Beleuchten die unterschiedlichsten Dimensionen von Bildung: (v l.) Szenografin Brigit Rufer, Kurator Andreas Schwab, Szenograf Matthias Rohrbach, Stiftungsratspräsidentin Monica Vögele und Kuratorin Beate Schappach. Bilder Hans-Ruedi Rüegsegger
Beleuchten die unterschiedlichsten Dimensionen von Bildung: (v l.) Szenografin Brigit Rufer, Kurator Andreas Schwab, Szenograf Matthias Rohrbach, Stiftungsratspräsidentin Monica Vögele und Kuratorin Beate Schappach. Bilder Hans-Ruedi Rüegsegger
«Himmel und Hölle» auf dem Pausenplatz: Die Ausstellungsmacher (v. l.) Beate Schappach, Monica Vögele, Matthias Rohrbach, Brigit Rufer und Andreas Schwab.
«Himmel und Hölle» auf dem Pausenplatz: Die Ausstellungsmacher (v. l.) Beate Schappach, Monica Vögele, Matthias Rohrbach, Brigit Rufer und Andreas Schwab.

Dies & Das

Sprung ins Abenteuer Bildung

Unter dem Titel «Das Abenteuer Bildung. Über Pflicht, Lust und Ideen im Lauf der Zeit» animiert das Vögele Kulturzentrum in Pfäffikon zu einer Entdeckungsreise durch die unterschiedlichsten Dimensionen von Bildung.

«Die einzige Zeit, in der meine Ausbildung unterbrochen wurde, war meine Schulzeit», sagte einst der irisch-britische Dramatiker George Bernard Shaw. Auch heute noch schläft beim Thema Schule so manchem das Gesicht ein, oder er redet sich in Rage: Zu belastend ist für viele das Thema. Darum beginnt die Ausstellung imVögele Kulturzentrum auf dem Pausenplatz – mit aufgemaltem «Himmel und Hölle»-Spiel. Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Press Preview gestern Vormittag standen herum «wie Schüler am ersten Schultag, die einander noch nicht kennen », wie Monica Vögele, Präsidentin des Stiftungsrates der Stiftung Charles und Agnes Vögele es formulierte. Die Ausstellung dreht sich aber nicht um Schule allein. «Wir zeigen viele Aspekte von Bildung, liefern aber keine Antworten, sondern geben Gedankenanstösse», so Vögele. Für sie macht die verordnete Ausbildung nur einen kleinenTeil der Bildung aus. Wesentlich ist für sie das stille, innere Lernen, das durch jede einzelne Begegnung gefördert wird, die Herzensbildung.

«Jeder ist Bildungs-Experte»

Himmel und Hölle – die Schulzeit wurde und wird sehr unterschiedlich wahrgenommen. Zehn Personen – von der elfjährigen Schülerin über die sehbehinderte Mittzwanzigerin, den 60-jährigen Pädagogen bis zur über 80-jährigen Fotografin erzählen ihr schönstes und ihr schlimmstes Schulerlebnis. «Bildung begleitet einen durch die ganze Biografie», sagt Kuratorin Beate Schappach. Und Bildung ist ein Feld, über das viel diskutiert wird, denn «jeder ist Experte», fügt Kurator Andreas Schwab hinzu. So dreht sich die Ausstellung um die Fragen: Was ist Bildung? Was bedeutet Bildung, wenn sich dieAnforderungen im Berufsleben und im Alltag schnell verändern? Verstehen wir Bildung als Kostenfaktor, als Investition in die Zukunft, als Markt?Was treibt uns an, uns zu bilden?

Existentielle Dimension

Bei der Erarbeitung der Ausstellung wurde den beiden Kuratoren eine Szene aus dem Film «Das fliegende Klassenzimmer» nach dem Roman von Erich Kästner zum Leitmotiv: Der kleine Uli springt als Mutprobe mit einem Regenschirm von einem Klettergerüst. Die «Bildungsleiter» ist zentrales Element der Ausstellung: Mit einer Kurbel kann der Besucher eine Figur eine Leiter hochsteigen und sie dann springen lassen. «Der Sprung ins Abenteuer Bildung», wie es Szenograf Matthias Rohrbach nennt. Ein Sprung, bei dem man nicht – wie Uli im Film – das Bein bricht. Und für Monica Vögele zeigt dies: «Jeder geht seinen eigenen Weg im eigenen Tempo.» Für Kurator Andreas Schwab ist klar: «Die Ausstellung hat eine existentielle Dimension.» Bildung ist das wertvollste Gut einer Gesellschaft. Aber, was ist relevantes Wissen, das uns für die Zukunft fit macht? Im Zeitalter von Suchmaschinen und Internet-Lexika sind «eineinhalb Meter Brockhaus rührend », wie Andreas Schwab sagt. Wichtig sei doch zu wissen, wo man nachschauen muss. Reizend ist die Sammlung von Spickzetteln. Auch wenn wohl die meisten schon mal einen gebraucht haben, ist ihr Ruf schlecht. «Zu Unrecht», wie Beate Schappach sagt. Denn auf einem Spickzettel kondensiert man das Wis-sen, das man braucht – und oft ist dann der Spick nicht mehr nötig.

Bildung, ein Menschenrecht

Bildung ist ein Menschenrecht. Fotografien von kriegsversehrten Menschen zeigen, was sie vermissen und sich wünschen: «I want education» (Ich möchte in die Schule), sagt ein Mädchen. Eindrücklich zeigt eine Fotoserie, was passiert, wenn das Geld für Bildung fehlt: verlotterte Bildungsstätten in der einst blühenden Industriestadt Detroit. Einen spielerischen Abschluss der von Brigit Rufer, Matthias Rohrbach und Luisa Beeli von Rob& Rose szenografisch gestaltetenAusstellung bildet das Bildungslabyrinth. Zieht der Besucher eine Bibliothek Google vor? Gefällt der Besucherin der Pauker besser als der Lehrer John Keating im Film «Dead Poet Society»? Je nachdem wählen sie den Weg. So oder so erreichen beide eine Wandtafel, auf der sie – mit Kreide –Wünsche notieren können, wie sie sich Bildung in Zukunft vorstellen.

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

15.11.2013

Webcode

schwyzkultur.ch/NqLbJA