Ernährung: Fakten und Mythen - 1
Ernährung: Fakten und Mythen - 1
Ernährung: Fakten und Mythen - 1
Die neue Ausstellung im Vögele Kultur Zentrum in Pfäffikon lädt «Zu Tisch»: Co-Kuratorin Monica Ursina Jäger (links) und Zentrumsleiterin Monica Vögele laden ab morgen an die Ausstellung rund um die Ernährung ein. Bild Patrizia Baumgartner o
Die neue Ausstellung im Vögele Kultur Zentrum in Pfäffikon lädt «Zu Tisch»: Co-Kuratorin Monica Ursina Jäger (links) und Zentrumsleiterin Monica Vögele laden ab morgen an die Ausstellung rund um die Ernährung ein. Bild Patrizia Baumgartner o

Dies & Das

Ernährung: Fakten und Mythen

Zwischen Wissenschaft und Kunst: Die neue Ausstellung «Zu Tisch» im Pfäffiker Vögele Kultur Zentrum (ab 6. November) entstand in Kooperation mit dem Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen der ZHAW. Es geht um unsere Ernährung: Lust, Druck, Verantwortung und auch die Zukunft.

Alle essen, nur schon zum Überleben. Wir essen jedoch auch aus Freude an der Geselligkeit oder aus Genuss. Rund um die Ernährung gibt es zudem gesellschaftliche Herausforderungen. Was wir essen, geht einerseits mit Verantwortung andererseits aber auch mit Essgewohnheiten einher. Mit diesem vielfältigen Thema Ernährung befasst sich die neue Ausstellung «Zu Tisch» im Vögele Kultur Zentrum in Pfäffikon. Sie ist in verschiedene Bereiche aufgeteilt, die jeweils einen konkreten Aspekt aufnehmen und vertiefen. Die Ausstellung ist ab morgen offen und präsentiert Fakten zur Nahrung, räumt gleichzeitig mit hartnäckigen Mythen auf. Auch eigenes Wissen ist gefragt: Woher stammen die beliebtestens Gemüse- und Früchtearten der Schweiz? Tipp: Die meisten haben einen Migrationshintergrund.

von Patrizia Baumgartner Wie viel und was essen wir eigentlich? Wie nachhaltig ist unsere Ernährung und wo führt das Ganze hin? Mit diesen und weiteren Fragen befasst sich die neue Ausstellung im Vögele Kultur Zentrum in Pfäffikon. Am Freitag fand die Medieninformation in kleiner Runde statt und Monica Vögele, Leiterin des Vögele Kultur Zentrums, sagte: «Die Lust an der Ernährung kennen alle.» In den letzten Monaten habe es ausserdem genügend Möglichkeiten gegeben, neue Rezepte zu entdecken. In der heutigen Zeit könne der Genuss jedoch unter Druck geraten oder ganz zur Nebensache werden – wenn man nur schon an all die Food-Bilder auf den Sozialen Medien denke. «Darf man noch genussvoll in eine Pizza beissen?» Oder wird man dann gleich als Käse-Esser beziehungsweise Kohlenhydrat-Sünder abgestempelt?

Regeln des Zusammenessens


Darauf übernahm Künstlerin und Co-Kuratorin Monica Ursula Jäger das Wort. Sie ist unter anderem wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Umwelt und natürliche Ressourcen an der ZHAW. Ihr ist es wichtig, das Thema Ernährung in die Gesellschaft zu bringen. Die neue Ausstellung in Pfäffikon ist in vier Kapitel gegliedert. Beispiels- weise geht es um Essensrituale und Tischsitten. Trotz einer Vielfalt von Esstraditionen sei man sich immer gegenseitig zugewandt und teilt sowohl Essen wie auch Geschichten. Die Regeln des Zusammenessens werden allen eingetrichtert. Dies merkt man spätestens beim Betrachten eines Esstischs, der unter anderem mit Werkzeug und Spritzen gedeckt ist.

Identität und Neugierde


Essen ist auch ein Kulturvermittler und bringt Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammen. Die Installation «Heimat» zum Beispiel zeigt gewöhnliche Einmachgläser als Aufbewahrungsort für selten gewordene Wildpflanzen in verschiedenen Flüssigkeiten und Aggregatszuständen. Oder «The Epilogue» erzählt die Geschichte der Familie Robinson. Sie hat ihre an Bulimie erkrankte 26-jährige Tochter verloren. Gerade aber, weil Essen einen grossen Teil des Lebens ausmacht, gibt es viele Fragen rund um die Ernährung sowie eine fast unendliche Zahl an Blogs und Ratgebern, so dass die Antworten auf «Was soll ich essen?», «Woher kommt meine Nahrung?» und «Was bewirken meine Entscheidungen bezüglich Essen?» nicht immer klar sind. So verwandelt die Ausstellung Zahlen in Erlebnisse. Beispielsweise eine Kartoffel, ein Stück Fleisch oder eine Tafel Schokolade verbrauchen unterschiedlich viel Energie für die Produktion, dementsprechend schwer sind die dazugehörigen Plastik-Esswaren zu heben. Dazu wurde ein ganzes Schwein in Einzelteilen in Acrylglas gegossen, und es wird ein Film zur Lebensmittelproduktion rund um die Erde gezeigt. Auch der Zucker kommt zur Sprache. Aktuell essen wir etwa doppelt so viel süsses Gift, wie gut für uns wäre. Daran erinnert der Zucker- und Lollipop-Kaktus.

Rezepte für die Zukunft


Wo führt das noch hin? Bis im Jahr 2050 werden die Erde voraussichtlich über neun Milliarden Menschen bevölkern. Auch im Hinblick darauf lohne es sich, für ein gesünderes und gerechteres Nahrungsmittelsystem zu kämpfen, ist die Kuratorin überzeugt. Dieser Teil der Ausstellung ist sowohl mit künstlerischen als auch wissenschaftlichen Informationen angereichert. Einerseits geht es ums Tierwohl eines Huhns und wie es verbessert werden könnte, andererseits auch um Literatur zum politischen Inhalt des Kochens oder den Erlebnissen eines Guerilla Gärtners aus Zürich. Filmisch werden Süssigkeiten aus der ganzen Welt genauer betrachtet und in einer Fantasiesprache besungen.

Schüler als Künstler


Auf dem Mezzanin finden die Besucher weitere Informationen zur Ausstellung, von der Szenografie über soziologische Ansichten bis hin zu den Werken der Schüler des BBZ Pfäffikon. Monica Vögele mag diesen Teil der Ausstellung am liebsten. Man spüre förmlich, wie sich die Schüler den Umgang mit der Ernährung überlegt hatten. Die Ausstellung «Zu Tisch» beweist: Man darf den ganzen Tag über immer wieder essen – aber die Ernährung muss für jeden persönlich stimmen.


Öffnungszeiten


Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr. Montag geschlossen. Ausstellung bis am 21. März 2021.

Teilnehmende Kunstschaffende


Marina Abramović, Laia Abril, Badel/Sarbach, Max Bottini, Olaf Breuning, Thomas Feuerstein, honey&bunny, Teresa Hubbard / Alexander Birchler, Sandra Junker, Ragnar Kjartansson, Sandra Knecht, Katharina Lütscher, Maurice Maggi & Juliette Chrétien, Lorenza Mondada/Sofian Bouaouina/Guillaume Gauthier/Hanna Svensson/Burak Tekin/Laurent Camus, Sladjan Nedeljkovic, Andrea Staudacher, Björn Steinar Blumenstein & Johanna Seelemann, Austin Stewart, Madame Tricot, Ulla von Brandenburg


Kuratorium: Monica Ursina Jäger, Zürcher Hochschule der angewandten Wissenschaften (ZHAW) und Sarah Wirth, Vögele Kultur Zentrum


Trotz Coronavirus ist das Museum offen


Ab 6. November 2020 ist das Vögele Kultur Zentrum wieder offen, denn « Kultur muss gelebt werden», wie Leiterin Monica Vögele sagt. Das Museum auf rund 1000 Quadratmetern bietet genügend Platz, um einander auszuweichen, und besitzt eine gute Lüftung. Es gilt die generelle Maskenpflicht. (pp)

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Patrizia Baumgartner / SKP-Reda

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

05.11.2020

Webcode

schwyzkultur.ch/swkgbu