Musik
«Hier starten die Stars von morgen»
Den Nachwuchswettbewerb BandXsz gibt es seit rund 20 Jahren. Bekannte Künstler wie Linda Elys, Sid Bader oder auch Aaron Asteria haben hier erste Bühnenerfahrungen gesammelt. Nun hat Nadine Jordan das Zepter übernommen und schildert Hoffnungen und Ängste.
Mit Nadine Jordan, Projektleiterin von bandXsz seit anfangs Jahr, sprach Silvia Gisler.
Silvia Gisler: Viele hören Musik – aber machen sie auch noch selber Musik?
Nadine Jordan: Es gibt immer noch viele, welche Musik machen. Auch die Musikschulen in der Region sind immer noch gut besucht.
Das klingt nach einem Aber …
Viele haben es nach einer gewissen Zeit satt, nur ab Noten zu spielen und sich selber nicht verwirklichen zu können. Dann findet sozusagen eine Pubertät im Musikmachen statt. Oft fehlt das unterstützende Umfeld, um der Kreativität freien Lauf zu lassen. Dadurch hören viele Jugendliche auf, Musik zu machen. Dem wollen wir mit unserer Plattform entgegenwirken.
Würden Sie sagen, die Musikszene in Ausserschwyz ist lebendig – oder braucht sie eher einen Anschub?
Es gibt viele Angebote, sei es die Musikschule oder auch diverse Konzerte mit regionalen Bands. Aber wie es bei einem lebendigen Organismus so ist: Es muss immer wieder daran gearbeitet werden. Es lebt, und das Leben verändert sich.
Gibt es noch klassische Schülerbands – oder läuft heute alles eher digital und alleine im stillen Kämmerchen?
Es gibt noch klassische Schülerbands, die von Schulmusiklehrern gefördert werden. Dies ist aber stark vom Engagement der Lehrer abhängig. Auch bei Musikschultagen treten immer öfter Musikschulbands auf. Rapperswil-Jona hat sogar eigene Konzerttage mit Musikschulbands, da sie bereits so viele haben.
Was braucht es konkret, damit junge Leute wieder eine Band gründen?
Wir glauben, ein guter Ansatz ist die Zusammenarbeit mit den Musikschulen, welche wir seit Jahren intensiver anstreben. Musiktalente sollen gezielt eine Möglichkeit bekommen, bei einem Bandprojekt dabei zu sein. Wenn sie mit anderen Bandmitgliedern einen Song erarbeiten und miteinander Spass an der Musik haben, würde dies nicht nur dazu führen, dass viele Jugendliche der Musikschule treu bleiben, sondern auch, dass es mehr Freude am Musikmachen in der Gruppe gibt. Vielleicht ist es auch kein Band-, sondern ein Singer/Songwriterprojekt, das gezielt durch entsprechende Angebote an Musikschulen gefördert werden könnte.
Was könnten Kanton, Gemeinden und Politik tun?
Im Bereich Musikförderung oder Jugendförderung könnten sie allgemein mehr tun. Unsere Musikförderung ist im Kanton Schwyz stark auf Orchester und Blasmusik ausgelegt. Bei nationalen Wettbewerben können wir immer wieder gute Resultate einfahren, daher will ich dies nicht schmälern. Musikrichtungen, welche nicht diesem Genre entsprechen, haben es in unserem Kanton etwas schwieriger. Zudem spielt sich das kulturelle Leben im Kanton zu 99 Prozent in Form von freiwilliger Arbeit von Vereinen oder Einzelpersonen ab. Wenn keine Vereine mehr Openairs, Konzerte, Lesungen oder Veranstaltungen organisieren, passiert nichts mehr und es wird still.
Ist das nicht überall so?
Nein. In Sachen Kultur- und Jugendförderung hinkt der Kanton Schwyz trotz der scheinbar guten finanziellen Lage vielen anderen Kantonen in der Schweiz meilenweit hinterher. Im Kanton St. Gallen beispielsweise, oder generell die Kantone, mit denen ich bei der Organisation des Schwestercontests BandXost zu tun hatte, sieht es da doch etwas lebendiger aus …
Ein Thema, das man oft hört: Proberäume fehlen. Ist das in Ausserschwyz auch ein Problem?
Vor rund einem halben Jahr hat ein Proberaum für Musiker im Ableger des Jugendbüros in Siebnen eröffnet, welcher jungen Bands zur Verfügung steht. Meines Wissens war der Run darauf nicht zu gross, als dass wir in Siebnen von einer Knappheit sprechen würden, aber mit der Alten Fabrik, in welcher viele Proberäume sind, die auch von Jugendlichen genutzt werden, ist da eventuell auch ein Überangebot vorhanden. Meist ist es so: Der Raum ist nicht da, wo die Bands sind – und umgekehrt.
Was raten Sie Schülerbands?
Manchmal hilft es, in der Gemeinde oder bei Kirchen nachzufragen. Sie haben Luftschutzkeller, welche nicht gebraucht werden und umgenutzt werden können. Auch eine Schulhausaula könnte am Mittwochnachmittag eine Lösung sein. Es gibt immer Mittel und Wege – man muss einfach fragen und darf da keine Scheu zeigen.
Wo hat es in der Region noch Orte, wo junge Bands regelmässig auftreten können?
Regelmässig, was heisst das? Ist es regelmässig, dass einmal im Jahr ein Musik im Dorf in Lachen stattfindet, bei welchem eine junge Band Vorband sein kann? Oder dass im «District28» in Siebnen immer mal wieder eine junge Band als Vorband spielen darf? Ja, es gibt Möglichkeiten, aber längst nicht so viele wie zum Beispiel in einer Stadt wie Zürich, zumal unser Kanton doch weiter auseinandergezogen ist, als man mit einem Blick auf die Karte meinen könnte …
Der Wettbewerb BandXsz läuft seit 20 Jahren – was hat sich verändert?
Wenn man aufzählt, was sich in den Jahren alles verändert hat, würden wir die Zeitung füllen. Was sich in den letzten Jahren auffällig geändert hat, ist, dass wir in den vorhandenen Clubs und Konzerträumen des Kantons unsere Konzerte veranstalten. Dies hat auch zur Folge, dass die Betreiber die jungen Bands sehen und hören, was wieder zu einem Engagement führen kann. Auch haben wir unsere Jury verdoppelt, sodass sich ein Jury-Team länger um das Feedback einer Band kümmern kann. Und natürlich die grösste Änderung: Organisatorisch wurde auf dieses Jahr hin einiges angepasst – neues Logo, neue Projektleitung, neue Home-page, generell versuchen wir, den Contest etwas zu modernisieren und auch zu professionalisieren.
Einst durften die Sieger am grossen Open Air Hoch-Ybrig auftreten, dann an diversen Open Airs in Altendorf. Was winkt nun?
Das Ziel ist es, dass wir eine Siegertour zusammenstellen können. Dies bedingt, dass die Konzertlocations und Festivals «überleben» und auch Interesse an der Nachwuchsförderung haben. Mit unserer diesjährigen Finallocation, dem «The Bandits» in Tuggen, konnten wir fixen, dass der Siegeract am Bar & Pub im November spielen darf. Das «District28» in Siebnen ist auch immer offen, Platz für BandX-Bands zu schaffen. Weitere Konzertlocations im Kanton haben wir angeschrieben – leider nicht von allen einen positiven Bescheid erhalten. Auch mit Festivals möchten wir enger zusammenarbeiten. Wenn also jemand das liest, soll er sich bitte unbedingt bei uns melden. Unser klarer Wunsch ist es, dass diese Tour den Acts wirklich etwas bringt und sie auf noch mehr Bühnen im Kanton hebt und ihnen so wirklich ein tolles Sprungbrett bieten kann. Was halt immer ist: Wir möchten die Bands nur ungern gratis spielen lassen …
Ist denn das BandXsz heute noch ein Sprungbrett oder eher eine erste Erfahrung für Nachwuchsbands?
Das BandXsz kann alles sein: erste Erfahrung auf der Bühne und grosses Sprungbrett. Wir wollen alle dazu ermutigen, die Möglichkeit zu nutzen, bei uns auf der Bühne zu stehen und diese Erfahrung zu machen.
Kann man von Ausserschwyz her überhaupt den musikalischen Durchbruch schaffen?
Ja, das beweist gerade Kings Elliot. Klar, mittlerweile in London zuhause, aber aufgewachsen in Ausserschwyz. Auch Linda Elys hat bei uns den ersten Contest bestritten, bevor sie bei «The Voice of Germany» Vierte wurde. Nun zählt sie zu den absoluten Nachwuchskünstlern des Landes. Aber auch Aaron Asteria, welcher mit Bligg bei den Swiss Music Awards im Hallenstadion gesungen hat, machte seine ersten Bandversuche bei unseren Qualis. Und Sidney Bader feierte mit seiner Band Smack viele Erfolge – unter anderem am BandXsz – ehe er bei «The Voice of Germany» als Solo-Künstler antrat und immer noch viel unterwegs ist. Sein Gitarrist, Simon Eicher, ist nun unter anderem bei Saint City Orchestra dabei, welche in ganz Europa Konzerte spielen. Auch Rachel Carmen, die Innerschwyzer Singer-/Songwriterin hat sich vor Jahren im Duo auf der bandXsz-Bühne präsentiert. Vermutlich habe ich sogar einige vergessen.
Wer meldet sich heute an: komplette Bands oder eher Einzelkünstler?
Aktuell haben sich eine Hard-Rock-Metal- Band, eine Metal-Band, eine Classic-Rock-Schülerband, zwei Singer Song-writer und zwei Hip-Hopper angemeldet. Es hält sich also die Waage.
Was braucht es heute mehr: Talent oder Social Media?
Das Talent für Social Media. Ich höre von vielen Musikern, dass sie zum Teil mehr Zeit in Social-Media-Content investieren als ins Songwriting. Social Media gibt einem Künstler die Gelegenheit, direkt mit seinen Fans zu interagieren. Allerdings hat uns die-ser Trend auch ein bisschen zu Goldfischen gemacht – Aufmerksamkeitsspanne von drei Minuten. Daher sollte immer mal wieder etwas nachgelegt werden. Das muss nicht sein, kann aber helfen, und man nutzt gerne jede Chance, die man bekommt …
Was macht Ihnen am meisten Sorgen, wenn Sie an die Zukunft der Musikszene hier denken?
Wenn es weniger freiwillige Arbeit gibt beim Organisieren von Festivals und Konzertabenden, dann gibt es auch weniger Auftrittsmöglichkeiten und daher weniger Bands und Personen, welche Musik machen. Ich denke, dass dies in naher Zukunft ein reelles Problem darstellen wird. Eine Art Kultursterben, weil sich schlicht keine Leute mehr finden, welche sich diesen Stress und die Verantwortung antun wollen, etwas auf die Beine zu stellen.
Und umgekehrt: Wo sehen Sie Chancen?
Die Arbeit, welche hinter einem Event, einem Konzert oder Open Air steckt, sollte mehr wertgeschätzt werden und vor allem in unserem Kanton nicht komplett von externen Geldgebern und oft enormen eigenen finanziellen Mitteln abhängig sein. Wenn wir in diesem Bereich etwas ändern könnten, sehe ich die Chance, dass unsere vielfältige Kultur, vor allem neuer, nicht konservativer Art, eine Chance zum Überleben hat in den nächsten zehn Jahren.
Wenn Sie sich etwas wünschen könnten für die Region: Was würde der Musikszene helfen?
Am wichtigsten ist es, am gleichen Strang zu ziehen. Zudem würde ein stärkeres Engagement der Musikschulen im Bereich Bandworkshop und/ oder Songwriting mit Hinblick auf ein längerfristiges Engagement im Bereich Jugendmusik sicher sehr helfen. Auch muss man darauf achten, dass Konzertmöglichkeiten nicht verloren gehen – es ist ein fragiles Gebilde.
Die 1. Qualifikation des BandXsz findet am kommenden Samstag, 9. Mai, im Earl Music Club in Ried-Muotathal statt. Die 2. Ausscheidung am 23. Mai 2026 in Einsiedeln im Mauz.
Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Silvia Gisler
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