Zwei Troubadoure und der Pfarrer an einer «Beerdigungshochzeit». Bild Tobias Simonis
Zwei Troubadoure und der Pfarrer an einer «Beerdigungshochzeit». Bild Tobias Simonis

Bühne

Wenn Grusinien in Ausserschwyz Einzug hält

Am Samstag feierte das von KSA-Schülern inszenierte Brechtsche Theaterstück «Der Kaukasische Kreidekreis» Premiere in der Aula der Kantonsschule Ausserschwyz.

Die Spannung im Saal war wie jedes Jahr gross, als sich am Samstag pünktlich um 20 Uhr der Vorhang in der Aula der Kantonsschule Ausserschwyz in Pfäffikon zum ersten Mal in diesem Jahr öffnete. Nachdem sich im vergangenen Jahr das Theater aus mehreren Bagatellen, Anekdoten und Splitterstücken zusammengefügt hatte, wurde mit dem Stück «Der Kaukasische Kreidekreis» wieder Brechtsches Theater gezeigt, und erneut konnte die Bühne der Kantonsschule ihre Qualität und vor allem Originalität unter Beweis stellen.

Salomonisches Urteil

Die Geschichte spielt in Grusinien und erzählt von der Magd Grusche, die das Kind eines verstorbenen reichen Gouverneurs und dessen Witwe aufzieht, da diese es auf der Flucht vor dem Krieg kaltblütig zurücklässt. Nach dem Ende des Kriegs beansprucht die leibliche Mutter das Kind allerdings für sich, was in einem Streit vor Gericht gipfelt. Der Richter spricht daraufhin ein geradezu salomonisches Urteil aus: Das Kind wird in einen Kreidekreis gestellt, worauf es beide Frauen auf die jeweilige Seite ziehen sollen. Die wahre Mutter verfüge über die Kraft, das Kind an sich zu reissen. Als die leibliche Mutter am Kind zu zerren beginnt, lässt Grusche los um das Kind nicht zu verletzen. Der Richter anerkennt dies als eindeutige Mutterliebe und spricht Grusche das Kind zu.

Humoristisch und gewagt

Regie führt wie gewohnt Mischa Käser, der den Zuschauer mit humoristischen Einlagen und gewagten Gags durch das Stück führt. Die Aufführung hält sich einerseits an die Fassung von Brecht, zeigt aber auch einen ganz eigenen Charme. Dann beispielsweise, wenn sich ein Troubadour eines Stücks von Mani Matter bedient, oder aber durch die musikalischen Intermezzi des erst sechsjährigen Raphael Nussbaumer, der die Rolle des Kindes verkörpert. Nicht minder beeindruckend sind das aufwendige Bühnenbild von Daniel Bütler und natürlich das aussergewöhnliche Schauspieltalent der Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Ausserschwyz.

March-Anzeiger und Höfner Volksblatt

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

22.03.2012

Webcode

schwyzkultur.ch/pXBCfq