Historikerin Barbara M. Wernli referiert nicht nur, sondern lebt die Geschichte. BIld: www.historia-viva.ch
Historikerin Barbara M. Wernli referiert nicht nur, sondern lebt die Geschichte. BIld: www.historia-viva.ch

Dies & Das

«Will Geschichte von Klischees befreien»

Die Pfäffiker Historikerin Barbara M. Wernli entstaubt das Fach Geschichte. Im Tertianum belebte sie gestern mit Ton, Bild und Kleidung die Geschichte rund ums Rütli – und fungierte als Reiseführerin.

mit Barbara M. Wernli sprach Tatjana Kistler

Sie versprechen,keine langweiligen Geschichtsvorträge zu halten, sondern vielmehr «frische, lebendige Geschichten aus der Geschichte» zu erzählen.

Unbedingt. Wer Geschichte mit Jahreszahlen, Auswendiglernen und komplexen Zusammenhängen in Verbindung bringt, hatte nie einen tollen Geschichtslehrer, der lebendig erzählen und Hintergründe aufzeigen konnte. Ich studierte Geschichte auf dem zweiten Bildungsweg, also zeitgleich mit meinen drei Kindern, die die KSA besuchten. Mein Sohn lehrte mich den Anspruch an eine gute Referentin. Er sagte: «Mama, erklär mir das Wichtigste der Französischen Revolution – du hast drei Minuten Zeit.» Da spricht man in einfachen Worten und muss die grossen Zusammenhänge erkennen.

Sie nennen sich Historikerin und Reiseleiterin – Sie nehmen die Zuhörer mit auf Zeitreise.

Und zu solch einer Reise gehört auch die richtige Kleidung. Ich suche Anknüpfungspunkte, Erinnerungsmöglichkeiten und stelle einfache Fragen an die Vergangenheit,mit welchen ich mich einem Ereignis oder Phänomen annähere.

Sie appellieren also an die Vorstellungskraft und ans Verständnis?

Nur so lassen sich Irrtümer und Missverständnisse aufheben. Vielfach verstehen wir ein Ereignis aus der Vergangenheit nicht, weil uns die Begleitumstände fremd sind. Ich will diese von gängigen Klischees befreien.

Dem Beruf des Historikers haften ebenfalls Klischees an …

Staubtrockene! Bei mir und in den heute topmodernen Archiven suchen Sie den Staub vergebens. Mit der Oral, der erzählten, und der Living History, der gelebten Geschichte, gibt es heute neue Zugänge zur Vergangenheit. Mit meinem Verein «Plaisir d’Histoire» (Freude an Geschichte) unternehmen wir wahre Zeitreisen und begeben uns auf Spurensuche. Dazu gehört aber auch, sich mit der Reiseepoche auseinanderzusetzen. Ich tue dies unter anderem, indem ich die jeweilige Kleidung selber nähe und natürlich nach authentischen Materialien und Schnittmustern suche.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten, wohin würde Sie diese führen?

Ich würde nirgends lange bleiben,aber überall nachsehen,wie es wirklich war. Und ich würde schauen, wie die Leute im Ausland die Ereignisse zum Beispiel in der Schweiz wahrgenommen haben. Eine Fremdperspektive kann manchmal sehr aufschlussreich sein…

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger (Tatjana Kistler)

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

20.07.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/WPJgWJ