Die Leiterin des Max Frisch-Archivs der ETH Zürich, Margit Unser, flankiert von Peter Schärer (links) und Toni Ebner. Bild zvg
Die Leiterin des Max Frisch-Archivs der ETH Zürich, Margit Unser, flankiert von Peter Schärer (links) und Toni Ebner. Bild zvg

Dies & Das

Max Frisch am Dreikönigsbott

Man munkelt, die Adelrich-Gesellschaft sei überaltert, was ihr Programm Lügen straft, denn da hat sie die Nase vorn. So referierte im noch jungen Frisch-Gedenkjahr in der Aula der Kantonsschule Ausserschwyz in Pfäffikon die Leiterin des Frisch-Archivs der ETH Zürich, Margit Unser, zu dessen Frühwerk: «Die Suche nach dem Sinn des Lebens».

Rund 100 Personen kamen zur 65. Hauptversammlung, die Toni Ebner, seit 24 Jahren Präsident, rassig durchzog. Fünf neue Mitglieder wurden namentlich begrüsst, das verlesene Protokoll herzlich verdankt. Der präsidiale Jahresbericht sah das 2010 als Jahr, in dem die globale Finanzkrise nicht wirklich beendet wurde und bereits die nächste mit ungeheuren Staatsschulden eintraf. Es gelte, so der Präsident, im privaten wie öffentlichen Bereich den Gürtel enger zu schnallen.

Lichtblicke

Lichtblicke ortete Ebner indes im vergangenen Jahr und liess die zahlreichen gefreuten Aktivitäten farbig wieder aufleben. Kassier Fritz Rutz glänzte mit attraktiver Präsentation, so dass die 285 Fr. Defizit (bei all den erlebten kulturellen Events) leicht zu verschmerzen waren, die Revisoren mit Bestzensuren Genehmigung der Rechnung empfahlen. Vizepräsident Peter Schärer würdigte feinsinnig die Neujahrsgabe, ein Buchzeichen mit Max Frischs Konterfei. Kurz hielt Toni Ebner den Ausblick auf das neue Vereinsjahr. Geplant sind Exkursionen nach Rapperswil und Baden und im Herbst die Erkundung Bächs sowie das Jahresabschlusskonzert. Als präsidiales «Mümpfeli» verriet er die Reise 2012 ins Piemont, für die demnächst rekognosziert werde.

Frisch weit mehr als aufgefrischt

Peter Schärer stellte die Referentin Margit Unser vor und gab eine Einführung zum Besten, die Lust auf mehr Literatur machte. Des Vizepräsidenten Erläuterungen waren geprägt von seiner Vorliebe für Max Frisch vom Gymi bis jetzt, klammerte indes auch kritische Gedanken (einer Freundin Ingeborg Bachmanns sowie von Frisch-Tochter Ursula) nicht aus. Das erwies sich als ausgezeichnetes Terrain für Unsers Vortragsthema «Die Suche nach dem Sinn des Lebens». Der Wissensstand der Adelricher um den Autor wurde dadurch keineswegs bloss «aufgefrischt», sondern erweitert durch ein eigentliches Fundament, das erst den ganzen Dichter ausmacht.

Früher Raub der Flammen

1937 verbrannte Max Frisch sein frühestes Oeuvre laut Unser im Wald. Darunter waren auch Tagebücher und andere frühe Schriften, jedoch nicht verbrannt hat er die Briefe an seine Mutter. Frisch unterbrach nicht zuletzt aus Not sein Germanistik- Studium, da sein Vater starb und Schulden hinterliess. Er arbeitete als Journalist für die «NZZ», konnte für diese und den «Tagi» 1933 eine erste Auslandsreise antreten, nach Prag, die er ausdehnte durch den Balkan, auch nach Istanbul und Griechenland. Ganz begeistert war er vom früheren Ragusa (Dubrovnik) und entdeckte dort das Meer. Sein erster Roman «Jürg Reinhart» birgt viel Autobiographisches, das «Leiden am Ich», und die Suche nach dem Sinn des Lebens wurde Frischs zentrales Thema.

Ein apolitischer Mensch

Laut Margit Unser war der frühe Frisch total apolitisch, verstand es indes, herrliche Naturbeschreibungen in seine Werke einfliessen zu lassen, so auch in «Antwort aus der Stille», wo der Lehrer Balz Leuthold einen Ausbruch riskiert. Frisch nahm sich indes auch Themen an, die heute aktueller denn je sind, wie «Sterbehilfe ». Dazu bewog ihn wohl seine kranke Verlobte Käthe, die er heiraten wollte. Deswegen machte er 1936/37 ein Architekturstudium an der ETH, um einen bürgerlichen Beruf zu haben. Frisch war immer Bürger und seine später harschen Kritiken an der Heimat änderten nichts an seiner Liebe und Sorge um das Land. Eher schwer tat sich Max Frisch mit den Frauen, sie waren klug und oft rebellisch; nicht zuletzt verdanken wir dem wunderbare Romane. Zum Schluss bejahten sowohl Unser wie Peter Schärer voll die sehr umstrittene Herausgabe vom dritten Tagebuch: Es runde Max Frischs Leben ab.

March-Anzeiger und Höfner Volksblatt

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

20.01.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/kLMdEe