Markus Glur arbeitet in seinem Tonstudio bei sich zu Hause an der Klostermühlestrasse in Einsiedeln. Dort hat er auch den neuen Song von Freschta Akbarzada («Nachts um 3») eingespielt und produziert. Coronavirus-bedingt macht er überdies derzeit Homeoffice in seiner beruflichen Tätigkeit als Software-Entwickler. Bild
Markus Glur arbeitet in seinem Tonstudio bei sich zu Hause an der Klostermühlestrasse in Einsiedeln. Dort hat er auch den neuen Song von Freschta Akbarzada («Nachts um 3») eingespielt und produziert. Coronavirus-bedingt macht er überdies derzeit Homeoffice in seiner beruflichen Tätigkeit als Software-Entwickler. Bild

Musik

«Musik ist mein ganzes Leben»

Markus Glur, Musiker aus Einsiedeln, produziert mit eigenem Tonstudio im Klosterdorf.

Das Video für den neuen Song «Nachts um 3» der Sängerin Freschta Akbarzada und produziert vom 51-jährigen Musikproduzent Markus Glur wurde in der Roblosen und im Grüene Aff in Willerzell gedreht.

Magnus Leibundgut: Was machen Sie heute Nacht um drei Uhr?

Markus Glur: Da schlafe ich hoffentlich friedlich in meinem Bett – nach vollbrachtem Werk: Kurz nach Mitternacht habe ich das Musikvideo zum Song «Nachts um 3» von Freschta Akbarzada für das Internet sichtbar geschaltet und gewisse Daten auf den Plattformen bearbeitet. Auf dass ab punkt drei Uhr die ganze Welt von der Reise der Sängerin an den wundersamen Sihlsee und seine verschneite Bergwelt erfahren möge.

Wie sind Sie dazu gekommen, den Song «Nachts um 3» von Freschta Akbarzada zu produzieren?

Kurz vor dem Lockdown im Frühling 2020 suchte ich für eine kolumbianische Produktion eine Sängerin. Ich machte eine Anfrage bei Freschta Akbarzada und erhielt unerwartet eine Zusage. Daraus hat sich eine enge Zusammenarbeit entwickelt und anschliessend haben wir dann ihren Song «Nachts um 3» produziert.

Das Video wurde in der Roblosen und im Grüne Aff gedreht: War es da nicht affenkalt?

Kalt war es in der Tat – vor allem für Freschta: Die Sängerin ist eher leicht bekleidet. Den Tipp für die Drehorte habe ich gegeben: Ich kenne naturgemäss die schönen Ecken am Sihlsee.

Freschta Akbarzada stammt aus Afghanistan. Hat sich die Sängerin am Sihlsee wohl gefühlt?

Freschta ist Schweizerin, hier geboren und auch aufgewachsen. Sie sowie die ganze Filmcrew haben sich sehr wohl gefühlt am Sihlsee. Freschtas Bezug zu Afghanistan bemerkt man denn vor allem darin, dass sie eine Affinität zu orientalischer Musik und Klängen hat.

Wie war es für Sie, als Bassist mit der norwegischen Popgruppe a-ha aufzutreten?

Ein einmaliges Ereignis, es hat mich fast umgehauen. Es war ein Auftritt in einer Fernseh-Show im Rahmen der Promo-Tour für ihr neues Album. Das Fernsehen war im Auftrag der Band auf der Suche nach Begleitmusikern für ihren Auftritt und glücklicherweise konnte ich als Bassist mit dabei sein.

Arbeiten Sie unterdessen selber lieber hinter den Kulissen?

Im Moment ja. Obwohl ich eigentlich die andere Seite – vor den Kulissen – auch sehr schätze. Schliesslich war es mein Traum immerzu, Livemusiker zu werden. Ich habe auch in diversen grösseren und kleineren Bands, natürlich auch aus Einsiedeln, gespielt.

Welche Musik gefällt Ihnen am besten?

Ich habe mich nie explizit nach Vorbildern oder Musikstilen ausgerichtet. Deswegen kann ich am ehesten Sparten nennen: Pop, Rock, Funk und vor allem auch Jazz gefallen mir. Und wenn ich so nachdenke: Genesis und Toto standen nebst vielen anderen eine Zeitlang ganz zuoberst auf meiner Lieblingsliste.

Können Sie leben von der Musik, die Sie produzieren?

Zumindest im Moment nicht (lacht). Nein, längst habe ich die Musik zu meinem Hobby gemacht und mir mit dem Aufbau meines Tonstudios einen Traum erfüllt. Das Brot verdiene ich hauptsächlich als Software-Entwickler. Zusätzlich arbeite ich, inzwischen zwar nicht mehr hauptberuflich, noch bei diversen Flugschulen als Fluglehrer.

War Musiker zu werden ein Bubentraum von Ihnen?

Musik ist mein ganzes Leben: Einerseits wollte ich immer Musiker werden, andererseits war auch der Lehrerberuf etwas, das ich immerzu anstrebte: Allerdings wollte ich nicht Primar- oder Oberstufenlehrer werden, sondern vielmehr Musiklehrer. Während über zwanzig Jahren war ich denn auch für die Musikschule Einsiedeln tätig.

Sind Sie ein strenger Musiklehrer gewesen, vor dem sich die Kinder gefürchtet haben?

Ja, hoffentlich (lacht). Jedenfalls sind meine Schüler glaub ich gut rausgekommen. Einige von ihnen sind jedenfalls sehr aktiv in der lokalen Musikszene, das freut mich natürlich sehr.

Produzieren Sie auch geistliche Musik, passend zum Klosterdorf?

Nein, geistliche Musik ist eine andere Abteilung: Klassische Musik, Orchestermusik funktioniert via Noten, währenddem Rock- und Popmusik mehr aus dem Bauch heraus entsteht, via Gehör funktioniert. Beide Arten von Musik produzieren zu wollen, würde den Rahmen eines Produzenten naturgemäss sprengen.

Als Produzent spezialisiert man sich auf eine Sparte von Musik. Was ist der Grund, dass sich das Klosterdorf zu einem Musiker-Mekka entwickelt hat?

Das kann ich nicht genau sagen. Wie ich es aber wahrnehme, ist Einsiedeln heute nicht mehr das gleiche Musik-Mekka wie es früher einmal war. Das kann aber auch täuschen, da ich nicht mehr gross in der lokalen Musikszene tätig bin.

Mit welchen Musikern würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Sido imponiert mir aktuell sehr – mit diesem Musiker würde ich gerne einmal ein Projekt realisieren. Dass ich mit Freschta zusammenarbeiten darf ist eine wirklich tolle Sache. Sie hat eine phantastische Stimme, deren Klangfarbe ist einmalig. Dass Freschta bereits 14 Millionen Mal auf Spotify angeklickt wurde, ist Zeichen und Ausdruck davon, welches Talent in dieser Sängerin steckt. Wir arbeiten bereits an neuem Material und der nächste Song sollte bis Ende April fertig sein.

Wohin bewegt sich die Welt?


Derzeit gehen auf dieser Welt grosse Veränderungen über die Bühne: Die Menschen müssen sich neu orientieren. Das Coronavirus ist Fluch und Segen zugleich: Es bietet der bekanntlich eher trägen Menschheit die Chance, veraltete Strukturen aufzubrechen und an neue Ufer zu gelangen. Ich bin – den derzeitigen Widrigkeiten zum Trotz – sicher, dass es gut kommt mit dieser Welt. Und die Welt sind ja bekanntlich wir selber, also liegt es schliesslich in und an jedem einzelnen von uns, wohin die Welt sich bewegen wird.


Zur Person

Markus Glur ist am 26. Januar 1970 in Chur geboren und in Grüningen und Unterägeri aufgewachsen. Er hat eine Ausbildung zum Elektroniker absolviert. Markus Glur studierte an der ACM (Academy of Contemporary Music) in Zürich E-Bass Musik und Pädagogik. Es folgten Engagements bei diversen Bands als Bassist mit Auftritten im Hallenstadion Zürich und ein TV-Gig mit der norwegischen Popgruppe a-ha. Markus Glur war Gründungsmitglied und langjähriges Jurymitglied bei der Schwyzer Bandcontest Plattform BandXsz.ch. Von 1995 bis 2015 war er Musiklehrer an der Musikschule Einsiedeln. Im Jahr 2000 gründete Markus Glur sein Tonstudio Skytone Music. Ab 2005 liess er sich zum Linienpiloten und Flug-Instruktor ausbilden. Im Jahr 2017 gründete Markus Glur seine Firma fly2sky AG, die im Bereich der Aviatik tätig ist. Hauptberuflich ist er als Software-Entwickler angestellt. Zu seinem Hobby zählt der Sport. Markus Glur ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Einsiedeln.

Einsiedler Anzeiger / Magnus Leibundgut

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

12.02.2021

Webcode

schwyzkultur.ch/M1mfvB