Brauchtum / Feste
Orangenregen und Camping-Spott: Steinen fest in Narrenhand
Wenn der Talibasch und der Välädi ihre Aufwartung machen, gibt es im Stauffacherdorf kein Halten mehr. Am Freitag war der 1. Fasnachtstag in Steinen.
Die Kirchenglocken schlugen am Freitagnachmittag halb zwei. Gut, das tun sie eigentlich jeden Tag, aber an diesem speziellen Freitag im Jahr ist es auch ein spezieller Glockenschlag: die Eröffnung zum 1. Fasnachtstag. Und so verwandelte sich am Freitagnachmittag der Steiner Dorfplatz in ein bebendes Meer aus Farben, Rhythmen und närrischer Ausgelassenheit. Gegen 200 Maschgraden zogen alle Register ihres Könnens. Sie nüssleten, tanzten, was das Zeug hielt, begleitet wie immer vom exakten Schlag der Steiner Tambouren. So wirbelten diese die Steiner Traditionsfiguren über das Pflaster und liessen das Brauchtum hochleben. Das liessen sich auch die Einheimischen, die nicht als Maschgraden verkleidet waren, nicht entgehen: Ein paar Hundert Steinerinnen und Steiner säumten den Dorfplatz, genossen das Spektakel und sorgten für die Kulisse, die eine zünftige Fasnacht verdient.
Ein Bändel gegen den «Portemonnaie-Frust»
Eine kleine fasnächtliche Revolution gab es in diesem Jahr beim Proviantnachschub. Wer kennt es nicht: das mühsame Nesteln nach Kleingeld unter dem Kostüm, während man eigentlich gerade mitten im Narrentanz steckt. Damit war jetzt Schluss. Dank dem neuen Orangenbändel für 20 Franken konnten die Maschgraden befreit aufatmen. Einmal zahlen, unbegrenzt schleppen – so viele Orangensäcke, wie das Herz begehrte. Eine Neuerung, die beim närrischen Volk auf helle Begeisterung stiess.
Polit-Spott auf dem Dorfplatz
Was wäre die Steiner Fasnacht ohne einen Seitenhieb auf die Obrigkeit? Dieses Jahr traf es den Camping Buchenhof. Die Maschgraden nahmen das Hickhack mit dem Kanton gekonnt aufs Korn und sorgten mit ihrer Nummer für herzhafte Lacher im Publikum. Sie suchten nach einem neuen Stellplatz für den Narrenvater Edwin Gwerder. Ob mit einem charmanten «Sind so guet, liebä Maschgrad» oder einem ohrenbetäubenden, leidenschaftlichen «Güüssä» – die Belohnung liess im Kreis auf dem Dorfplatz nicht lange auf sich warten. Orangen, Chräpfli und Zältli flogen reichlich.
Bote der Urschweiz / Erhard Gick
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Bote der Urschweiz
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- Brauchtum / Feste
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