen.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

22.05.2012

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schwyzkultur.ch/xG7MNu