Bruno Reihl hielt am Donnerstag einen Workshop zum Thema «Integration für Deutsche in der Schweiz» ab.
Bruno Reihl hielt am Donnerstag einen Workshop zum Thema «Integration für Deutsche in der Schweiz» ab.

Literatur

Grüzi oder Grüezi ist die Frage

Bruno Reihl hat ein Buch geschrieben, das die zugezogenen Deutschen bei der Integration in der Schweiz unterstützen soll. Er gibt sein Wissen aber auch in Kursen weiter, wie am vergangenen Donnerstag im «Seedamm Plaza».

Bruno Reihls Buch «Der feine Unterschied» ist schon 3000-mal über den Ladentisch gegangen. Die zweite Auflage ist im Druck. Das Buch soll Deutschen, die in der Schweiz Arbeit und eine Bleibe gefunden haben, helfen, sich hier auch heimisch zu fühlen und von den Schweizern akzeptiert zu werden. Doch zu seinem durchaus amüsanten Workshop zum Thema «Integration für Deutsche in der Schweiz» fanden am Donnerstagabend nur eine gute Handvoll Leute den Weg ins «Seedamm Plaza». Dabei führt der Autor nicht nur eine leichte Feder, sondern ist auch ein guter Unterhalter, der seine langjährigen Erfahrungen als Deutscher in der Schweiz auf witzige Art unter die Leute bringen kann.

Fettnäpfchen vermeiden

Für die neu hier wohnhaften Deutschen zeigte er, wo die gefährlichsten Fallstricke über den Weg der örtlichen Gepflogenheiten gespannt sind, und in welche Fettnäpfchen sie niemals treten dürfen, wenn sie gerne wohlgelitten in ihrer neuen Heimat leben wollen. Also das Buch auf einen Nenner gebracht heisst das: Nett und freundlich sollen sie sein, und nicht zu fordernd sollen die Deutschen sich hier benehmen. Und nicht zu laute Freudenschreie ausstossen, wenn die deutsche Fussballnatiolnalelf gewinnt. Reihl hat beobachtet, dass die Schweizer den Italienern überschwängliche Fussballfreude sehr wohl gönnen, den Deutschen aber nicht.

Unser Schweizerdeutsch sollen sie verstehen lernen, die Deutschen. Damit lässt sich laut Reihl die Integration beschleunigen. Dazu gibt er auch gleich einige Anwendungstipps zur Mundart und zeigt die sprachlichen Tücken, die das Verständnis erschweren. Wenn auch nicht alle seine Herleitungen einer sprachwissenschaftlichen Überprüfung standhalten würden, originell sind seine Gedankengänge allemal, und vor allem sind sie lustig und bleiben einem dadurch im Gedächtnis haften.

Nie unwohl gefühlt

Christoph Schmitz stammt ursprünglich aus Köln und wohnt seit einem Jahr in Horgen. Er lebte zuvor 17 Jahre in verschiedensten Orten auf der Welt. In der Schweiz hat er sich nie unwillkommen gefühlt, doch viele Dinge, über die Bruno Reihl berichtete, waren für ihn neu. So konnte er im Workshop nicht nur schmunzeln, sondern versteht jetzt manch Unverständliches über Schweizer Gewohnheiten und Bräuche. Reihls Buch ist zu amüsant und sein Auftreten allzu gewinnend, als dass man den Abend als simple Einführung in den Knigge für Deutsche in der Schweiz abtun möchte. Aber vielleicht wendet sich das Buch ja auch ein wenig an die Schweizer und erklärt ihnen, was den Deutschen in der Schweiz Mühe macht, obschon sie den Schweizern ja im Grunde so ähnlich sind. So gelesen wäre es auch ein Ratgeber an die Schweizer, ihre Haltung kritisch zu betrachten.



Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

01.03.2010

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schwyzkultur.ch/6ZPsVr