Dies & Das
«Niemand wird als Serienmörder geboren»
Kriminalpsychologin Lydia Benecke sprach im Gaswerk in Seewen über Serienmord.
Zwar ist das Phänomen Serienmord ein ungewöhnliches Thema für einen Abend am Kulturwochenende, doch für Sandro Duss vom Gaswerk-Team stand fest, dass dies eine «coole Bereicherung » sein könnte. Die deutsche Kriminalpsychologin Lydia Benecke hielt sich gerade in der Schweiz auf und machte am Freitag einen Abstecher nach Seewen, wo sie vor einem vollen Saal mit überwiegend jungen Zuhörenden über ihre Erkenntnisse sprach. Benecke arbeitet in Köln in einem Gefängnis mit Sexualstraftätern und bietet auch Sozialtherapie als Bewährungsauflage an. Daneben informiert sie häufig in Vorträgen oder Videos darüber, wie es zu schweren Straftaten kommen kann. Sie ist sich bewusst, dass Serienmord und «True Crime» die Menschen sehr interessieren. Dazu sagt Lydia Benecke: «Ich möchte nicht gruseln und unterhalten, sondern vermittle Wissen, um so zur Prävention beizutragen.»
Serienmord gibt es seit der Antike
Anhand von Folien und einiger Filmausschnitte rollte sie Serienmord-Fälle auf. Diese seien dadurch charakterisiert, dass zwei oder mehr Opfer durch eine Person bei getrennten Vorfällen getötet würden. Obwohl sich der Begriff «Serienmord» erst vor 100 Jahren etabliert habe, sei das Phänomen schon in der Antike aufgetreten. Damals vergiftete ein habgieriger Römer immer wieder Menschen aus seinem Umfeld. Eine Königin in Sri Lanka wiederum schloss wechselnde Ehen mit Männern, die sie schon nach kurzer Zeit beseitigte, bis sie selbst auf dem Scheiterhaufen endete. Auch Beispiele aus dem 20. Jahrhundert wie den jugendlichen Sexualmörder Jürgen Bartsch oder den Briefbombenattentäter Ted Kaczynski analysierte Benecke vor dem Publikum, das bis zum Ende des Vortrags um 23 Uhr ausharrte. Solche Täter seien stark auf ihre Bedürfnisse konzentriert und hätten ein Defizit an Schuld- und Mitgefühl. «Niemand wird als Serienmörder geboren», sagte die Kriminalpsychologin. Biologische Faktoren und dysfunktionale Umweltfaktoren trügen aber dazu bei, dass jemand dazu neigen könne.
Serienmord-Opfer wird man wahrscheinlich nicht
Die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Serienmords zu werden, sei sehr gering und nehme weiter ab. Dafür nannte Benecke Gründe wie Mobiltelefone, bessere Erziehungs- und Kontrollmöglichkeiten bei Kindern sowie bessere Ermittlungsmethoden. Nicht zuletzt gebe es auch anonyme Beratungsstellen zur Prävention sexueller Gewalt, die helfen könnten, bevor der Lernprozess einsetze und Täter ihr Bedürfnis ausleben möchten. Für Lydia Benecke ist klar: «Jede echte Straftat ist tragisch und sollte nicht als Unterhaltung betrachtet werden.»
Bote der Urschweiz / Patrick Kenel
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Bote der Urschweiz
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