Im Künstlergespräch gab David Magnusson im Vögele Kultur Zentrum Einblick in das Leben der Menschen auf seinen noch bis am 20. September in Pfäffikon ausgestellten Porträts. Bild tak
Im Künstlergespräch gab David Magnusson im Vögele Kultur Zentrum Einblick in das Leben der Menschen auf seinen noch bis am 20. September in Pfäffikon ausgestellten Porträts. Bild tak

Kunst & Design

Vorurteile ausknipsen, Realität einfangen

Der schwedische Fotograf David Magnusson zeigte am Donnerstagabend im Vögele Kultur Zentrum im Künstlergespräch auf, wie sehr sich die Wahrnehmung anderer Kulturen Klischees bedient.

Ein älterer, fein gekleideter Mann und eine junge Frau im Hochzeitskleid stehen allein in inniger, vertrauter Umarmung in einer verlassenen Landschaft. Ihre Mimik ist sowohl offensiv und konfrontierend als auch fragil – sie haben einander einen Bund fürs Leben geschworen. Sie sind Vater und Tochter. Ein auf den ersten Blick verstörendes Bild, ruft es doch beim Betrachter Vorurteile hervor.

Realität ist Betrachtungssache

Vorurteile, bei welchen sich der schwedische Starfotograf und Fotojournalist David Magnusson auch ertappte. Denn: Es handelt sich bei seinen Portäts nicht etwa um Abbildungen von Inzestpaaren, sondern um Anhänger der US-amerikanischen,christlich-konservativen Purity-Bewegung. «Die jungen Frauen und ihre Väter schwören sich beim sogenannten Purity-Ball, dass einerseits das Mädchen ihre psychische und physische Rein- und Keuschheit bis zur Ehe wahrt, der Vater andererseits, dass er seine Tochter solange behütet und ihr ein Vorbild ist», erklärte der Fotograf am Donnerstagabend im Rahmen des Künstlergesprächs im Vögele Kultur Zentrum, wo ein Teil seiner Serie «Purity» noch bis am 20. September zu sehen ist.

Symbolgewalt

«Schweden ist einer der säkularisiertesten Staaten überhaupt. Als ich eine Zeitungsmeldung über die Purity-Bewegung las, war ich schockiert, aber auch fasziniert von der Symbolgewalt dieses Ritus», schilderte Magnusson seine Motivation, sich dieser Leute bei mehreren US-Aufenthalten mit einer Bildserie anzunehmen.So sollte das Projekt auch aufzeigen, wie stark persönliche Einstellungen kulturell geprägt sind – sowohl bei den Anhängern der Purity-Bewegung als auch beim nur scheinbar objektiven Betrachter.

Teil der Ausstellung

«Als Fotojournalist wurde mir bewusst, wie sehr ich beim Versuch, mit meinen Bildern die Realität wiederzugeben, allein durch die Motiv- und Einstellungswahl schon meine subjektive Wahrnehmung durchdringen liess», betonte Magnusson.Die Bilder David Magnussons sind Teil der aktuellen Ausstellung «Die Sehnsucht nach Einfachheit und die Lust am Überfluss» im Vögele Kultur Zentrum.

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger (Tatjana Kistler)

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

31.08.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/Pqq8kv